Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Frankenthal: Ärger über Zugabfahrt auf dem falschen Gleis

Dass Lautsprecher am Haltepunkt Süd bei kurzfristigen Änderungen nicht zur Fahrgastinformation genutzt wurden, sorgt bei Betroff
Dass Lautsprecher am Haltepunkt Süd bei kurzfristigen Änderungen nicht zur Fahrgastinformation genutzt wurden, sorgt bei Betroffenen für Unverständnis. . ARCHIV

Mit Zügen zu einem wichtigen Termin fahren, das werden sich Brigitte Morell-Walter und Rolf Walter künftig wohl zweimal überlegen. Das Frankenthaler Paar verpasste fast einen Arzttermin, weil die S 6 am Haltepunkt Süd unangekündigt auf einem anderen Gleis abfuhr.

An den 29. April können sich viele Pendler gut erinnern: Die Bahnstrecke von Ludwigshafen über Frankenthal nach Worms war an jenem Montag ab 5.20 Uhr mehrere Stunden lang wegen einer Oberleitungsstörung in Frankenthal gesperrt (wir berichteten). Eigentlich hatten die Walters noch Glück, da die Strecke sechs Stunden später wieder eingleisig befahrbar war und die beiden in keinen der überfüllten Ersatzbusse steigen mussten. Den Zug nach Mannheim verpassten sie dann trotzdem – wegen mangelnder Kommunikation der Bahn.

„Wir waren stinkesauer“, berichtet Rolf Walter per Mail der RHEINPFALZ. „Die S 6 kam pünktlich um 12.29 Uhr in Frankenthal Süd an – aber nicht auf Gleis 2, wie es im Fahrplan und auf dem Anzeigedisplay stand, sondern auf Gleis 1.“ Das Paar und zahlreiche andere Reisende konnten den Zug auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig nicht kurzfristig erreichen, da sie weder über Display noch per Lautsprecher informiert worden waren. Auch der Lokführer habe nicht auf die Reisenden gewartet, kritisiert Walter, der es mit seiner gehbehinderten Frau in letzter Minute dann doch noch zum Arztbesuch schaffte – mit dem eigenen Pkw.

„Warum werden die modernen Mittel der Kommunikation wie Anzeigentafeln und Durchsage nicht genutzt?“, fragt Walter. „Sind die Fahrgäste der Deutschen Bahn denn so gleichgültig?“ Die RHEINPFALZ leitete seine Kritik an die Pressestelle der Deutschen Bahn AG in Frankfurt weiter, die den Vorfall mit Zeitmangel begründete: „Wir versuchen, die Fahrgäste über Beeinträchtigungen wie geänderte Fahrzeiten und Gleisbelegungen so schnell wie möglich zu informieren. Das gelingt leider nicht immer, was wir sehr bedauern“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme.

Bei dem Vorfall in Frankenthal habe die Bahn bei hoher Verkehrsdichte kurzfristig umdisponieren müssen. Wegen des „zeitlich begrenzten Spielraums“ seien die Kunden darüber nicht benachrichtigt worden. Anliegen der Bahn sei es, die Kunden bei Störfällen zukünftig zuverlässiger zu informieren.

Die Frage, weshalb der Lokführer der S 6 auf die Fahrgäste nicht gewartet habe, ließ die Bahn in ihrer Stellungnahme offen. Auf telefonische Nachfrage erklärte ein DB-Pressesprecher: „Der Triebfahrzeugführer ging davon aus, dass die Reisenden informiert waren. In solchen Ausnahmefällen stehen an allen Gleisen Leute, und der Fahrer kann nicht wissen, auf welchen Zug sie warten.“

x