Frankenthal Feierabendhaus wohl kurz vor dem Abriss

91-69956182.jpg

Das Feierabendhaus, Veranstaltungsort mit Tradition und markantes Baudenkmal, wird wohl einem Neubau weichen. Die Frankenthaler wird diese Nachricht nicht kalt lassen. Der Oberbürgermeister bemüht sich, mögliche Vorwürfe gegen die Stadt und den jetzigen Eigentümer Edeka zu entkräften.

Oberbürgermeister Theo Wieder (CDU) weiß nach eigener Darstellung seit drei Wochen, dass von Edeka beauftragte Fachingenieure das Feierabend für „in höchstem Maße einsturzgefährdet“ halten (wir berichteten am Samstag). Der Einzelhandelskonzern rückt deshalb von seinen Plänen ab, die historische Immobilie in seinen bereits nahezu fertiggestellten Verbrauchermarkt am Foltzring zu integrieren. Wieder habe daraufhin die Vorsitzenden der Stadtratsfraktionen informiert, auch im Ältestenrat sei über die schlechte Nachricht gesprochen worden. Vergangenen Mittwoch war das Feierabendhaus dann schließlich Thema einer nicht-öffentlichen Sondersitzung des Haupt- und Finanzausschusses, bei der Wieder zufolge erste Entwürfe für einen Neubau vorgestellt wurden. Er habe erst diese Perspektive für das Supermarkt-Projekt abwarten wollen, bevor er die Öffentlichkeit ins Bild setze, begründet Wieder seine Vorgehensweise. „Was die Architekten in dieser kurzen Zeit an Vorzeigbarem zusammengestellt haben, ist wirklich erstaunlich“, sagt der Rathauschef. Nachdem im Prinzip schon 2008 im Stadtrat Konsens über den Abriss des Feierabendhauses bestanden habe, sei im Ausschuss über diese grundsätzliche Frage gar nicht mehr diskutiert worden. Es ging in dem Gremium mit Blick auf das gezeigte Modell offenbar bereits mehr um gestalterische Fragen. Seit Ende der 1980er-Jahre wird das Feierabendhaus nicht mehr als Veranstaltungsstätte für kulturelle und gesellschaftliche Ereignisse genutzt. Während der Flüchtlingswelle vom Balkan ein paar Jahre später diente es als Unterkunft für Asylbewerber. Danach stand die Immobilie bis zum Verkauf an Edeka zwei Jahrzehnte leer. Untersuchungen des Bauzustands fanden nicht mehr statt. Dass der nun gestellte Befund eines Ingenieurbüros etwas mit der geringen Sorge um das denkmalgeschützte Gemäuer zu tun haben könnte, diesen Vorwurf weist der seit 2000 amtierende OB entschieden zurück. „Es gab keine realistische Perspektive zur Nutzung des Feierabendhauses, die mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren gewesen wäre“, sagt Wieder. Private Investoren habe es auch keine gegeben – bis eben Edeka auf den Plan trat und das Feierabendhaus von der Congress-Forum Frankenthal GmbH erwarb. Laut Aussage des Oberbürgermeisters nicht. Denn auch die Fachleute der Weber-Ingenieure GmbH aus Pforzheim konnten die statisch relevanten Stahlbeton-Elemente offenbar erst näher in Augenschein nehmen, nachdem zwei links und rechts vom Hauptgebäude stehende, bereits baufällige Annexe abgerissen, Verkleidungen demontiert und das Parkett des Veranstaltungssaals ausgebaut waren. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse freilich waren im negativen Sinn beeindruckend: Die Stahlbetonkonstruktion – eine der ersten dieser Art vom Anfang des 20. Jahrhunderts – ist derart massiv von Korrosion und Carbonatisierung angegriffen, dass bereits laufende Arbeit an dem Gebäude sofort eingestellt wurden. Obwohl der städtebauliche Vertrag zwischen der Stadt und Edeka eine Einbeziehung des Feierabendhauses in den Neubau eines Verbrauchermarkts festlegt, könnte das Unternehmen ja den nun recht sicher anstehenden Abriss als Möglichkeit einkalkuliert haben. Fakt ist nach Lage der Dinge: Eine Sanierung wäre viel teurer als ein Neubau und ihr Erfolg zudem ungewiss. OB Wieder ist überzeugt: „Edeka hat mit Herzblut an diesem Projekt gearbeitet.“ Schließlich sei schon einiges Geld in den Umbau des mehr als 100 Jahre alten Veranstaltungshauses geflossen – unter anderem in den Ausgleich des Geländeniveaus. Auch Fenster für den Altbau seien schon bestellt gewesen. Wieder ergänzt: „Es gibt ein enges Vertrauensverhältnis zu den handelnden Personen.“ Tatsächlich stelle die jetzige Entwicklung Edeka vor das Problem, dass Räume, die im Feierabendhaus untergebracht sein sollten, im fast fertigen Neubau fehlen. Der Charme der geplanten Lösung, die neue und alte Bausubstanz zu verknüpfen, ist zwar dahin. Städtebaulich soll sich das durch den Charakter des Neubaus nicht allzu sehr bemerkbar machen. „Die Ziele, die ich persönlich auch mit diesem Projekt in einem schwierigen Umfeld verfolgt habe, werden trotzdem erreicht“, sagt Wieder. Es gebe die Wohnbebauung auf der Südseite des Nachtweidewegs, die Stadt habe die Verkehrssituation nach seinem Dafürhalten gut gelöst und der Markt komme auch.

x