Frankenthal
Frankenthal: Haltepunkt-Technik in der Kritik
WAS BÜRGER ÄRGERT: Am Frankenthaler Bahnhaltepunkt Süd gibt es immer wieder Probleme mit dem Aufzug: Nach einem mehrwöchigen Ausfall Ende Juni/Anfang Juli stand er seit Mittwoch wieder still. An Bahnsteig 1 in der Nähe des Zugangs von der Hammstraße fehlt der Automat für die Fahrkartenentwertung.
„Aufzug gerade mal wieder außer Betrieb.“ Von RHEINPFALZ-Leser Henning Möller stammt einer der jüngsten Hinweise auf die Dauerbaustelle des im Sommer 2015 eröffneten Haltepunkts. In der Anfangsphase hatte sich der Aufzug sogar als Totalausfall erwiesen: Seit dem Aufbau im Herbst 2015 sei er „bis April 2016 nicht einmal gelaufen“, kritisierte der damalige Beigeordnete und heutige Bürgermeister Bernd Knöppel (CDU).
Auch im laufenden Jahr habe es wiederholt Probleme gegeben, sagte auf Nachfrage David Schwarzendahl – „vielleicht drei-, viermal“ sei der Aufzug schon ausgefallen. Der Fraktionschef der Linken im Stadtrat wohnt in der Nähe des Haltepunkts und nutzt die Bahn regelmäßig. Er bekommt immer wieder mit, was solche Ausfälle für Bahnkunden bedeuten. Die Wege von der Stadt über die Brücke zum Mittelbahnsteig 2/3 und in Gegenrichtung führen über lange Treppen. Als häufiger Nutzer trage man „mehr als einmal im Monat einen Rollator, einen Kinderwagen oder einen Einkaufstrolley mit hinunter“.
Verwaltung nicht informiert
Von dem Ausfall Ende Juni sei der Verwaltung zunächst nichts bekannt gewesen, sagte Stadt-Pressesprecherin Xenia Schandin auf Anfrage. Man gehe davon aus, dass das in diesem Jahr ein „Einzelfall“ sei. Auf Nachfrage habe die Bahn AG der Stadt mitgeteilt, dass sie den Aufzughersteller über die Probleme informiert habe; die Fehlersuche laufe.
Diese Arbeiten waren in der ersten Juli-Woche erfolgreich abgeschlossen. „Nach einer technischen Störung ist die Anlage in Frankenthal-Süd wieder in Betrieb“, informierte eine Sprecherin des Regionalbüros der Bahn AG in Frankfurt. „Bei den betroffenen Kunden entschuldigen wir uns für die entstandenen Unannehmlichkeiten.“
„Wir bedauern ...“
Seit Mittwoch dieser Woche stand der Aufzug wieder still. Am Freitagmorgen war er immer noch blockiert. Die erbetene Stellungnahme der Bahn traf an diesem Tag nach 13 Uhr per E-Mail ein: „Wir bedauern, dass eine erneute technische Störung zu Unannehmlichkeiten führt“, erklärte die Sprecherin des Unternehmens. Gegen 14.30 Uhr hatte RHEINPFALZ-Fotograf Klaus Bolte nach einem Ortstermin Neuigkeiten parat: „Der Aufzug fährt wieder.“
„Die Deutsche Bahn hat selbstverständlich das Ziel, möglichst alle Fahrtreppen und Aufzüge stets für die Fahrgäste verfügbar zu halten und die Anlagen im Fall einer Störung so schnell wie möglich zu reparieren“, versicherte die Sprecherin des Unternehmens in ihrer ersten Stellungnahme. Dazu stehe ein Wartungs- und Reparatur-Team von DB Services rund um die Uhr zur Verfügung. „Die Ursachen für einen Defekt sind vielfältig und reichen von Vandalismus über Verschleiß bis hin zu unsachgemäßer Nutzung, zum Beispiel durch Betätigung des Nothalts. Wenn eine Anlage länger ausfällt, ist dies in der Regel auf fehlende Ersatzteile oder umfangreiche Genehmigungsprozesse zurückzuführen.“
Ansprechpartner 3-S-Zentrale
Was aber sollen Menschen mit Mobilitätseinschränkungen tun, wenn sie etwa im Rollstuhl sitzen und dann überraschend mit einem solchen Ausfall konfrontiert werden? „Eine grundsätzliche Rückfalllösung in Störfällen von Aufzügen gibt es leider nicht“, erklärte dazu die Bahnsprecherin. „Es hängt vielmehr von den örtlichen Gegebenheiten ab, ob beispielsweise durch örtliches Personal ein schienengleicher Übergang oder ob andere Zugänge genutzt werden können. Bei der Feststellung eines Aufzugsschadens sollte die betreffende 3-S-Zentrale telefonisch kontaktiert werden. Die Rufnummer ist jeweils an den Aufzügen angebracht und auch in den Aushangvitrinen kommuniziert.“
Der Begriff „3-S“ steht in der Bahnsprache für die Begriffe „Sauberkeit, Service und Sicherheit“. Zum Hinweis der RHEINPFALZ, dass am Aufzug keine Information über die dafür zuständige Bahnstelle zu finden sei, erklärte die Bahn-Pressestelle: „Die für den Bahnhof Frankenthal-Süd zuständige 3-S-Zentrale befindet sich in Saarbrücken und ist unter der Rufnummer 0681 308-2623 erreichbar.“ Man werde den RHEINPFALZ-Hinweis „an die Kollegen weitergeben“.
