Frankenthal Feine Vase mit grober Struktur
Sarah Pschorn, die einen der beiden mit 1500 Euro dotierten Frankenthaler Perron-Förderpreise erhält, hat sich im vergangenen Jahr in Leipzig selbstständig gemacht. Sie könne die Unterstützung gut gebrauchen, um weiter experimentell arbeiten zu können, erzählt sie im Gespräch.
Pschorn, 1989 in Dresden geboren, hat fünf Jahre auf Burg Giebichenstein der Kunsthochschule Halle an der Saale „Keramik in der Kunst“ studiert. Mit seiner künstlerischen Ausrichtung sei das ein sehr seltener Studiengang, sagt Pschorn. 2012 hat sie ein Auslandsstudienjahr an der Bezalel Academy of Art and Design in Jerusalem absolviert. „Gefäß“ als Thema des Frankenthaler Kunstwettbewerbs könne frei und auch angewandt aufgefasst werden. „Ich mache meine Arbeiten immer im Grenzbereich zwischen Kunst, Design und Handwerk“, erzählt Pschorn. Für die eingereichte Vase habe sie eine Positivform aus Styroporteilen gebaut, wie sie in der Industrie als Abfall bei der Fertigung von Prototypen anfallen. Sie werden per computergesteuerten Maschinen mit heißem Draht aus Styroporblöcken geschnitten. Der Herstellungsweg spiegelt sich im Titel: „Styrocut 3“. Die Struktur des Materials hat sich auf das Porzellan übertragen: Die außen unglasierte Oberfläche der Vase habe die Ästhetik des eher minderwertigen Baumaterials konserviert, die im Kontrast stehe zum Nimbus des Porzellans als edlem Material. Da ihr kubistisch anmutendes Objekt recht verwinkelt ist, sei der Abformungsprozesse kompliziert gewesen, sagt Pschorn. Die Styroporteile hat sie zusammengefügt und aus Gips eine Negativform hergestellt. „So ist auch der Weg bei einer industriellen Fertigung.“ Diese Gipsform habe sie aus sieben Einzelteilen fertigen müssen, um sie nach dem Guss wieder entfernen zu können. Sie liebe die Eigenwilligkeit des als schwierig geltenden Materials, arbeite gerne mit dem Eigenleben des Porzellans, statt dagegen, sagt Pschorn. So sei ihr sogar willkommen, wenn die Form einsinkt oder sich Risse bilden, was sonst eher als Malheur gilt. Termin Perron-Kunstpreis Porzellan, Preisverleihung und Vernissage am 11. August, 19 Uhr, im Kunsthaus Frankenthal. Monika Gass, Leiterin des Keramikmuseums Westerwald, hält die Laudatio. Musik steuern die Sopranistin Andrea Silber und Rainer Diehl am Klavier sowie die Porzellinen der Städtischen Musikschule Frankenthal bei. Im Anschluss werden die Frankenthaler Kulturtage eröffnet. Die Semira Dancers zeigen vor dem Kunsthaus Hula-Tänze.