Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Streit um Trainingszeiten geht in die Verlängerung

Kunstrasenplätze – hier der in Eppstein – haben nach Auskunft der Stadtverwaltung eine Lebensdauer von zwölf bis 14 Jahren.
Kunstrasenplätze – hier der in Eppstein – haben nach Auskunft der Stadtverwaltung eine Lebensdauer von zwölf bis 14 Jahren.

Einen bis zum Ende der laufenden Runde gültigen Plan fürs Training auf den neun Frankenthaler Freisportanlagen gibt es. Ende Januar hat die Verwaltung kurzen Prozess gemacht und Zeiten unter den aktuell aktiven Fußballklubs neu verteilt. Der Streit über die angebliche Benachteiligung einzelner Teams und den Zustand mancher Plätze ist damit aber nicht beendet.

„So kriegt man keine Ruhe rein“, sagt Manfred Weiß, Vorsitzender des A-Klassisten DJK Schwarz-Weiß. Seine Kritik an der Vorgehensweise der Stadt und der vorläufigen Verteilung der Trainingszeiten: Weil die Kicker vom B-Klasse-Tabellenführer Vatanspor von Mörsch auf den von DJK genutzten Kunstrasenplatz an der Benderstraße umgezogen seien, werde das Spielfeld im Eigentum des Bezirksverbands Pfalz stärker strapaziert als bisher. Diese Rahmenbedingungen bremsten den gesamten Verein in seiner Entwicklung, sagt Weiß. Er wirft der Verwaltung vor, freie Kapazitäten zurückzuhalten oder anderweitig zu vergeben. Seines Wissens nach trainiere mit Croatia Ludwigshafen freitags sogar ein Verein aus der Nachbarstadt im Ostparkstadion.

Letzteres ist der Stadt nach eigener Darstellung nicht bekannt. Genehmigt habe sie es insofern nicht, heißt es auf RHEINPFALZ-Anfrage aus dem Rathaus. Was den Zustand des Kunstrasenplatzes angeht, teilt die Verwaltung die Einschätzung von DJK-Chef Weiß. Um das Spielfeld zu schonen oder zumindest nicht stärker zu belasten, würden auch nur die Aktiven von Vatanspor dort trainieren und spielen – anstelle des Pirates FC, der seine Mannschaft abgemeldet habe. Es gebe Gespräche mit dem Bezirksverband über eine Sanierung des Platzes und deren Finanzierung.

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Gespräche über Sanierung

Theo Wieder, Frankenthaler Alt-Oberbürgermeister und Chef des Bezirksverbands, wird auf Rückfrage konkret: Der Platz, für dessen Belegung auf Basis eines Kooperationsvertrags die Stadt zuständig ist, sei nach mehr als 15 Jahren seit seinem Bau „abgespielt“. Die Sanierung würde rund 800.000 Euro kosten und drei bis vier Monate dauern. Der Plan laut Wieder: Mit „notdürftigen Reparaturen“ wolle man das laufende Jahr überstehen. Er hält es für denkbar, dass die Stadt den Platz in ihre Trägerschaft übernimmt – wenn eine Einigung über die Rahmenbedingungen zustandekomme.

Nicht gut auf die Verwaltung zu sprechen sind auch die Verantwortlichen bei C-Klasse-Primus FC Arabia. Schikaniert fühlen sich Wissam Abdul-Ghani und Khalid Boumariz unter anderem von einer zweiwöchigen Spiel- und Trainingssperre im Februar für ihr Team, das den Kunstrasenplatz des SV Studernheim mitbenutzt. Die sei besonders ärgerlich gewesen, weil sie in einer entscheidenden Phase der Saison gekommen und aus ihrer Perspektive nicht gerechtfertigt sei. Konkret gehe es um ein Trainingsspiel, für das wegen eines Schadens im Fünf-Meter-Raum das Tor sogar verschoben worden sei. Die Stadt begründet die Sanktion mit der Missachtung von Auflagen seitens des Klubs.

Neue Übergangszeit

Besonders stört Abdul-Ghani und Boumariz etwas anderes: dass ihre vom SV Studernheim übernommenen Trainingszeiten dienstags und donnerstags jeweils um eine Viertelstunde nach hinten verschoben wurden. Das gehe auf Kosten ihrer Spieler bemängeln die Arabia-Vorsitzenden. Die Stadt begründet die neu eingeführte Übergangszeit von 15 Minuten damit, dass der Trainingsbetrieb entzerrt werde: Manchmal habe ein Team schon am Spielfeldrand losgelegt, während auf dem Platz noch die Übungseinheit einer anderen Mannschaft lief. „Jeder Verein hat genug Zeit, den Platz zu betreten oder zu verlassen“, teilt die Verwaltung mit.

DJK-Chef Weiß und die Arabia-Klubspitze sind nach wie vor unzufrieden mit der Entscheidung, dass der zuvor für drei Jahre in Mörsch angesiedelte Verein Vatanspor vorerst an der Benderstraße seine neue sportliche Heimat gefunden hat. Hintergrund ist hier der Wunsch von Schwarz-Weiß und Arabia, beispielsweise bei der AH-Mannschaft enger kooperieren zu wollen. Ihr Vorschlag, Arabia auf den sogenannten PIH-Platz zu holen und Vatanspor nach Studernheim „umzuziehen“, sei nicht beachtet worden, monieren Weiß und Abdul-Ghani.

Geprüft habe man diese Variante, sie aber aus mehreren Gründen als nicht sinnvoll verworfen, sagt die Stadt auf Anfrage. Ein Argument: In Studernheim wäre die vom Verein gewünschte Zusammenführung von Vatanspor-Jugend und -Aktiven nicht möglich gewesen. Ein anderes: Würde der FC Arabia auf dem PIH-Platz spielen, nehme die „Nutzungsintensität“ dort sogar zu. Das sei mit Blick auf dessen schlechten Zustand nicht möglich.

Pirates wollen weitermachen

An der Benderstraße war nach der Sperrung des Hartplatzes neben der Friedrich-Ebert-Schule auch der Pirates F.C. aktiv – nach dem FC Arabia der zweitjüngste Fußballverein in Frankenthal. Der wiederum fühlt sich nach den Entscheidungen zur Verteilung der Trainingszeiten ausgebootet: „Bis Sommer findet bei uns kein Spielbetrieb statt; wir wollen aber schon weitermachen“, heißt es dort. Dass der Klub für die laufende Runde kein Team melden konnte, habe nicht zuletzt mit dem miserablen Kunstrasen zu tun. Einige Spieler hätten nach Verletzungen aufgehört. Die Stadt will wiederum erst auf eigene Recherche von der Abmeldung erfahren und daraufhin die Pirates-Zeitfenster neu vergeben haben. Derzeit laufe die Abstimmung für einen Gesprächstermin mit Verantwortlichen des Vereins.

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