Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal: Eppschdääner Theater probt Stück zur 1250-Jahr-Feier im Vorort

Profi mit Spaß am Laientheater: Regisseur Benjamin Sorg vom Eppschdääner Theater. ArchivFoto: BOLTE
Profi mit Spaß am Laientheater: Regisseur Benjamin Sorg vom Eppschdääner Theater. Archiv

Theater, Theater (4): Als Regisseur arbeitet Benjamin Sorg normalerweise mit Profis. In Frankenthal leitet der 30-Jährige die Laiengruppe des Eppschdääner Theaters an – und arbeitet dort an einer Uraufführung mit. Das Stück hat viel mit der Heimat des Ensembles zu tun. Und mit der großen, weiten Welt. Premiere ist am 21. Juni.

Zur 1250-Jahr-Feier des Vororts Eppstein hat Benjamin Sorg gemeinsam mit Helmut Marnet und Thomas Ostmann das Stück „Grossi weidi Weld“ geschrieben. Die Regie wird er selbst führen. Die Komödie mit historischem Hintergrund, in der auch die Erkenbert-Ruine eine Rolle spielt, verlangt den Schauspielern viel Kreativität ab. Und auch dem Regisseur. Beim Laientheater sei seine Arbeit völlig anders, sagt Benjamin Sorg. Das fange schon bei der Auswahl des Stücks an. Die Struktur müsse stimmen, etliche Gespräche seien nötig, damit jeder sich in seiner Rolle wohl fühle und überzeugend spielen könne.

Schauspieler im Alter von 19 bis 62 Jahren

Die Laiengruppe war bei ihrer Gründung in den 1960er-Jahren beim Turn- und Sportverein (TSV) angesiedelt. 2014 gründeten die Theaterleute einen selbstständigen Verein. Geprobt wird jedoch weiterhin beim TSV. Aktuell sind 16 Mitglieder im Alter von 19 bis 62 Jahren als Schauspieler aktiv. Weitere zehn engagieren sich hinter den Kulissen. Wichtig ist dem gesamten Team, die Mundart zu erhalten und heitere Stücke auf die Bühne zu bringen, wie Vorsitzender Sven Strickler sagt. Er sei, ebenso wie die Schauspieler, noch stark im Beruf eingespannt. Das Theaterspielen sei ein guter Ausgleich. „Es ist unser Hobby, aber wir versuchen es so professionell wie möglich anzugehen“, betont Strickler. „Wunderbar“ nennt er es, dass Benjamin Sorg bereit ist, sein Wissen in der Gruppe einzubringen. Regie führte bei den Aufführungen, die traditionell im November sind, über 25 Jahre lang Marliese Euler. Doch sie wollte sich zurückziehen. „Roger Schantz, der schon oft Hauptrollen beim Eppschdääner Theater spielte, fragte mich, ob ich mitmachen möchte“, erzählt Sorg, der in Eppstein geboren und nach mehreren Jahren in München wieder in die Pfalz zurückgekehrt ist. „Das wollte ich gern, denn im TSV war ich schon als Kind, und durch meine Familie bin ich oft im Dorf.“ Außerdem habe er in den letzten Jahren keine Aufführung des Laientheaters verpasst. Die Gruppe sei seines Erachtens wirklich gut.

Regisseur Sorg dreht Serien und Dokumentationen

Selbst Schauspieler wollte Benjamin Sorg nie werden. Die Fäden für ein neues Stück zu ziehen, liege ihm mehr, erzählt er beim Treffen im Café. Das macht der Profi-Regisseur und Videojournalist inzwischen vorwiegend für das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Benjamin Sorg arbeitet bei Filmproduktionen mit und macht Zusammenschnitte sowie Filmtrailer. Er kümmert sich zudem um das Marketing bei Filmen und Serien. Vor allem bei deutschen Produktionen sei er aktiv, gedreht werde häufig in Österreich. Viel Freude mache ihm die Mitarbeit in der ZDF-Reihe „Herzkino“. Als Selbstständiger ist er auch bei anderen Filmproduktionen und Netflix aktiv, wie er berichtet. Bei zehn bis 20 Filmproduktionen pro Jahr, zum Teil mit bekannten Schauspielern, sei er am Set.

Abenteuerlich und sehr berührend sei der Dreh der Dokumentation „Way of Ella“ gewesen. Der Film begleitet drei deutsche Männer, die mit Mopeds 3500 Kilometer durch die USA düsten, um Spenden für das Charity Projekt „Stars of Vietnam“ zu sammeln. Damit würden Kinder unterstützt, die durch Vererbung noch heute an den Spätfolgen des im Vietnamkrieg versprühten Dioxins leiden. Sorg und Produzentin Sabrina Gander drehten den Film. Die Einnahmen kommen den betroffenen Kindern zugute.

Umgang unter Laien ganz anders als bei Profis

Die Regie sei absolut sein Ding, wie der sympathische junge Mann sagt. Serien wie „Frühling“, „Inga Lindström“ oder „Die Bergretter“ seien eine gute Herausforderung. Mit professionellen Teams zu arbeiten, mache ihm Freude, weil die Schauspieler genau wüssten, worauf es ankomme und zudem sehr schnell den Text beherrschten. Doch auch die Arbeit in Eppstein sei bereichernd. „In einem Laientheater geht man ganz anders miteinander um – und die Motivation ist wirklich groß. Ich lerne hier noch eine ganze Menge“, meint Sorg.

Termin

Jubiläumsstück „Grossi weidi Weld“, Uraufführung am 21. Juni, 19 Uhr , beim TSV Eppstein.

Die Serie

In loser Folge stellen wir Theatergruppen und Bühnenprojekte an Schulen und in Vereinen vor. Wenn Sie selbst aktiv sind, melden Sie sich gerne in der Redaktion per E-Mail an redfra@rheinpfalz.de.

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