Frankenthal
Frankenthal: Heimatstadt von Luftfahrtpionier Parseval
Frankfurt, Stuttgart, Mannheim, Nürnberg: Diese und noch einige Stationen mehr wurden im Oktober 1909 bei „Fernfahrten“ mit einem sogenannten Parseval-Luftschiff angesteuert. Eine Gedenkmünze, die diese Flüge auflistet, und ein zeitgenössisches Foto erinnern im Rathaus-Foyer an den Luftfahrtpionier August von Parseval, der 1861 in Frankenthal geboren wurde.
Hohe Militärs gehörten zur Verwandtschaft, und so trat der junge Pfälzer nach dem Abitur 1878 in München in ein Königlich-Bayerisches Infanterie-Regiment ein, wie Museums-Mitarbeiterin Irina Haas berichtet. Im Selbststudium befasste er sich schon früh mit dem Thema Fliegen, der Aeronautik. 1889 veröffentlichte er ein Buch mit dem Titel „Die Mechanik des Vogelflugs“. Der Luftfahrtpionier Otto Lilienthal zollte ihm dafür ausdrücklich Lob.
1901 ließ sich Parseval vom Militärdienst beurlauben. Nachdem er zunächst diverse Versuche als Ballonfahrer und später auch als Flugzeugbauer gemacht hatte, konzentrierte er sich zusammen mit Partnern auf die Luftschifftechnik. Anders als der Zeppelin hatte das von ihm entwickelte Prall-Luftschiff kein starres Gerüst über der mit Motor und Propeller angetriebenen Passagiergondel; die Hülle wurde lediglich mit dem tragenden Gas Wasserstoff aufgepumpt.
Konstruktion besonders bei Militär begehrt
Gerade aus Sicht des Militärs sei diese Konstruktion vorteilhaft gewesen, hält Haas fest. Denn die so gebauten Luftschiffe seien leicht zerlegbar und transportierbar gewesen, konnten überall aufsteigen und waren „bei bewölktem Himmel und nachts quasi unsichtbar für den Feind“. Das preußische Militär war dann auch ein wesentlicher Finanzier der 1908 gegründeten Luftfahrzeug-Gesellschaft, die die Parseval-Luftschiffe baute; der Erfinder übernahm hier eine Geschäftsführerposition.
1909 Schleife über Frankenthal geflogen
Ein besonderer Flug führte Parseval im Februar 1909 aus Anlass der Internationalen Luftfahrtausstellung in Frankfurt in heimatliche Gefilde: Er „erreichte gegen Mittag die Friesenheimer Insel und landete dort“, berichtet Irina Haas. „Um 12.30 Uhr brach er zum Rückflug auf, der ihn über Frankenthal führte, wo er seiner Geburtsstadt zu Ehren eine Schleife flog.“ Die Frankenthaler zogen ihrerseits den Hut vor dem Luftfahrtpionier: 1910 wurde die sogenannte Kleine Bleiche, der heutige Platz vor den Gymnasien der Stadt, in Parsevalplatz umgetauft.
Die Parseval-Luftschiffe PL 3 bis PL 26 wurden auf einer Werft in Bitterfeld (Sachsen-Anhalt) gebaut. Ihr Konstrukteur erhielt 1912 eine Professur für Flugtechnik an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg.
Goodyear übernimmt Grundprinzip
Einige seiner Modelle, die im Alltagsbetrieb ein relativ hohes Maß an Sicherheit und Zuverlässigkeit boten, konnte er ins Ausland verkaufen. Andere Firmen und Konstrukteure (darunter Goodyear in den USA) übernahmen das Grundprinzip der Prall-Luftschiffe. Vor allem für Reklamezwecke werden sogenannte Blimps, die auf der Pionierarbeit Parsevals basieren, bis heute eingesetzt.
August von Parseval starb 1942 in Berlin. Das Wohnhaus in der Speyerer Straße 50 in Frankenthal, in dem Parseval als Sohn eines bayerischen Beamten geboren wurde, steht noch; eine Gedenktafel erinnert dort an ihn.
SERIE
Das Erkenbert-Museum ist wegen Sanierungsarbeiten geschlossen. Während dieser Zeit zeigt es unter dem Titel „Frankenthal – eine Zeitreise“ eine Auswahl aus seiner Sammlung im Rathaus-Foyer. Wir stellen daraus einige Stücke vor.