Bobenheim-Roxheim RHEINPFALZ Plus Artikel Filmfrühling am Altrhein lädt zu Open-Air-Kino-Vergnügen

Eines der Angebote am Eröffnungswochenende: „Geliebte Köchin“ mit Juliette Binoche wird am Roxheimer Altrhein auch noch einmal a
Eines der Angebote am Eröffnungswochenende: »Geliebte Köchin« mit Juliette Binoche wird am Roxheimer Altrhein auch noch einmal am 20. Juni gezeigt.

Der Sommer steht kurz bevor, und der zweite Frühling beginnt. Nach einem leider verregneten „Filmfrühling“ in Speyer, hat nun das Open-Air-Kino in Bobenheim-Roxheim eröffnet – mit „Zwischenmenschlichem und Historischem“ sowie nicht zuletzt Filmen für Kinder.

Mehr als nur ein bisschen erinnert die idyllische Lage an das Original. Daniela und Michael Kötz, die seit jeher für das Festival des deutschen Films auf der Ludwigshafener Parkinsel verantwortlich sind, haben sich sichtlich und spürbar daran orientiert, als sie den Gondelfestplatz zum Standort ihres Freiluftfestivals in Roxheim machten. Mit dem Gastronomiezelt und der Kinoleinwand auf einer von alten Bäumen gesäumten Wiese direkt am Altrhein ähnelt der Schauplatz durchaus jenem des größeren und älteren Ludwigshafener Festivals.

Nur ländlicher, noch einmal beschaulicher und ruhiger ist es in Roxheim, das zum einen längst nicht solche Besuchermassen anzieht und zum anderen keine mächtige Wasserstraße zur Seite hat, auf der sich große Frachter und dröhnende Sportboote abwechseln. Hier, auf dem stillen Alt-rheinarm, von dem beständig ein frisches bis fischiges Lüftchen über den Platz weht, dümpelt malerisch allein eine fest vertäute venezianische Gondel, die bereits auf das örtliche Gondelfest vorausweist, das am 5. Juli hier starten wird.

Auch die deutschen Vorrundenspiele gibt’s live

„Das hat ja Urlaubsatmosphäre hier“, betont Michael Kötz bei seiner Eröffnungsrede besonders im Vergleich zum vorangegangenen Speyerer „Filmfrühling“, der mit demselben Programm ein Wochenende zuvor zu Ende gegangen war. „Ein bisschen gebeutelt vom Dauerregen“ sei man daraus hervorgegangen und setze nun auf sonnigeres und trockeneres Wetter. „Sie können also buchen!“, wirbt er um weitere Besucher für die knapp 950 Plätze vor der großen LED-Leinwand. „Sie ist brillant an Schärfe und in den Farben, auch mitten am Tag.“

Vor ihr verteilen sich die Besucher vor allem auf schlichte, aber nicht unbequeme Plastikstühle. Wer zu zweit ist und ein wenig tiefer in die Tasche greifen möchte, kann sich ein exklusives „Kinoerlebnis im Liegestuhl“ mit zwei Tickets und einer Flasche Wein für 43 Euro gönnen oder ein „Picknick im Korbsessel“ für 49 Euro, mit dem zwar für Essen, nicht aber für die Getränke gesorgt ist.

Bevor das Festival beginnt, streifen ein paar Kinder über das Gelände und sondieren die Lage, wo es denn eventuell möglich wäre, sich mit freier Sicht auf die Leinwand niederzulassen, ohne den lästigen Eintritt dafür zu bezahlen. Das geht eigentlich recht problemlos, nur sieht man dann den Film ohne den dazugehörigen Ton, der nur über die Kopfhörer zugespielt wird, die man am Eingang erhält. Sie sind ganz praktisch, weil sie es ermöglichen, sich ohne ablenkende Nebengeräusche ganz auf den jeweiligen Film einzulassen. Sie sind zudem Voraussetzung dafür, dass der „Filmfrühling“ hier, im Vogelschutzgebiet „Bobenheimer und Roxheimer Altrhein mit Silbersee“ überhaupt stattfinden kann, wie Clemens Körner, der Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, in seiner Grußrede ausführt.

Ein zweifelnder Unterton ist seinen Worten zu entnehmen, als er erklärt, er sei sehr gespannt, wie es mit der Lautstärke aussehen beziehungsweise mit den Kopfhörern vonstatten gehen werde, wenn hier ab 14. Juni (Deutschland : Schottland) die drei deutschen Vorrundenspiele der Fußball-Europameisterschaft übertragen werden. „Lassen wir uns mal überraschen“, so Körner.

Menschen stehen bei den Filmen im Mittelpunkt

„Drei deutsche Vorrundensiege“, wünscht ausdrücklich der lokale Beigeordnete Oliver Bittern, der Bürgermeister Michael Müller bei der Eröffnung vertritt. Leidenschaftlich verweist er aber auch auf die ausgewählten 16 internationalen Filme. „Nicht die großen Blockbuster mit großen Knalleffekten“, sondern „Zwischenmenschliches und Historisches“ sowie nicht zuletzt Filme für Kinder wie die Schüler der örtlichen Grundschulen Pestalozzi und Rheinschule, die an mehreren Vormittagen Sondervorstellungen besuchen werden.

„Es sind immer Filme und Geschichten, die den Menschen im Mittelpunkt haben, mal sehr ernsthaft, mal sehr lustig, mal tief betroffen machend und mal zum Mitlachen“, ergänzt Kötz. „Im Kern muss es bei jedem Film um etwas gehen, das es lohnt zu bedenken. Es muss einfach die Zeit wert sein, die man damit verbringt, und auch den Aufwand, hierher zu kommen.“

Der warmherzige Eröffnungsfilm „Wochenendrebellen“ erweist sich als glänzende Einstimmung auf die 17 Festivaltage. Mit Florian David Fitz als Vater, der mit seinem autistischen Sohn Jason Fußball-Bundesligaspiele besucht, brechen die Figuren auf der Leinwand aus ihren eingefahrenen Gewohnheiten aus wie die Besucher des Festivals, die Filme nicht auf dem Bildschirm oder in einem gewöhnlichen Kino, sondern unter freiem Himmel genießen. Zu Beginn der 18-Uhr-Vorstellung teilen sich die Sitzreihen noch in Sonnen- und Schattenplätze. Als die Sonne untergegangen ist, liegt alles im Dunkeln, nur die Leinwand strahlt hell und lockt Insekten an, die die Kinozuschauer mit hektischen Handbewegungen zu verscheuchen versuchen. Urlaubsatmosphäre eben.

Noch Fragen?

Der „Filmfrühling“ in Bobenheim-Roxheim dauert bis 23. Juni. Einen Überblick über das komplette Programm gibt es unter www.filmfruehling.de.

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