Handball
Alexander Zimpelmann und die Vorfreude auf die Deaflympics
Die Vorfreude ist bereits da. Seine Taschen hat er schon fast gepackt. Wenn am Mittwochabend das Flugzeug von Frankfurt in Richtung Sao Paulo abhebt, beginnt auch für Alexander Zimpelmann das Abenteuer Deaflympics 2022, die um ein Jahr verschobenen Olympischen Spiele der Gehörlosen, die in Caxias do Sul im Süden Brasilien stattfinden. Dafür hat der 51-Jährige in den vergangenen Monaten in vier mehrtägigen Lehrgängen in Haßloch und Kiel seinen 14-köpfigen Kader auserkoren.
„Wir hatten in den vergangenen beiden Jahren einen Kader von 22 Spielern, die an den Lehrgängen teilgenommen haben. Am Ende war es keine einfache Entscheidung, die optimale Besetzung für das Turnier zu finden“, erzählt Zimpelmann. Mit an Bord sind auch die beiden Pfälzer Dominik Götz aus Lambsheim und Felix Werling aus Wörth. Der Kader hat sich seit den Deaflympics 2017 in der Türkei grundlegend verändert. Einige Akteure sind ausgeschieden oder haben ihre Karriere im Nationaltrikot beendet.
Kader verjüngt
„Unser Ziel war es auch, den Kader mit Blick auf die Zukunft zu verjüngen“, sagt Zimpelmann. Das scheint ihm mit seinem Trainerstab gelungen zu sein. Und nach den Spielen in Südamerika soll der nächste Schritt vollzogen werde. Einige Akteure haben bereits signalisiert, sich im September, wenn in Frankenthal die Partie zwischen Deutschland und Frankreich anstehe, verabschieden zu wollen.
Aber darüber macht sich der B-Trainer, der auch Sprecher des Leistungssportausschusses im DGS ist, derzeit keine Gedanken. Seine Konzentration gehört den Partien in der Vorrunde bei den Deaflympics. Nach einer Woche Akklimatisierung folgt die Auftaktpartie gegen Serbien am 5. Mai. Im Zweitage-Rhythmus stehen dann die Partien jeweils im UCS Ginásio Poliesportivo gegen Kenia, Brasilien und Kamerun auf dem Plan.
Demütig gegen Serbien
„Wir wollen jedes Spiel gewinnen, aber wir sollten demütig sein und uns erst mal auf den ersten Gegner konzentrieren. Serbien wird schwer genug, da wird jeder in der Mannschaft seine Bestform abrufen müssen“, sagt Zimpelmann. Ein erstes Playbook über den Auftaktgegner wird gerade vom Trainer-Team erstellt. „Wir wollen den Jungs im Vorfeld erste Videosequenzen liefern, um sich über die Stärken und Schwächen des Gegners zu informieren.“
Neben den Trainingseinheiten soll in Brasilien auch der Teamgedanke nicht zu kurz kommen. „Die größte Herausforderung wird sein, wie die Mannschaft damit umgeht, wenn es mal nicht so läuft“, sagt Zimpelmann. Auch für den Bundestrainer ist es nach der Amtsübernahme der erste große sportliche Höhepunkt. Geplante Turniere und Länderspiele fielen während der Pandemie aus. Entsprechend ist die Freude jetzt groß, dass nach der Absage der EM und WM die Deaflympics mit einjähriger Verspätung stattfinden werden.
Nichts dem Zufall überlassen
Die Corona-Pandemie ist dennoch allgegenwärtig. „Wir müssen einfach sehen, dass wir ohne Infektionen durch das Turnier kommen.“ Zimpelmann möchte nicht das Schicksal erleben, das die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der EM in Bratislava erfahren hat, als von Spiel zu Spiel immer mehr Akteure fehlten. „Die Jungs haben alles getan, um das Risiko der Ansteckung so gering wie möglich zu halten“, erzählt Zimpelmann.
Die Verantwortlichen im DGS überließen im Vorfeld nichts dem Zufall, begutachteten schon vor acht Wochen das Mannschaftsquartier und die Sportstätten. „Unsere Unterkunft liegt sechs Kilometer von der Halle entfernt. Sie wurde erst vor vier Wochen offiziell eingeweiht“, berichtet Zimpelmann. Dabei hofft er, dass seine Mannschaft nach der Vorrunde noch im Turnier ist. Das Ziel ist klar: Nach zwei Bronzemedaillen bei den Deaflympics in Taipeh (2009) und Sofia (2013) sowie dem vierten Platz in Samsun (2017) wollen die deutschen Gehörlosen-Handballer diesmal wieder um die Medaillen spielen.