Frankenthal Flottes Spiel mit Klischees

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Eine Komödie aus Urzeiten bringt der Theaterkreis Bobenheim-Roxheim auf die Bühne: „Die Steinzeit ist kein Ponyhof“ ist Beziehungskomödie und Ökosatire zugleich. Am Samstagabend war Premiere im ausverkauften Hoftheater Haschmasch.

Vor 20.000 Jahren hatten die Frauen die Fellhosen an. Die Männer sind als Jäger ganz gut zu gebrauchen, doch wenn sie zu wenig Beute bringen, werden sie rausgeworfen. Dumm, dass die Mammuts immer weniger werden, und Büffelherden gibt es auch nur noch äußerst selten. Kaan steckt also in der Bredouille. Er hat nichts erlegt, mit dem Protein, das Weibchen Liss sich wünscht, kann er nicht dienen. Was die Laune nicht gerade bessert – schließlich stehen beide schon weit in der zweiten Lebenshälfte, mit 30, 35 Jahren ist Sense. Wenn Kaan nicht innerhalb von drei Tagen Beute beibringt, fliegt er aus der Höhle, so will es die Tradition. Nutzlose Fresser kann sich keiner leisten. „Die Steinzeit ist kein Ponyhof“ spielt mit den Klischees des Männlichen und des Weiblichen. Dieses Thema ist grundsätzlich ein sicheres Fundament für Comedy. Ob Steinzeit oder Gegenwart: Beziehungsprobleme gibt es immer. Autor Balthasar Alletsee zieht denn auch vergnügliche Parallelen zur Moderne: Liss als biestige Gattin, Kaan als erfolgloser Träumer, als Nebenfiguren Nachbar Winnie, der sich mit Chuzpe durchs Leben laviert, und dessen Gattin Tussa, die nur allzugerne lüsterne Blicke auf Kaan wirft – die Charaktere haben alle ihre ganz modernen Probleme miteinander. Nur leben sie eben vor 20.000 Jahren. Was die schöne Möglichkeit mit sich bringt, den Alltag ein wenig zu verdrehen: Im Zeitalter des Matriarchats sorgen häusliche Regeln dafür, dass der männliche Wunsch nach dem viel beschworenen „Rums“, dem keulenschwingenden Potenzbeweis, den Frieden am Höhlenberg nicht gefährdet. Die Regisseure Andrea Kühn und Helmut Dries wissen die Pointen sehr genau zu setzen, Überschneidungen und Abweichungen zwischen Damals und Heute arbeiten sie gut heraus. Unterstützt werden sie von einem spielfreudigen Ensemble: Die Darsteller agieren präzise aus den Emotionen ihrer Figuren heraus. So drückt Sabrina Korff als Dame der Höhle ihre Kratzbürstigkeit ebenso wie Nuancen von Nachdenklichkeit aus, Daniel Fuchs in der Kaan-Rolle weiß Frust ebenso wie Hoffnung und Tatkraft in sein Spiel zu überführen. Die Bühne schließlich, als Höhle konzipiert, und die steinzeitlichen Requisiten sorgen für einen humorvollen Touch. Die Schwäche des Stücks ist, dass Autor Alletsee in der ersten Dreiviertelstunde – bis zur Pause – seine Handlung nicht vorantreibt, sondern es bei der bloßen steinzeitlichen Milieustudie belässt. Es entwickelt sich nichts vorwärts, da können die Gags noch so gut herausgespielt sein. Erst nach der Pause zieht das Tempo an. Die große Stärke dieser Aufführung aber macht die gefühlten Längen locker wieder wett: Mit großer Lust treiben die Darsteller ein flottes Spiel mit dem Publikum, das immer wieder direkt angesprochen wird. Die Figuren sind sich ihrer Zuschauer bewusst: Das bietet weiteres Potenzial für Komik und wird auch genutzt für kluge Monologe. Jede der Figuren bekommt ihren Moment der Nachdenklichkeit. Urplötzlich wird über die Vorzüge des Matriarchats philosophiert oder über die Probleme von Krisenbewältigung in einer Zeit des Mangels. An einer Stelle wird über die Vorteile von Kriegen debattiert – Helden werden nicht weggejagt! –, dann wieder gibt es einen ökonomischen Diskurs über die Milchwirtschaft. So spiegelt sich auch jenseits von Beziehungswitzen die Jetztzeit in der Urgeschichte; und fast ein wenig traurig blickt man am Ende nicht nur auf den Wandel von der Jäger- und Sammlerkultur zur Bäuerlichkeit, sondern auch auf den Beginn des Patriarchats. Termine —Aufführungen bis Ende Februar, samstags um 20 Uhr, sonntags um 19 Uhr. —Karten im Vorverkauf unter Telefon 0151 23763237 oder www.theaterkreis1975.de.

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