Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal: Werkzeug-Spezialist GBZ stärkt den Standort

Erfolgreich unter anderem mit Produ kten für die Automobilindustrie und deren Zulieferer (von links): René Born, Reinhold Born,
Erfolgreich unter anderem mit Produ kten für die Automobilindustrie und deren Zulieferer (von links): René Born, Reinhold Born, Tanja Binsack und Erika Born.

Beim Unternehmen GBZ Mannheim, Hersteller von Präzisionstechnik mit Sitz im Frankenthaler Industriegebiet Nord, stehen die Zeichen auf Erweiterung: Ein Hallenanbau mit 220 Quadratmetern zusätzlicher Nutzfläche wird demnächst in Betrieb genommen.

Wenn Autofahrer auf die Bremse treten, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie Technik nutzen, die mit Unterstützung aus Frankenthal hergestellt wurde. GBZ in der Adam-Opel-Straße liefert der Industrie unter anderem „Werkzeug für die Herstellung von doppelwandigen Sicherheitsrohren“, berichtet Geschäftsführer Reinhold Born. Konkret bedeute das: „Vorwiegend Bremsleitungen für Autos“ würden damit hergestellt; „der Anteil liegt bei 90 Prozent“. Aber auch „Hydraulikleitungen für Kühlschränke“ könne man mit dem entsprechenden GBZ-Werkzeug fertigen.

Immer wieder Marktnischen zu finden und ausgefeilte Technik zu entwickeln, bei der es vor allem auf Präzision und Sicherheit ankommt – das ist in den Augen Borns die Strategie, die das familiengeführte Unternehmen mit seinen heute 80 Beschäftigten (inklusive Tochterunternehmen) erfolgreich gemacht hat. Als „Fertigungsbetrieb mit Eigenentwicklung und Produktion“ habe man viele Patente angemeldet.

Nächste Generation am Ruder

Zusammen mit Frau Erika hat der 69-Jährige den Kurs des Unternehmens über Jahrzehnte bestimmt. 2008 siedelte GBZ von Mannheim nach Frankenthal über. Die nächste Generation ist bereits am Ruder: 2013 übertrugen die Borns ihren Geschäftsanteil von 72 Prozent an ihre Kinder. Sohn Réné Born (38) kümmert sich seitdem um die technische Seite des Geschäfts, Tochter Tanja Binsack (42) ums Kaufmännische; beide haben Prokura. Auch die weiteren Gesellschafter Thomas Corell, Günter Riedl und Günther Walter arbeiten als Geschäftsführer im Unternehmen mit.

Eine besonders starke Stellung hat sich GBZ nach eigenen Angaben bei der Herstellung von Induktoren erarbeitet. „In Europa sind wir da als unabhängiges Unternehmen Marktführer“, sagt Reinhold Born selbstbewusst. Die Kfz-Industrie und ihre Zulieferer seien Hauptabnehmer. „Induktoren werden zum Härten von Kurbelwellen und Achswellen genutzt“, erklärt Born. Unter Einsatz von Strom werde ein induktives Feld zwischen den Metallteilen erzeugt. Bei „Temperaturen über 1000 Grad Celsius“ würden die Werkstücke dann erhitzt und anschließend abgekühlt; „dadurch werden sie hart und verschleißfest“.

Solche Teile herzustellen – „das ist sehr kompliziert, dahinter steckt viel Handarbeit“, erläutert Réné Born bei einem Werksrundgang. Man brauche viel Erfahrung. „Wir reden hier von Fertigungstoleranzen von 0,001 Millimetern“; da komme es sehr auf gleichbleibende Temperaturen an. Daher werde die neue Produktionshalle mit besonderer Klimatechnik ausgestattet, die besonders stabile Temperaturen gewährleisten könne.

Gemeinsame Tochter mit KBA

Ein weiteres Spezialgebiet von GBZ ist die Fertigung von Werkzeug für die Kabel- und Rohrindustrie. Dabei geht es um Technik, mit deren Hilfe Leitungen sicher verbunden werden können. Einen Durchmesser von 1,60 Metern hätten die bisher größten Rohre für Wasser und Abwasser gehabt, die mit GBZ-Assistenz beim Ausbau des Frankfurter Flughafens verlegt worden seien, erinnert sich Erika Born. GBZ-Technik sei auch im Einsatz gewesen, als bei der deutschen Wiedervereinigung ab 1990 Stromleitungen zwischen Ost- und Westberlin miteinander verbunden worden seien.

