Frankenthal
Frankenthal: Früherer Direktor des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation wird 90 Jahre alt
Gegenüber: Menschen mit Hör- und Sprachbeeinträchtigung die Welt der Hörenden erlebbar machen, das war für Herbert Ludwig Breiner ein wichtiges Anliegen. Nicht minder lag ihm die Zeit mit seiner Familie am Herzen. Viel Tatkraft steckt immer noch in ihm. Am Dienstag, 29. Oktober, feiert er seinen 90. Geburtstag.
Herbert Breiner – über viele Jahre von 1969 bis 1993 Direktor des Pfalzinstituts für Hören und Kommunikation (PIH) – sind die 90 Jahre nicht anzumerken. Lebendig berichtet er über die Stationen seines Weges und darüber, dass er nach wie vor Vorträge zur lautsprachlichen Entwicklung hält sowie Artikel für Fachmagazine schreibt.
Ursprünglich absolvierte Breiner das Lehramtsstudium für Grund- und Hauptschule sowie für Sonderpädagogik, zudem studierte er Psychologie und Psychopathologie und promovierte. Der tägliche Umgang mit gehörlosen Menschen am PIH ließ ihn nicht ruhen, erzählt er. „Ich suchte einen Weg, wie man die Welt des Schalls für sie öffnen und ihnen unsere Lautsprache zugänglich machen kann“, sagt Breiner. Dieses Anliegen zog sich durch sein ganzes weiteres Leben. Er setzte etliche Meilensteine, erhielt mehrere Patente sowie das Bundesverdienstkreuz am Bande und das Landesverdienstkreuz.
Inklusion an Schulen: Speziell ausgestattete Klassenräume zwingend
Besonders glücklich ist Herbert Breiner, dass das PIH während seines Direktorats einen zehnjährigen Forschungsauftrag erhielt – was eigentlich Hochschulen vorbehalten sei. Erkundet werden sollten damals neue Wege der Sprachvermittlung, etwa über die elektrokutane Sensibilität, das heißt das Empfinden der Haut für elektrischen Strom. Dazu wurde ein Gerät entwickelt, das über Elektroden am Körper Impulse zur Identifizierung von Wörtern und Sätzen gab. Es war die Vorstufe zu den heutigen Cochlear Implantaten (CI), jenen medizinischen Geräten, die elektrische Signale direkt an den Hörnerv senden. Darauf ist Breiner stolz, ist dafür dankbar, „dass wir das machen konnten“. Zahlreiche Veröffentlichungen und Einladungen zu internationalen Kongressen folgten.
Herbert Breiner trieb auch die präventive Integration Hörgeschädigter voran. Unter anderem wurde in seiner Zeit als Direktor das Internat gebaut und den Schülern der Weg bis zum beruflichen Abschluss geebnet sowie die nachschulische Betreuung im Beruf aufgebaut. Kritisch sieht Breiner die heute politisch gewollte Inklusion an Schulen. Für beeinträchtigte Kinder reiche es nicht, eine weitere Lehrkraft im Unterricht zu haben. Für Hör- und Sprachbehinderte müsse der Unterrichtsraum besonders ausgestattet sein, damit die Schallwellen von den Schülern wahrgenommen werden können.
Sinnvolle Freizeitbeschäftigung: Europadenkmal und Rundwanderwege initiiert
Inzwischen gebe es auch die Möglichkeit, frühzeitig bei Hörgeschädigten Cochlear Implantate einzusetzen, aber eben nicht bei jedem Kind. Auch müsse sehr genau überlegt werden, ob ein CI schon beim Kleinstkind sinnvoll ist. Denn, erklärt Breiner, das Minimalhörvermögen könne sich möglicherweise ohne das Gerät noch verbessern. Zudem hält er eine psychologische Betreuung für CI-Träger in der Anfangszeit für notwendig. Die ganze Thematik lässt ihn bis heute nicht los und zu vielen ehemaligen Kollegen hält er Kontakt.
In seiner Freizeit ist Herbert Breiner häufig in seinem südwestpfälzischen Geburtsort Bobenthal, wo er gern sein kunsthandwerkliches Talent auslebt. Unter anderem initiierte er die Errichtung des Europadenkmals bei Sankt Germanshof und die Bobenthaler Zwölf-Apostel-Rundwanderwege. „Es ist wichtig, im Alter immer etwas Sinnvolles zu tun“, betont Herbert Breiner. Sein Wunsch wäre, „dass ich die Familie und vor allem meine acht Enkelkinder noch lange erleben kann“. Gefeiert wird heute mit der Familie und vielen Weggefährten.