Frankenthal Frische Brise durch die Klangwelten

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Mit ihrer Weltmusik, die ganz ohne Texte auskommt, begeisterte die Band Windflüchter um den Mannheimer Gitarristen Rainer Kröhn am Freitag rund 100 Zuhörer in Kleinniedesheim. Unter dem Motto „heute ist morgen von gestern“ lieferte das Trio auf Einladung des Rhein-Pfalz-Kreises und der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim in der Reihe „Kultur im Schloss“ den passenden Soundtrack für einen launigen Sommerabend.

Die Naturbühne des Rondells am Schlossgarten bietet das ideale Ambiente für das Instrumentalkonzert. Im Schatten des Hochzeitspavillons lassen die zwischen Lavendelstauden sitzenden Zuhörer die Woche entspannt ausklingen – mit einem Glas Wein oder Secco in der Hand, am Horizont das lokale Rebenmeer. Für dezente Hintergrundakustik sorgen die plätschernden Kaskaden des Sandsteinbrunnens. Schon die ersten Fingerübungen von Jose Pedro auf den metallenen Lamellen der Kalimba, einem afrikanischen Daumenklavier, machen neugierig auf weitere ungewohnte Klangerlebnisse. Die gibt es unter anderem im Stück „Labsal“, zu dem Bandleader Rainer Kröhn gemeinsam mit dem Publikum das Mantra „Lass’ allen Ballast sofort akut los“ anstimmt, bevor der Mannheimer auf seiner halbakustischen Gitarre groovige und bluesige Akkorde zaubert. Der weltmusikalische Fingerabdruck der drei aus der Pfalz, der Türkei und aus Brasilien stammenden Musiker changiert zwischen getragen-beschwingt, temperamentvoll-treibend und meditativ-fließend. Percussionist Jose Pedro liefert die Basisarbeit mit Latinorhythmen und frei assoziativer Klangmalerei. Er bedient diverse Rhythmusinstrumente wie Tambourin, Darbuka und Spiralbecken und kreiert wohlgesetzt spezielle Wind- und Wassereffekte mit Shakern und den Metallperlen einer Ocean Drum. Mit seiner Berimbau, einem brasilianischen Capoeira-Instrument – der einsaitigen „Mutter aller Saiten“ – groovt er klanglich zwischen Maultrommel und E-Gitarre. Rainer Kröhn, der auch als Schriftsteller tätig ist, moderiert das Konzert mit launigen bis kritischen Anmerkungen zu den Titeln der Stücke, die mitunter Initialwörter sind und unterschiedliche Lesarten zulassen, so wie „BASF“ („bietet Arbeit, sichert Fortschritt“). Andere tragen bizarre Titel wie „Heimische exotische Früchte“. Südländisch und mit rasanter Flamenco-Attitüde kommen „Kairos – der wunderbare Augenblick“ und „Olà, amor, olà“ daher. Stücke wie der „Schobbe-Blues“ wirken dagegen eher entschleunigend. Windflüchter werden Sträucher und Bäume genannt, die der Wetterseite abgeneigt wachsen und zuweilen bizarre Formen annehmen. Wie die Pflanzenwelt lässt sich auch die Band in ihrer Ausrichtung gerne von der Natur und deren Launen inspirieren. „Bodensee“ etwa malt dem wechselnden Wetter und Wellengang am schwäbischen Meer ein musikalisches Aquarell, und in „Wo ist Yoga?“ durchmisst das Trio gar die unendlichen Weiten des Weltraums. Besonders gefällig ist das Stück „Vom Orient zum Okzident“, in dem der gebürtige Istanbuler Bora Korkmaz mit seiner Querflöte traditionelle orientalische Melodielinien von suggestiver Kraft mit folkmusikalischem Drive und Anklängen an die europäische Klassik verbindet. Die Musik des Trios aus drei Kontinenten wirkt wohltuend, weht wie eine frische Brise durch Klangwelten und Kulturen und kommt dabei ganz ohne Texte aus. Sinn und Sinnlichkeit der Windflüchter-Musik liegt in ihrem ungewöhnlichen Sound, der der Flüchtigkeit und Vergänglichkeit frönt und gegen Ende eines Stücks oft poetisch entschwebt.

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