Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal: Kultrockband Grabowsky feiert 25-jähriges Bestehen

Auch nach 25 Jahren noch Kult: Grabowsky feierte am Samstag das Bandjubiläum mit einer Party im Frankenthaler Congress-Forum.
Auch nach 25 Jahren noch Kult: Grabowsky feierte am Samstag das Bandjubiläum mit einer Party im Frankenthaler Congress-Forum. Foto: BOLTE

Es war die Party des Jahres: eine fulminante Jubiläumsshow anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Frankenthaler Kultband. Vor 1200 Fans rockte Grabowsky am Samstagabend das nicht ganz ausverkaufte Congress-Forum.

Schon lange vor Konzertbeginn füllt sich das Haus. Fans in roten Grabowsky-Shirts bestimmen die Optik. Zwei ausladende Leuchttheken im Saal locken mit bereits gefüllten Schorlegläsern in Zehnerreihen. Hier weiß man Bescheid: Grabowsky-Fans feiern ihre Helden stilecht mit Dubbeglas. Und Strohhutfest-Atmosphäre im November, das hat was.

Dramatische Eröffnung mit 25 Hells-Bells-Schlägen. Angeheizt von RPR1-Moderator Holger Schröder erobern Erhan, Jürgen, Chris, Alex und Olli die Bühne und legen los. Die klassische Eröffnung mit „Alles Grabowsky“ und gleich hinterher „Wein, Weib und Gesang“. Soviel Programmatik muss sein. Volltreffer: Das Publikum eskaliert. Mastermind Alex Hüther lässt die ersten Schorle-Riffs krachen, und das kollektive Schorle-Mantra tönt durch Frankenthals heilige Halle.

Seit 25 Jahren geht’s bergauf

Vor 25 Jahren, 1994, hatte die Band ihren allerersten Gig noch nebenan, in der Zuckerfabrik. Damals hatten Kritiker dem Spaßrockprojekt maximal zwei Jahre Laufzeit prophezeit. Doch allen Unkenrufen zum Trotz und nach einigen Besetzungswechseln bewiesen die Grabowskys ungeahntes Stehvermögen – nicht nur als Coverband. Und ganz nebenbei erfand man ein eigenes Genre, den Schorlerock. Seither geht’s bergauf mit den Jungs: Grabowsky-Fans – es gibt sie mittlerweile in drei Generationen – sind treu, textsicher und trinkfest, und Partys mit heimischen Pfalzkultsongs sind längst zum Zeitgeist geworden.

Für ihre Jubiläumsshow greift die Band tief in ihre Erinnerungskiste und beamt historisches Bildmaterial auf die Leinwand: Olli als süßes Baby, Bandchef Alex mit Revoluzzer-Attitüde, wilde Szenenfotos legendärer Monte-Festivals, die junge Band in trotzig-lässigen Star-Posen. Soviel Nostalgie muss sein. Dazwischen die Hits, Klassiker allemal – hinter manchen, umgetext auf Pfälzer Lebensart, schlummert noch das englische Original.

Zu Beginn geht es rockig „Kreuz und quer durch die Pfalz“, unterstützt von einer vierköpfigen knackigen Horn-Sektion unter Leitung von Georg Krauss. Sänger Chris Gass, seit zwölf Jahren kongenialer Vokalpartner von Olli Herrmann, widmet seinem Kollegen den Titel „Blondes Gift“. Olli kontert mit dem Ritualruf „Wo sin die Mädcher“, und schon bald fliegen erste BHs auf die Bühne. In einer Hand das Mikro, in der anderen farbige Damendessous Lasso schwingend, reitet Olli im Schultersitz durch die Menge und intoniert lausbübisch glupschäugig „Ich will ne Frau, die mich gern hat“.

Ehren-Grabowskys mit dabei

Frauen, Fußball, Alkohol sind die Fixsterne im Universum der Grabowskys, frei nach dem Bibelvers 23 „Ohne dich ist wie Schorle ohne Wein“. Nach so viel Bekenntnis ist es Zeit für den ersten Gastauftritt: Ehren-Grabowsky James Hüther greift zu den Drumsticks. Später folgen Frank Landes am Bass und Sänger Stefan Born. Willi Brausch, sieben Jahre Gitarrist in der zweiten Besetzung, lässt terminbedingt von außerhalb grüßen. Zwischen den Songs und Gastauftritten verwöhnt Frontmann Olli – Stichwort „Thunfisch“ – sein Publikum immer wieder mit burlesken Anekdoten aus dem wilden Rock’n’Roll-Leben der Heroen. Die Fans lieben die eingängigen Botschaften wie „Du gehst mir auf den Geist“ und „Volles Rohr“ und singen lautstark mit. Doch Grabowsky macht nicht nur handwerklich sauberen Rock, mal hart, mal mit Blues- und Retro-Anklängen, sondern auch gefühlsechte Balladen, und so adelt der eine oder andere leise Song wie „Ich vermiss dich nicht“ das Konzert. Dabei setzen die beiden Gast-Grabowskys Stephanie Geißler (Cello) und Sigrun Schumacher (Geige) weiche Streicherakzente. Als Vertreter der nächsten Fangeneration mit dabei ist der Jugendchor des AEG.

Akustisches Schmankerl

Drei Stunden lang „Huppse“, „Andrea“, „Speyer“ und „Volles Rohr“ – bei ihrem Heimspiel feiern die Schorlerocker exzessiv sich selbst und ihre Fans. Auch drei Stunden und ein Dutzend durchgeschwitzte Hemden später wirken Olli, Chris, Erhan, Jürgen und Alex noch fit. Einmal mehr feiert Frontmann Olli seine 25-jährige Regentschaft als „Weinkönig“, dirigiert sein Volk zum Schorle rufen in alle Himmelsrichtungen und lässt sein Saxofon Funken sprühen. Bassist Jürgen und Drummer Erhan werden für virtuose Soloeinlagen gefeiert und Gitarrist Alex für halsbrecherische Riffs. Ein akustisches Schmankerl ist die von Streichern untermalte Akustik-Version von „Doris und Paul“.

Zugabe heißt bei Grabowsky „Nachschenken“, und so kommt zur Strohhutfest-Hymne Miss Strohhut Vanessa Quietzsch auf die Bühne, ehe sich die Band mit Pyro-Raketen und dem Ehrenrausschmeißer „Nie wieder Alkohol“ verabschiedet.

Die nächste Fangeneration war beim Jubiläumskonzert schon dabei: der Jugendchor des Frankenthaler Albert-Einstein-Gymnasiusm.
Die nächste Fangeneration war beim Jubiläumskonzert schon dabei: der Jugendchor des Frankenthaler Albert-Einstein-Gymnasiusm. Foto: BOLTE
Funken sprühte nicht nur Olli Herrmanns Saxofon, sondern auch die Pyro-Show.
Funken sprühte nicht nur Olli Herrmanns Saxofon, sondern auch die Pyro-Show. Foto: BOLTE
Grabowsky-Fans: Gemeinsame Schorle-Rufe in alle Himmelsrichtungen.
Grabowsky-Fans: Gemeinsame Schorle-Rufe in alle Himmelsrichtungen. Foto: BOLTE
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