Noch nicht gelöst ist ein weiteres Problem am Haltepunkt, auf das ebenfalls Leser Henning Möller aufmerksam gemacht hat. Der nachträglich im Sommer 2017 zusammen mit einem zweiten Fahrkartenautomaten aufgestellte Fahrkartenentwerter an Bahnsteig 1 ist verschwunden; aus dem Boden ragen dort lediglich noch Kabelstümpfe.
Die Bahn-Pressestelle verwies die RHEINPFALZ zu diesem Thema „zuständigkeitshalber an den Verkehrsverbund Rhein-Neckar (VRN)“. Der VRN mit Sitz in Mannheim erwiderte, dies müsse man beim zuständigen Bahnunternehmen DB Station und Service recherchieren.
Entwerter „herausgerissen“
Ergebnis laut VRN-Sprecher Axel Thiemann: „Die Standsäulen des Fahrausweisentwerters wurden durch Vandalismus aus der Verankerung herausgerissen. Die Befestigungsbolzen sind aus dem Fundament herausgebrochen. Da eine Neubefestigung nicht möglich war, muss ein neues (Teil-)Fundament erstellt werden.“ Derzeit laufe die Ausschreibung. Noch lasse sich nicht genau sagen, wann der Automat wieder zur Verfügung stehe; „wir hoffen aber, dass alsbald die Arbeiten vor Ort beginnen können“.
Mehr Sicherheit könnte nach Ansicht von Leser Henning Möller am Haltepunkt-Zugang erreicht werden, wenn der Übergang über die Hammstraße zwischen Haltepunkt auf der einen Seite und Aufgang zur Brücke über die Bahnline auf der anderen Seite („Schneckennudel“) mit weiß gestrichelten Linien als Fußgängerfurt markiert würde. Die Stadtverwaltung, um Stellungnahme zu diesem Vorschlag gebeten, äußerte sich dazu nicht.
Zur Sache: Bahn und Barrierefreiheit
Grundsätzlich genieße das Thema Barrierefreiheit bei der Deutschen Bahn hohe Priorität, versicherte eine Sprecherin des Unternehmens aus der Frankfurter Pressestelle. Oberstes Ziel sei es, Fahrgästen alle wichtigen Informationen dazu zugänglich zu machen. Die Bahn verweist dazu unter anderem auf die Angebote ihrer Mobilitätsservice-Zentrale, zu finden auf der Internetseite www.bahn.de über die Menüpunkte „Reise & Services“ und dann „Barrierefreies Reisen“. Dort bietet das Unternehmen unter anderem Informationen über „Verfügbarkeiten und Störungen“ und über „Hilfe beim Ein- und Umsteigen“. Ebenfalls auf dieser Internetseite zu finden ist eine spezielle App „DB Barrierefrei“ für Smartphones. Darüber sollen Informationen zur „Funktionsfähigkeit von Aufzügen und Rolltreppen“ abrufbar sein. Einstellen lasse sich damit auch, dass man mit aktuellen Meldungen automatisch auf Störungen an ausgewählten Punkten hingewiesen werde, erläuterte die Bahnsprecherin. Zudem gelte: „Selbstverständlich informiert auch das Personal im Zug mobilitätseingeschränkte Reisende über relevante Störungen von Anlagen entlang der Strecke.“ spi