Interview
Fitnessstudio: Zwei Jahre lang keine Neuanmeldung
Nach Silvester steigen die Anmeldezahlen im Fitnessstudio. Ihre Prognose: Gilt dieser jahrelange Trend auch für 2023?
Hoffentlich wieder. Durch die Pandemie hatten wir im Grunde zwei Jahre lang kein Neukundengeschäft. Zum Jahresende gab es einen leichten Anstieg. Aber wir sind noch lange nicht da, wo wir vor Corona waren. Und gerade rutschen wir ja mit Ukraine-Krieg, Inflation und hohen Energiepreisen schon wieder in die nächste Krise.
Studioschließung und hohe Einschränkungen für das Training: Die Fitnessbranche wird zu den großen Verlierern der Pandemie gezählt. Wie hat der Tonus Sportsclub Corona überstanden?
Indem ich meine Rücklagen, die ich über 25 Jahre angespart habe, angegriffen habe. Ich hatte etwa eine halbe Million Euro Verlust. Wenn man dann noch mitrechnet, dass zwei Jahre lang kein neuer Kunde dazu kam, können Sie den Betrag verdoppeln. Die Fitnessbranche ist in meinen Augen inzwischen gesundheitsrelevant und leistet sehr gute Arbeit. Aber das wurde in der Pandemie von Politik und Gesellschaft so nicht gesehen. Die staatlichen Hilfen haben noch nicht einmal ein Viertel des entstandenen Schadens gedeckt.
Laufende Kosten, etwa für Personal und Unterhalt, bei gleichzeitigen Einnahmeverlusten: Ist das der Schaden, den Sie meinen?
Ja. Aber auch im Nachgang haben wir aktuell noch hohe Verluste, weil wir jetzt ausgleichen, dass viele Mitglieder in der Pandemie – glücklicherweise – ihren Beitrag weitergezahlt haben. Seit wir wieder geöffnet haben, trainieren etwa 30 Prozent der Mitglieder, bei denen die Zahlung aus diesem Grund unterbrochen wurde. Frühestens Ende 2024 werden wir vielleicht wieder auf Normal-Niveau sein – wenn nicht noch etwas anderes passiert.
Bekommen Sie bereits Kündigungen von Mitgliedern, die sich den Beitrag nicht mehr leisten können?
Als höherpreisiges Premium-Studio, das mehr Service bietet, haben wir dieses Problem eher nicht. Die Kündigungsquote ist zuletzt nicht gestiegen.
Wie hart umkämpft ist der Fitness-Markt hier in Frankenthal?
Schon ziemlich. Vor Corona, würde ich sagen, war der Markt hier in der Stadt gesättigt. Neben den beiden großen Mitbewerbern und einigen kleineren Studios konkurrieren wir mit den angrenzenden Anbietern in Ludwigshafen-Oggersheim und Mutterstadt.
Machen Onlineangebote Ihnen das Geschäft schwer?
Das war vielleicht während der Lockdowns ein Thema. Inzwischen sehe ich das nicht als Problem. Die Leute wollen wieder die persönliche Betreuung.
Steigende Energiekosten sorgen im Moment für Ängste bei Verbrauchern und Unternehmern. Wie energieintensiv ist Ihr Betrieb – und mit welchen Preissteigerungen rechnen Sie?
Wir haben allein fünf Saunen laufen. Unser Betrieb ist so energieintensiv, dass mir die Stadtwerke 2004, als ich hier an der Beindersheimer Straße gebaut habe, keinen Strom liefern konnten. Ich werde deshalb über den benachbarten Maschinenbauer Howden versorgt. In den nächsten ein bis zwei Jahren rechne ich mit einer Kostensteigerung bei Strom und Gas von 15 bis 20 Prozent.
Wie lässt sich das auffangen?
Wir haben uns entschieden, zumindest bei Bestandskunden nicht die Beiträge zu erhöhen. Einige Mitglieder zahlen seit 30 Jahren das Gleiche. Ob das bei Neuanmeldungen im kommenden Jahr noch so geht, weiß ich nicht. Allerdings besteht dann immer das Risiko, das sich weniger Leute anmelden.
Viele kennen das: Vertrag abgeschlossen, nach zwei Monaten ist die Motivation dahin, aber der Beitrag läuft ewig weiter, weil man die Kündigungsfrist vergisst. Seit März gibt es neue Regelungen, die eine Kündigung erleichtern. Welche Auswirkungen hat das bei Tonus?
Ich war am Anfang – wie die gesamte Branche – sehr erschrocken, weil damit die langfristige Kalkulierbarkeit wegfällt. Inzwischen sehe ich das durchaus positiv. Kunden sind eher bereit, einen Vertrag abzuschließen, weil die Angst wegfällt, beim Verpassen der Kündigungsfrist noch ein weiteres Jahr zahlen zu müssen. Wenn wir gut arbeiten, bleiben die Leute – und jetzt vielleicht sogar noch eher, weil sie im Hinterkopf haben, dass sie jederzeit kündigen könnten.
Zur Person
Der Sportwissenschaftler Günther Dreher (56) hat am 1. März 1995 den Tonus Sportsclub in Frankenthal eröffnet. Außerdem betreibt er am gleichen Standort eine Praxis für Physiotherapie. Das rund 1600 Quadratmeter große Fitnessstudio hat acht fest angestellte Mitarbeiter, etwa zwölf freiberufliche Kursleiter und zwei Aushilfen. Derzeit sind rund 1200 Mitglieder angemeldet – gut 400 weniger als vor Beginn der Corona-Pandemie. Größere Investitionen hat Dreher zuletzt in der Physiotherapiepraxis getätigt, außerdem hat er in der Pandemie einen ganzjährig nutzbaren Außentrainingsbereich neu gestaltet. Zu den Kunden zählen neben Freizeit- und Gesundheitssportlern auch Leistungssportler, unter anderem Profiboxer, Kampfsportler und Fußballer, aus der Region und ganz Deutschland. Neben Tonus-Sportsclub gibt als große Anbieter in Frankenthal Fitness Barth sowie eine Venice-Beach-Filiale.