Interview RHEINPFALZ Plus Artikel Fußball: Die Trainer vor dem Bezirksliga-Derby SC Bobenheim-Roxheim gegen VfR Frankenthal

„Falls wir absteigen sollten, haben wir einen Plan B“, sagt VfR-Trainer Martin Wohlschlegel.
»Falls wir absteigen sollten, haben wir einen Plan B«, sagt VfR-Trainer Martin Wohlschlegel.

Derbys haben immer Brisanz. Noch etwas mehr, wenn beide Teams gegen den Abstieg kämpfen. So wie die beiden Fußball-Bezirksligisten SC Bobenheim-Roxheim und VfR Frankenthal (Sonntag, 15 Uhr). Im Interview sprechen die beiden Coaches Benjamin Montino (SC) und Martin Wohlschlegel (VfR) über zweigleisige Planung, Spielertrainer und ruhige Nächte.

Herr Montino, der SC Bobenheim-Roxheim hat am Mittwochabend einen überraschenden 3:1-Sieg gegen den Tabellenvierten TSG Jockgrim gelandet. Zuvor gab es neun Niederlagen in Folge. Wie gut tut der erste Sieg seit Anfang Oktober?
Montino: Ich hoffe, dass uns der Sieg einen Ruck gibt. Das war ein hartes Spiel, wir sind mit einigen Blessuren aus der Partie gegangen. Und ja, ich hoffe, dass uns die drei Punkte auch Auftrieb für das Derby am Sonntag gegen den VfR geben. Ich werde jetzt jedenfalls auch wieder etwas ruhiger schlafen können als in den vergangenen Wochen.

Herr Wohlschlegel, der VfR Frankenthal und der SC Bobenheim-Roxheim sind so etwas wie die Speerspitzen des Frankenthaler Fußballs, spielen aber trotzdem „nur“ in der Bezirksliga. Alle anderen Regionen haben Vereine, die noch höherklassig spielen. Wie erklären Sie sich das?
Wohlschlegel: In unserer Umgebung sind für wenige Einwohner viel zu viele Fußballvereine. Es streiten sich viele Klubs um sehr wenig. Das gilt aber auch für den Kreis Ludwigshafen. Schaut man zum Beispiel zum Ludwigshafener SC, dann ist es dort ähnlich: Sie hatten auch mal ein Hoch, spielen jetzt nach zwei Abstiegen in Folge auch nur noch in der Bezirksliga.

Der SC und der VfR stehen momentan auf einem Abstiegsplatz. Hat das Rechnen schon angefangen?
Wohlschlegel: Ich bleibe dabei, was ich vor Beginn der Restrunde gesagt habe: Wir brauchen neun Siege aus zwölf Partien.

Montino: Das sehe ich ähnlich wie Martin.

Welche Folgen hätte ein Abstieg in die A-Klasse für beide Teams?
Wohlschlegel: Natürlich will jeder Verein so hochklassig spielen wie möglich. Absteigen will keiner. Was für mich ganz wichtig ist: dass die Mannschaft alles gibt. Wenn andere am Ende dann besser waren, muss man das anerkennen. Ich bin der Meinung, dass sowohl die Bezirksliga als auch die A-Klasse viele Derbys bieten und attraktiv sind. Bei einem Abstieg ginge die Welt für uns nicht unter. Die Frage wäre dann: Wie gut funktioniert es zwischen Mannschaft und Trainer? Dann kann man die Spieler auch bei einem Abstieg halten, sollte es am Ende in die Hose gehen. Trotzdem: Ich wünsche beiden Mannschaften, dass sie die Klasse halten.

Montino: Wir fahren auch lieber nach Frankenthal als irgendwo in die Südpfalz. Wenn man mit den Spielern spricht, wäre es gelogen, wenn wir zu ihnen sagen würden, dass wir nur für die Bezirksliga planen. Auf dem Tabellenplatz, auf dem wir stehen, müssen wir zweigleisig planen. Die Mannschaft weiß das, und das gilt auch für die Gespräche mit potenziellen neuen Spielern. Wenn wir aber doch in die A-Klasse absteigen sollten, wollen wir schnellstmöglich wieder hoch.

