Frankenthal
Frankenthal: Jugend- und Sozialamt bleiben unter einem organisatorischen Dach
Bis vor Kurzem sollte „51“, wie der Fachbereich Familie, Jugend und Soziales verwaltungsintern heißt, in zwei eigenständige Einheiten geteilt werden. Diese Pläne sind Vergangenheit: Beigeordneter Bernd Leidig (SPD) und der neue Bereichsleiter Jan Kardaus setzen auf Vernetzung und enge Zusammenarbeit zwischen den dort angesiedelten Stellen.
Im Dezember 2017 hatte Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) es in seiner Haushaltsrede angekündigt. Wenige Wochen später klang das Ganze auch beim damaligen Bürgermeister und Sozialdezernenten Andreas Schwarz (SPD) schon recht konkret: Knapp 15 Jahre nach seiner Zusammenlegung sollte der Fachbereich Familie, Jugend und Soziales wieder getrennt werden. Argumentiert hatten der OB und sein Stellvertreter mit der Zunahme von Aufgaben und Fällen in dem 300 Mitarbeiter starken Ressort.
Der Ankündigung, die Trennung noch 2018 vollziehen zu wollen, folgte zunächst kaum Konkretes, dann verließen mehr oder minder zeitgleich der Bürgermeister und der bisherige Bereichsleiter Torsten Bach zum Jahresende die Stadtverwaltung Frankenthal. Seit März 2019 haben Beigeordneter Bernd Leidig und Jan Kardaus, der aus Pirmasens in die Vorderpfalz gewechselt ist, das Sagen bei „51“. Und inzwischen ist klar: Die Formel „Aus eins mach’ zwei“ gilt nicht mehr.
Integrierte Lösung „sinnvoller“
Man habe sich „intensiv mit den personellen und inhaltlichen Fragen beschäftigt“, fasste Leidig das Konzept im Familien- und Sozialausschuss zusammen. Das Ergebnis: Vor dem Hintergrund kommender Aufgaben – konkret: die nächste Stufe des Bundesteilhabegesetzes ab 2020 – erschien ihm und Kardaus eine integrierte Lösung sinnvoller als eine mit separaten Fachbereichen für Jugend/Familie einerseits und Soziales andererseits.
Freilich bleibt aber auch unter den veränderten Vorzeichen nicht alles beim Alten: Bereichsleiter Jan Kardaus nannte es im Ausschuss „eine große Chance, dass wir unsere Wunschstruktur wählen können“. Mit Blick auf die anstehenden Herausforderungen, zu denen er auch den Ausbau der Kita-Landschaft in Frankenthal zählte, sei das nun entstandene Organigramm „ideal“.
Struktur mit vier Säulen
Die neue Struktur unter einem Dach wird getragen von vier Säulen: dem Familienbüro, der Jugendpflege mit dem Kinder- und Jugendbüro, der Jugendhilfe und der Abteilung Soziales. Stellschrauben haben die Verantwortlichen vor allen Dingen auf der Ebene der Sachgebietsleitungen bewegt. Nach Kardaus’ Darstellung wird es eine Sachgebietsleitung für die Verwaltung der Kindertagesstätten geben. Auch im Allgemeinen Sozialdienst wird eine Sachgebietsleitung eingesetzt. „Diese Stelle ist sehr wichtig, damit in dringenden Fällen die Vertretung gesichert ist“, so der Bereichsleiter.
Um Fälle besser aus einer Hand bearbeiten zu können, sei die Eingliederungshilfe für Menschen jeden Alters, komplett dem Sozialbereich zugeschlagen worden, erklärte Jan Kardaus. Eine weitere Neuerung: Im Bereich 51 existieren künftig zwei Stabsstellen, die sich um Haushaltsfragen und Zahlungsströme kümmern. Die Begründung liegt für Kardaus auf der Hand: 67 Millionen Euro und damit fast die Hälfte aller Aufwendungen des laufenden Verwaltungsgeschäfts der Stadt Frankenthal gibt der Fachbereich Familie, Jugend und Soziales im Jahr aus – pro Tag um die 200.000 Euro.
Günstiger als Trennung
Oberste Maxime des neuen Organigramms für den Fachbereich 51 ist es nach Kardaus’ Worten, Doppelstrukturen und damit mögliche Konflikte oder unklare Kompetenzen zu vermeiden. Nicht zuletzt habe der geplante Zuschnitt noch einen Vorteil, der angesichts der angespannten Finanzlage Frankenthals mögliche Restzweifel zerstreuen dürfte: Er ist sogar günstiger als die ursprünglich beabsichtigte Trennung.