Frankenthal
Frankenthal: Hans-Richard Brauer 70
In zweifacher Hinsicht hat sich Hans-Richard Brauer in Frankenthal einen Namen gemacht: als engagierter Kommunalpolitiker christdemokratischer Prägung und als geschätzter Rechtsanwalt mit jahrzehntelanger Berufserfahrung. Am Freitag, 17. Januar, feiert er seinen 70. Geburtstag.
Wenn der gebürtige Flomersheimer, der 1974 in die CDU eingetreten ist und fünf Jahre später erstmals in den Stadtrat einzog, im Gespräch mit der RHEINPFALZ rückblickend feststellt, dass die Partei auch in schwierigen Zeiten unbeirrt ihren Weg gegangen sei, so ist dies zu einem Großteil auch sein Verdienst. Gerade mal drei Jahre als Fraktionsvorsitzender in Amt und Würden, hatte Brauer 1989 den Super-Gau, die CDU-Niederlage bei der OB-Wahl, zu verkraften. Keiner forderte damals seinen Rücktritt. „Die Fraktion stand fest an meiner Seite“, betonte er. So gelang es ihm, das Parteischiff nach den heftigen Turbulenzen wieder auf Kurs zu bringen und – was sich als sehr kluger Schachzug erweisen sollte – das Feld rechtzeitig für Theo Wieder zu räumen und für ihn einen erfolgreichen OB-Wahlkampf zu führen.
Einsatz für Zuckerfabrik
Im Stadtrat machte Hans-Richard Brauer schon in den ersten Jahren von sich reden. Als Vorsitzender der Jungen Union trat er vehement für den Erhalt des bereits zum Abriss freigegebenen Verwaltungsgebäudes der Zuckerfabrik und des Pförtnerhauses ein. Er brachte die Fraktion auf seine Seite. Und so bekamen Musikschule und Haus der Jugend ein neues Domizil. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit als Kommunalpolitiker sah er stets im Krankenhausausschuss. Nach 25 Jahren machte er Schluss und zog sich weitgehend aus dem operativen Geschäft zurück. Der kleine CDU-Kreisverband Frankenthal hatte es geschafft, auf allen politischen Ebenen wichtige Ämter zu besetzen. Darauf ist Brauer noch immer mächtig stolz.
Anders als in der Politik fällt ihm der berufliche Absprung ungleich schwerer. Dabei hatte er mit der Juristerei zunächst gar nichts am Hut. Biologielehrer wollte er werden, was ihm freilich von einem Verwandten ausgeredet wurde. Und so entschied sich der Abiturient Brauer von jetzt auf nachher für die Rechtswissenschaften. Mit der Wahl seines Studienortes Freiburg landete er einen Glücksgriff, lernte er doch bei der allerersten Vorlesung seine spätere Frau Karin und einen seiner Trauzeugen kennen. Sein Berufswunsch war mittlerweile alternativlos: Rechtsanwalt wollte er werden, 1976 wurde er in Frankenthal zugelassen.
500 Mandate im Jahr
Seine in der Bahnhofstraße 22 ansässige Kanzlei expandierte im Laufe der Jahre und beschäftigt heute acht Rechtsanwälte, die sich alle auf bestimmte Fachgebiete spezialisiert haben. Auch auf der rechtsrheinischen Seite konnte man zwischenzeitlich Fuß fassen. Als Fachanwalt für Familien- und Erbrecht bewältigt Hans-Richard Brauer ein beachtliches Arbeitspensum. „Etwa 500 Mandate im Jahr, davon bis zu 60 Scheidungen“, schätzt er. 20 Jahre lang war er im Vorstand der Rechtsanwaltskammer aktiv und hat die Reform des Berufsrechtes maßgeblich mitgestaltet. Ans Aufhören denkt er gegenwärtig noch nicht. Seine Mandate will er auf jeden Fall zu Ende führen. Bei Erbstreitigkeiten kann’s da durchaus mal etwas länger dauern.
Ehrenring der Stadt
Brauer, der zum Justizrat ernannt und mit dem Ehrenring der Stadt ausgezeichnet wurde, weiß auch mit seiner Freizeit etwas anzufangen. In der Landwirtschaft groß geworden, bezeichnet er sich als Hobbygärtner und bewirtschaftet ein Areal von stolzen zwei Hektar. Früher waren es die Kürbiszucht und der Weinbau, heute hegt und pflegt er in erster Linie seine Streuobstwiese und seinen Nutzgarten. Mit seinem gelb-grünen Oldtimer-Traktor unternimmt er bisweilen ausgedehnte Touren – bis ins Erzgebirge oder aufs Timmelsjoch. Und auch die Familie, zu der drei erwachsene Kinder und fünf Enkel zählen, kommt bei ihm nicht zu kurz.
Seinen Geburtstag feiert er am 17. Januar in den eigenen vier Wänden. Für Gratulanten steht ab 11 Uhr sein Haus in der Raiffeisenstraße offen.