Frankenthal
Feuerwehr: Strenge Schutzmaßnahmen
Zum ersten Mal wird dieser Lehrgang für elf neue Ehrenamtliche in einer Mischform angeboten. Die Theorie wird über Online-Seminare vermittelt, für praktische Übungen kommen die Teilnehmer in Kleingruppen zusammen – nach einem negativen Schnelltest oder mit Impfnachweis. „Es gibt in Frankenthal nur diese eine Feuerwehr. Wir können uns keine Ausfälle erlauben“, sagt Frank Böhmer, der die Truppe seit April gemeinsam mit Andreas Kölsch leitet.
Keine Ausfälle, dieses Ziel hat die Freiwillige Wehr, die auf 600 bis 800 Einsätze im Jahr kommt, bislang mit strengen Schutzmaßnahmen erreicht. Wer in die Hauptwache kommt, musste einen Test machen, die Einsatzfahrzeuge, in denen Maskenpflicht herrscht, werden nicht voll besetzt, und beim Einsatz gilt – soweit möglich – das Abstandsgebot. Je nach Einsatz nutze man auch Schutzanzüge, etwa, wenn klar ist, dass nach einem Fehlalarm nur noch der Rauchmelder piepst. Zwar seien einige Kameraden erkrankt oder mussten als Kontaktpersonen in Quarantäne. Doch alle Infektionen hätten sich im privaten Umfeld abgespielt, betont Kölsch. „Alle haben ein hohes Maß an Eigenverantwortung gezeigt und sich im Zweifelsfall eher mal in Selbstisolation begeben“, lobt er.
Kein Tag der offenen Tür
Doch die rigide Abschottung hat auch ihren Preis. „Der Austausch fehlt“, sagt Thomas Bader, Leiter der Facheinheit Presse- und Medienarbeit. Und er meint damit nicht nur das Miteinander in der Wache nach dem Einsatz oder bei Übungen, sondern auch den direkten Informationsfluss zwischen den Truppen in der Region und mit übergeordneten Stellen. „Alle waren im Lockdown“, sagt Böhmer. Die Kommunikation lief nur über Telefon und Internet.
Besonders schmerzlich empfinden die Wehrleute, dass es auch diesen Herbst keinen Tag der offenen Tür geben wird. „2000 Leute hier auf dem Gelände – das Risiko ist zu hoch“, begründet Böhmer die Entscheidung. Auch die Besuche von Kindergarten- und Schulkindern fehlen dem 130-köpfigen Team, in dem elf Frauen aktiv sind. Überhaupt sei die Nachwuchsarbeit in der Pandemie sehr schwierig. „Bei der Jugendfeuerwehr herrscht Stillstand“, sagt Bader. 25 Kinder zwischen zehn und 16 Jahren sind hier normalerweise aktiv. Die älteren würden sich jetzt höchstens online treffen. Ehrungen, Beförderungsfeiern, Jubiläen – alles sei derzeit noch abgesagt. „Die Pandemie ist nicht vorbei“, betont Wehrleiter Böhmer – auch wenn die Zahlen aktuell niedrig seien.
Dass die aktuelle Krise nun schon fast eineinhalb Jahre andauert, ist belastend für Mannschaft und Führung, die bis auf 16 Hauptamtliche alle Ehrenamtliche sind. Neben den Lösch- und technischen Hilfseinsätzen war die Feuerwehr, die in Frankenthal auch für den Katastrophenschutz zuständig ist, unter anderem beim Aufbau von Fieberambulanz und Impfzentrum beteiligt. Zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 habe es auch sehr intensive Gespräche für die Planung eines Notkrankenhauses gegeben. „Wir wussten ja nicht, wie sich das alles entwickelt“, sagt Böhmer.
Online-Lehrgänge bei Wehrleuten beliebt
Doch die Neuorganisation des Alltags in der Krise habe auch Vorteile. „Die Verfügbarkeit der Kameraden ist höher“, sagt Kölsch. Denn: Wer im Homeoffice in Frankenthal arbeitet, der ist eben schneller einsatzbereit, als wenn er erst vom Arbeitsplatz außerhalb anfahren müsste. Online-Lehrgänge, die über eine Plattform des Landes angeboten werden, seien in der Mannschaft beliebt und gut besucht, weil sich so Beruf, Familie und Ehrenamt besser vereinbaren lassen.
„Wir werden sicher einiges davon nach der Corona-Pandemie beibehalten“, sagt Kölsch, der Frankenthal als einen Ausbildungsstandort auch für Wehren im Umland sieht. Technisch habe man zuletzt noch einmal deutlich aufgerüstet, sagt Wehrleiter Böhmer. Lehrsäle wurden mit Kameras und Beamern ausgestattet, zusätzliche Computer wurden angeschafft. Das WLAN sei glücklicherweise schon vor der Eröffnung der neuen Einsatzzentrale deutlich verbessert worden.
Die derzeitigen Lockerungen der Corona-Regeln merken die Wehrleute übrigens bei ihren Einsätzen: Deutlich mehr Berufsverkehr – und damit auch wieder mehr, zum Teil schwere Unfälle auf den Autobahnen. „Und die Menschen sind jetzt wieder nachts unterwegs.“