Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Felix Werling will bei den Deaflympics mehr als Bronze

Für Felix Werling soll die Medaille diesmal eine andere Farbe als Bronze haben.
Für Felix Werling soll die Medaille diesmal eine andere Farbe als Bronze haben.

Fünf Jahre nach dem letzten sportlichen Höhepunkt steht für die Handball-Nationalmannschaft des Deutschen Gehörlosen Sportverbands (DGS) das nächste Großereignis bevor: die 24. Deaflympics, die Olympischen Spielen der Gehörlosen (1. bis 15. Mai). Am Mittwochabend ist die deutsche Delegation nach Caxias do Sul (Brasilien) aufgebrochen. Einer fehlte, und das hatte einen besonderen Grund.

Schon lange hatte sich Felix Werling auf die nächste Reise mit der Handball-Nationalmannschaft der Gehörlosen gefreut. Das hatte besondere Gründe: Aufgrund der Corona-Pandemie fielen nicht nur zahlreiche Lehrgänge, sondern auch einige geplante Länderspiele und Turniere aus. Der 31 Jahre alte Handballer des TV 03 Wörth, der in der Pfalzliga und auch für den GSC Frankenthal aktiv ist, musste lange auf seinen geliebten Sport verzichten. Auch der Amateursport war eine Weile lang vom Wettkampf- und Trainingsbetrieb in den Hallen verbannt.

Jetzt haben sich die Zeiten etwas geändert. Nach vier Lehrgängen in Haßloch und Kiel wurde der Südpfälzer erneut in das 14-köpfige Aufgebot von Bundestrainer Alexander Zimpelmann (Freinsheim) berufen. Der Blondschopf gehört zu den Leistungsträgern der „Deafboys“ und ist eine feste Größe im linken Rückraum. Es sind für den sympathischen jungen Mann, der seit Geburt an taub ist und im Alltag mit einer Hörhilfe, einem Cochlea-Implantat, gut zurechtkommt, die vierte Teilnahme bei den Deaflympics. Bereits 2009 in Taipeh (Taiwan) sowie vier Jahre später in Sofia (Bulgarien) holte Werling mit dem deutschen Team jeweils Bronze.

Werlings Erfahrungen mit Bronze

Vor fünf Jahren mussten sich die „Deafboys“ in Samsun in der Türkei mit dem vierten Platz zufriedengeben. Diesmal wollen sie mehr. „Das Ziel ist ganz klar eine Medaille“, sagt Werling. Dabei träumt er gar vom Finale. „Ich will einfach mal was anderes als nur Bronze.“ Schon bei seiner Premiere im Jahr 2008, als er bei der Europameisterschaft in Belgrad (Serbien) das Trikot mit dem Bundesadler trug, gab es ebenfalls Bronze.

Werling träumt davon, im deaflympischen Finale stehen zu dürfen. Ob es soweit kommt, bleibt abzuwarten. „Die Mannschaft hat das Potenzial, ganz weit vorne zu landen, aber da muss schon alles zusammenpassen“, sagt Werling. Daran ändert es auch nichts, dass diesmal Russland wegen des Kriegs in der Ukraine nicht dabei ist.

„Favorit Kroatien“

Kroatien müssen wir als Favoriten sehen. Aber die sind nicht in unserer Gruppe.“ Frühestens beim Erreichen des Halbfinals könnte Deutschland auf den Favoriten treffen. Zuvor stehen in der Vorrunde die Partien gegen Serbien, Kenia, Gastgeber Brasilien und Kamerun auf dem Plan. „Wir dürfen keinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen“, weiß Werling aus eigener Erfahrung.

Der Maschinenbautechniker, der bei Daimler in Wörth im Schichtdienst arbeitet, denkt auch noch an eine andere Unbekannte, die über den sportlichen Erfolg entscheiden kann: das Corona-Virus. „Wir haben ja im Januar bei der EM in Bratislava gesehen, wie der deutschen Mannschaft von Tag zu Tag die Spieler ausgingen“, erinnert Werling.

Nachreise, wenn der Test negativ ist

Während seine Kollegen bereits am Mittwochabend in Richtung Sao Paulo vom Flughafen Rhein-Main in Frankfurt abhoben, weilte Werling noch in der Heimat. Das hatte einen besonderen Grund: Der Südpfälzer wurde vorletzte Woche positiv auf das Corona-Virus getestet und war am Tag des Abflugs noch nicht vollständig genesen. Sein Plan: Nachreisen, sobald das Testergebnis negativ ist. Im günstigsten Fall, war das schon am Wochenende möglich. Spätestens aber am Montag will er sich auf den Weg nach Südamerika machen. Er wird auf jeden Fall zum Auftaktspiel am Donnerstag, wenn Deutschland auf Serbien trifft, im Kader sein.

„Ich freue mich schon sehr auf die Reise, dafür habe ich fünf Jahre lang alles getan, um wieder dabei zu sein“, meint Werling, der auf den gepackten Koffern sitzt. „Mir geht es so weit wieder ganz gut.“ Eine Nachricht, worüber sich auch Bundestrainer Zimpelmann freut, der fest mit dem Südpfälzer rechnet. Die Mission Deaflympics kann bald beginnen und Werling kann sein Traum von den vierten Spielen erfüllen.

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