Frankenthal
Frankenthal: Ortsbeirat Flomersheim befürchtet Verkehrschaos in neuem Baugebiet
Rund 440 Menschen sollen in dem neuen Baugebiet „Am Studernheimer Weg“ in Flomersheim einmal wohnen. Wie sie allerdings zu ihren Häusern fahren können, darüber gab es in einer gemeinsamen Sitzung des Ortsbeirates Flomersheim mit dem Planungs- und Umweltausschuss eine heftige Diskussion.
Südlich der Bahnline und östlich der Eppsteiner Straße sollen 209 Wohneinheiten und ein neuer Kindergarten entstehen.
Geplant sind in dem Baugebiet Ein- und Zweifamilien- sowie Reihenhäuser und Geschossbauten. Zusätzlich ist am westlichen Rand ein neuer Kindergarten vorgesehen. Das neue Wohngebiet soll vorrangig durch eine Ringstraße erschlossen werden. Stichstraßen mit Wendehämmern sind ebenfalls vorgesehen. Zwei Quartiersplätze sollen Treffpunkte werden. Die einzige Anbindung nach außen ist direkt südlich des Bahnübergangs geplant, dort wo jetzt ein landwirtschaftlicher Weg einmündet.
Grüne kritisieren Durchpeitschen der Pläne
Die Einmündung in die Landesstraße 524 (Eppsteiner Straße) war der umstrittenste Punkt des Baugebietes in der Diskussion am Mittwoch. Sie könne nicht einmal als Flaschenhals bezeichnet werden, sagte Gerhard Bruder (Grüne). Der komplette Verkehr des Baugebietes werde auf eine jetzt schon vollkommen überlastete Straße geleitet. Der reine Menschenverstand sage schon, dass es dort zu eng sei. Ihm werde fast schwindelig, mit welcher Geschwindigkeit das „höchst konfliktbeladene Baugebiet im Außenbereich“ nun angestoßen werden soll, wenn man gleichzeitig sehe, mit welcher Gemächlichkeit andere Projekte umgesetzt werden, meinte der Grüne. Die SPD-Sprecherin im Ortsbeirat, Kirsten Sielaff, kritisierte ebenfalls die verkehrstechnische Erschließung des Gebietes über das Nadelöhr am Bahnübergang. Die Situation würde sich durch den geplanten neuen Kindergarten noch einmal verschärfen.
CDU: Alle Forderungen berücksichtigt
Dass die Einmündung des Baugebietes auf die Eppsteiner Straße ein Knackpunkt sein könnte, das bestritten auch Ortsvorsteherin Heike Haselmaier und Ulrich Fleischmann (beide CDU) nicht. Fleischmann brachte eine weitere Anbindung in Höhe der Isenachsporthalle ins Spiel. Haselmaier lobte den Plan aber grundsätzlich: „Da ist alles berücksichtigt, was wir gefordert haben.“
Entlang der Bahnlinie sind dreigeschossige Mehrfamilienhäuser mit einem weiteren Staffelgeschoss vorgesehen. Die Formulierung, dass diese zu einer laut Bauamtsleiterin Marika Denzer zusätzlich sicher benötigten Lärmschutzwand den Geräuschpegel im Innern des Gebietes abmildern sollen, rief insbesondere bei Sielaff heftige Kritik hervor. Da hier vermutlich geförderter Wohnbau geplant sei, würden die Menschen mit weniger Geld als Lärmschutzschild für jene benutzt, die mehr Geld hätten. „Das verträgt sich mit meiner christlichen Ethik nicht“, sagte die SPD-Ortsvorsteherkandidatin.
OB Hebich wehrt sich gegen Vorwürfe
Martin Hebich (CDU) entgegnete, dass eine Riegelbebauung auch an anderen Stellen in der Stadt vorgenommen worden sei. Es werde so geplant, dass die Funktionsräume Richtung Bahnlinie liegen. Zudem gebe es Grenzwerte, die eingehalten werden müssten. „Der Verwaltung hier Wildwest-Vorgehen vorzuwerfen, empfinde ich als zu dick aufgetischt“, wehrte sich Hebich. Man sei geradezu dazu angehalten, Neubaugebiete dort auszuweisen, wo eine gute Anbindung an den Nahverkehr bestehe. Das sei hier ja wohl der Fall.
Sielaff kritisierte außerdem massiv „das Eilverfahren“, mit dem das Baugebiet angestoßen werden soll, ohne dass den Mitgliedern des Ortsbeirates belastbare Entwicklungsdaten vorliegen würden. Das Vorgehen würde den Ortsbeirat der Möglichkeit der eingehenden Beratung berauben. Sie brachte das mit den anstehenden Kommunalwahlen in Verbindung. Sielaff betonte jedoch ausdrücklich, dass die Flomersheimer SPD nicht generell gegen die Ausweisung eines Baugebietes sei.
Verkehrsgutachten wird eingeholt
Die SPD-Mitglieder des Planungsausschusses kritisierten das neue Gebiet nicht so scharf wie die Flomersheimer Parteikollegen. Über die Größe des Baugebietes könne man streiten, so Alis Hoppenrath. Ihr Zusatzantrag, dass ein Verkehrsgutachten eingeholt werden soll, wurde angenommen. Doch die sozial ausgewogene Verteilung von Wohnraum über das gesamte Stadtgebiet sei gewollt. Gabriele Bindert (CDU) begrüßte das Vorhaben. Die Durchmischung sei gut gelungen, ebenso die Begrünung. Hebich erklärte, dass eine Erschließung des Gebietes auch in Teilbereichen denkbar sei.
Die Abstimmung im Ortsbeirat war knapp. CDU und FWG waren mit vier Stimmen dafür, drei Gegenstimmen kamen von SPD und Grünen. Im Planungsausschuss stimmte alleine Gerhard Bruder dagegen.