Frankenthal
Frankenthal: Neues Buch beleuchtet Geschichte der jüdischen Familie Weil
„Die Sterne der Heimat“ nennt der Frankenthaler Autor Paul Theobald seine Veröffentlichung, die sich ausführlich mit dem Leben und dem Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie Aron Weil befasst.
Theobald schlüpft dabei in die Rolle des im Jahre 1873 geborenen Ich-Erzählers Josef Weil, dessen Vorfahren sich zunächst in Eppstein niedergelassen hatten, ehe sein Vater 1863 sein erstes Trödlergeschäft in der Welschgasse eröffnete. Später spezialisierte er sich auf Schuhe und Möbel und erwarb weitere Läden in der Wormser und Speyerer Straße. Nach dem Tod des Vaters (1908) setzte Josef Weil zusammen mit seinen Brüdern Jakob und Viktor die Familientradition fort. Sie brachten es zu hohem Ansehen und gesellschaftlicher Anerkennung.
Paul Theobald beschränkt sich freilich nicht nur auf die detaillierte Schilderung von Lebensläufen, er stellt auch zum besseren Verständnis die historischen Zusammenhänge her. Er beschreibt die Einweihung der Synagoge im Jahre 1885 ebenso wie den Ausbruch des Ersten Weltkriegs und die Verteilung von Flugblättern, die ab März 1933 zum Boykott jüdischer Geschäfte in Frankenthal aufriefen. Ergänzt wird der flüssig geschriebene Text durch mehr als 70 Farb- und Schwarz-Weiß-Bilder, überwiegend Geschäftsanzeigen, Porträtfotos, Postkarten und Stadtansichten aus jener Zeit.
Der Leser erfährt, dass Jakob Weil, Bruder des Ich-Erzählers, 1916 zum Vorsitzenden des Vereins Pfälzischer Schuhwarenhändler und 1920 in den Frankenthaler Stadtrat gewählt wurde. Die florierenden Geschäfte der jüdischen Familie nahmen ein jähes Ende, als Josef Weil im August 1935 vorübergehend in Schutzhaft genommen und sein Möbelhaus „arisiert“ wurde. Eine Zwangsversteigerung der Grundstücke war die Folge. Auch der kurzfristige Umzug der Familie nach Ludwigshafen half nichts. Einer Verurteilung wegen Betrugs folgten im Oktober 1940 die Verhaftung und die Deportation ins südfranzösische Lager Gurs. Die Beschreibung der dortigen katastrophalen Zustände wird nicht ausgespart.
Während Josef Weils Ehefrau 1942 starb, kehrte er nach dem Krieg nach Frankenthal zurück und wagte einen Neustart mit einem Möbelgeschäft im Petersgartenweg. Er hatte sich einen Satz seines Großvaters Simon zu Herzen genommen: „Die Sterne der Heimat leuchten am schönsten.“ Josef Weil starb am 21. September 1953 mit 80 Jahren und fand auf dem neuen jüdischen Friedhof in Frankenthal seine letzte Ruhe.
LESEZEICHEN
Paul Theobald: Die Sterne der Heimat, Rediroma-Verlag Remscheid 2019, 102 Seiten, 10,95 Euro, ISBN: 978-3-96103-540-3.