Haben Sie schon positive Signale von Spielern erhalten, die bei einem Abstieg bleiben würden?
Wohlschlegel: Falls wir absteigen sollten, haben wir auch einen Plan B. Und der wird funktionieren.

Montino: Wir haben eine eingeschworene Truppe. Die Spieler machen alles für den Verein. Im Endeffekt sind sie aber auch mitverantwortlich dafür, ob wir die Klasse halten oder absteigen. Die Gespräche, die wir bisher geführt haben, waren alle positiv.

Herr Montino, Sie agieren nach wie vor als Spielertrainer. Dieses Modell hat der VfR im vergangenen Herbst schnell ad acta gelegt. Stand das beim SC auch mal zur Debatte?
Montino: Das war bei uns trotz der schwierigen Tabellensituation nie ein Thema. Wir waren letzte Saison sehr erfolgreich mit diesem Modell. An der Seitenlinie steht für das Coaching mein Co-Trainer Mirko Kremer. Ich denke, dass mit mir auf dem Platz noch zusätzliche Qualität in der Mannschaft drin ist. Diese Saison gibt es andere Faktoren, warum es bei uns nicht so läuft. Beispielsweise unsere Verletztenmisere. Teilweise hatten wir neun Spieler, die ausgefallen sind.

Da dürfte es Sie ja freuen, dass Nils Becker am Mittwoch gegen Jockgrim sein Comeback feierte. Wie wichtig ist er für den SC?
Montino: Sehr wichtig. Eigentlich ist es noch zu früh, ihn zu bringen, schließlich ist er drei Monate lang ausgefallen. Aber aufgrund unserer langen Verletztenliste müssen wir ihm jetzt schon Spielzeit geben. Man hat am Mittwoch gesehen, dass er schon die Qualität hat, die Defensive für 20 Minuten zu verstärken. Wenn er jetzt wieder regelmäßig trainiert, bin ich optimistisch, dass er bald auch wieder für die Startelf infrage kommt.

Das Hinspiel im September 2019 hat der SC 4:0 gewonnen. Spielt das in der Vorbereitung auf die Partie am Sonntag noch eine Rolle?
Montino: Nein, überhaupt nicht. Beim VfR hat sich in der Zwischenzeit einiges getan. Und auch bei uns hat sich etwas verändert. Deshalb wird das ein ganz anderes Spiel als in der Vorrunde. Im Derby ist immer alles möglich. Das Wichtigste ist aber, dass die Partie fair abläuft.

Herr Wohlschlegel, wie sieht es beim VfR personell aus? Tobias Winsel wird nach seiner Roten Karte gegen den ESV gesperrt fehlen. Gibt es sonst noch Ausfälle?
Wohlschlegel: Ja, Tobi Winsel hat für seine Notbremse ein Spiel Sperre bekommen. Was die Verletztensituation betrifft, müssen wir noch ein bisschen abwarten. Florian Braun hat eine Blessur aus dem Spiel gegen den ESV und konnte wie Florian Kaiser am Dienstag nicht trainieren. Konstantin Huber ist krank, er wird am Sonntag definitiv nicht im Kader stehen.

Herr Montino, sehen Sie die Sperre von Tobi Winsel als Vorteil an? Wie sieht es bei Ihnen personell aus?
Montino: Ich glaube nicht, dass Winsels Fehlen ein Vorteil für uns ist. Der VfR Frankenthal hat einen Menge Qualität in der Mannschaft. Ich denke, dass sie das gut kompensieren können. Zu unserer personellen Besetzung am Sonntag kann ich noch gar nicht viel sagen. Wir müssen mal sehen, wie wir aus dem Spiel gegen Jockgrim rausgekommen sind. Da musste ich beispielsweise Gökbey Altun und Horst Döppel angeschlagen auswechseln. Ich hoffe, dass sie nur Krämpfe hatten.

RHEINPFALZ-Tipp (Florian Reis): 3:3

RHEINPFALZ-Tipp (Mathias Wagner): 2:2

„Ich hofe, dass uns der Sieg gegen Jockgrim einen Ruck gibt“, sagt SC-Coach Benjamin Montino.
»Ich hofe, dass uns der Sieg gegen Jockgrim einen Ruck gibt«, sagt SC-Coach Benjamin Montino.
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