Frankenthal „Frankenthal heißt bei uns Rosolini II“

Schulterschluss (von links): Giuseppe Gennaro, Rosolinis Bürgermeister Pippo Incatasciato, Polizeichef Salvatore Latino und Carm
Schulterschluss (von links): Giuseppe Gennaro, Rosolinis Bürgermeister Pippo Incatasciato, Polizeichef Salvatore Latino und Carmelo Modica.

Beim Bürgerempfang am kommenden Freitag wird die Städtepartnerschaft mit Rosolini auf Sizilien offiziell besiegelt. Zustande kommt die neue Verbindung nicht zuletzt dank des Engagements von Frankenthalern, die selbst oder deren Eltern aus Italien in die Vorderpfalz ausgewandert sind. Wir sprachen mit Giuseppe Gennaro (42), der als Zweijähriger aus Rosolini nach Frankenthal kam, über das besondere Verhältnis der beiden Städte.

Was hat Rosolini, was Frankenthal nicht hat?

Gutes Wetter – wobei man das diesen Sommer ja nicht sagen kann. In der Nähe gibt es tolle Strände und Sehenswürdigkeiten, außerdem natürlich Wein und gutes Essen. Und umgekehrt? Frankenthal ist gut organisiert, alles klappt ein bisschen besser hier, die Verwaltung funktioniert, es gibt keine Probleme mit Müll. Da könnte sich Rosolini eine Scheibe abschneiden. Warum braucht Frankenthal noch eine vierte Partnerstadt? Eine solche Partnerschaft kann mehr Mut für Europa machen. Und warum ausgerechnet die sizilianische Stadt Rosolini? Frankenthal wird bei uns „Rosolini II“ genannt. Auch die, die zurück nach Italien sind, haben in Frankenthal Schulfreunde und Vereinskollegen. Sie können so alte Kontakte pflegen. Umgekehrt erfahren Frankenthaler mehr darüber, woher ihr Kollege, Nachbar, Freund eigentlich stammt. Auch bei einem Schüleraustausch könnte man voneinander lernen. Die ersten Italiener sind schon vor 60 Jahren als Gastarbeiter aus Rosolini nach Frankenthal gekommen. Jetzt erst gibt es allerdings eine Städtepartnerschaft. Das hat ja ziemlich lange gedauert. Stimmt. Keiner der früheren Bürgermeister von Rosolini hat sich da engagiert. Erst Pippo Incatasciato und sein Vorgänger Corrado Calvo haben Interesse an den Bürgern aus Rosolini gezeigt, die im Ausland leben. Der Süden Italiens kämpft mit hoher Arbeitslosigkeit, fehlenden Perspektiven für junge Leute und maroder Infrastruktur. Womit kämpfen die Leute in Rosolini? Es gibt viele, denen es gut, sehr gut geht. Aber es gibt eben auch viele, die keine gute Schulbildung haben, schwer einen Arbeitsplatz bekommen und sich als Tagelöhner in der Landwirtschaft durchschlagen. Etliche gehen dann weg. Auch nach Frankenthal? Die erste Generation kam mit dem Plan nach Deutschland, hier Geld zu verdienen, um sich in der Heimat etwas aufzubauen. Als sie dann wieder in Italien lebten, merkten manche, dass es schwer ist, eine Stelle zu finden und den Lebensunterhalt zu sichern. Einige sind dann wieder zurück nach Deutschland. Kommen jetzt wieder junge Leute nach Frankenthal? Ich habe schon den Eindruck, dass gerade in den letzten Jahren viele 20- bis 30-Jährige nach Frankenthal kommen, deren Eltern schon hier gelebt hatten. Es ist aber heute auch hier nicht leicht, Fuß zu fassen. Die Mieten sind hoch, der Stellenmarkt nicht so rosig. Dazu kommen Sprachprobleme, weil in der Schule nicht Deutsch gelernt wurde. Sie wünschen sich mehr Mut für Europa. Die aktuelle Regierung in Italien geht allerdings eher auf Konfrontationskurs mit der EU. Ich verstehe das ein Stück weit. Europa hat gerade auch Sizilien lange mit den Flüchtlingsproblemen alleine gelassen. Ganz in der Nähe von Rosolini liegt die Hafenstadt Pozzallo, wo viele Flüchtlinge ankommen. Die Leute sind also direkt mit dem Thema konfrontiert. Dazu kommen wirtschaftliche Probleme. Ich bin dafür, dass man Menschen in Not hilft. Aber die eigenen Leute kann man auch nicht im Stich lassen. Wie ist die Stimmung in Rosolini gegenüber den Zuwanderern? Die Stimmung ist geteilt, würde ich sagen. Die, denen es selbst nicht so gut geht, fühlen sich vom Staat benachteiligt. Was erwarten sich die Bürger Rosolinis denn mit Blick auf diese politischen Fragen von einer Partnerschaft mit Frankenthal? Ich glaube, die Erwartungen richten sich eher auf die eigene Regierung. Was die Partnerschaft angeht, freuen sich viele, dass endlich Interesse gezeigt wird, woher die Mitbürger in Frankenthal stammen. Vielleicht gibt das einen Schub für den Tourismus. Bislang lebt die Stadt hauptsächlich von der Landwirtschaft. Die Barockstadt Noto ist in jedem Reiseführer, Rosolini kennt fast keiner, obwohl es nur ein paar Kilometer entfernt ist und man hier vielleicht sogar günstiger übernachten könnte. Termin — Bürgerempfang am Freitag, 26. Oktober, 19 Uhr, im Congress-Forum. —Ab morgen (Donnerstag) und bis Sonntag ist Giuseppe Incatasciato, Bürgermeister von Rosolini, mit einer Delegation zu Besuch in Frankenthal. | Interview: Sonja Weiher

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