GBZ konstruiert und fertigt darüber hinaus weitere Werkzeuge und Ersatzteile für ganz unterschiedliche Einsatzbereiche etwa in der Autoindustrie, der Energiewirtschaft, im Maschinenbau und in der Druckindustrie. Speziell für das Geschäft mit Druck- und Verpackungsindustrie wurde 2012 eine Tochtergesellschaft gegründet: die GBZ Print Service GmbH & Co KG, ebenfalls mit Sitz in Frankenthal. „Wir halten daran einen Anteil von 52 Prozent“, erläutert Reinhold Born; die Partner kämen vom Druckunternehmen KBA.

Rund 11 Millionen Euro Umsatz

GBZ-Induktoren werden auch in einer Zweigniederlassung in Nordhausen, in einem Partnerbetrieb in Ungarn und bei einer Tochtergesellschaft in Shanghai gefertigt, die den stark wachsenden chinesischen Markt bearbeitet. 2017 sei „das erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte“ gewesen, sagt Reinhold Born. Der Umsatz habe ein Volumen von 10,5 Millionen Euro erreicht. 2018 habe man nochmals eine leichte Steigerung auf 11 Millionen Euro erzielt. Zum Ertrag sagt der Seniorchef nichts; Geschäftsführerkollege Thomas Corell merkt an: „Wir haben sehr viel investiert – das kann nur ein gesundes Unternehmen.“

Das bisherige Investitionsvolumen am Standort Frankenthal beziffert GBZ auf „über 10 Millionen Euro“. Dass man auch menschlich in der Pfalz „angekommen“ ist, belegt Reinhold Born mit Zahlen, die für sich sprechen. 2008, beim Umzug von Mannheim nach Frankenthal, seien von damals 45 GBZ-Mitarbeitern „zwei aus Frankenthal oder der näheren Umgebung“ gekommen. Heute stammten 15 der 57 Standortmitarbeiter aus dem näheren Umfeld. Das Gewinnen von Fachkräften sei nicht einfach, sagen die leitenden GBZ-Mitarbeiter. Daher engagiere sich das Unternehmen in der Ausbildung, „und es ist immer das Ziel, Azubis zu übernehmen“, sagt Günther Walter. Drei Ausbildungsplätze gebe es für Industriemechaniker, zwei für künftige Kaufleute für Büromanagement.

Der technologische Wandel werde sich in den nächsten Jahren beschleunigen, erwartet die GBZ-Geschäftsleitung. Ein Thema, das man besonders im Blick habe, sei der Wandel in der Kfz-Industrie – weg vom Verbrennungsmotor, hin zum Elektroantrieb. „Wir stellen uns darauf ein“, sagt Reinhold Born, und man blicke optimistisch in die Zukunft. „Wir könnten durchaus noch in weitere Märkte reingehen“, sagt Erika Born. „Die Technik bietet viele Möglichkeiten.“ Ganz bewusst setze man auf Zusammenarbeit mit Technischen Universitäten, „vor allem in Chemnitz“, erklärt dazu Réné Born.

Stichwort: GBZ

Die heutige GBZ Mannheim GmbH & Co KG mit Sitz in Frankenthal wurde 1950 als Hadres Werkzeugfabrik in Mannheim gegründet. 1988 übernahmen neue Gesellschafter das Unternehmen und tauften es in GBZ um. Das „G“ stehe dabei für den später ausgeschiedenen Mitgesellschafter Paul Theo Golletz, erläutert Seniorchef Reinhold Born. Das „B“ verweist auf die Familie Reinhold und Erika Born als Teilhaber. Das „Z“ steht für den Fachbegriff Zerspanung: Gemeint ist damit, dass Werkstücke durch Bearbeitung, etwa Sägen, Feilen oder Schleifen, eine bestimmte geometrische Form bekommen. 2008 wechselte GBZ den Standort und siedelte von Mannheim nach Frankenthal um. Der eingeführte Markenname GBZ Mannheim wurde jedoch beibehalten.

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