Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Fabulierlust mit Fakten: Autor Rolf Schlicher verblüfft mit „Potzblitz – die Pfalz“

Die Weinflasche benötigt Buchautor Rolf Schlicher, um den Mittelpunkt der Pfalz zu finden.
Die Weinflasche benötigt Buchautor Rolf Schlicher, um den Mittelpunkt der Pfalz zu finden.

Rolf Schlicher verblüfft beim Vorstellen seines Buchs „Potzblitz – die Pfalz“ in Bobenheim-Roxheim mit erstaunlichen Anekdoten über die Pfalz – von Mondpapier bis Wunderheilungen.

Stichworte auf Schmierzetteln, im Redaktionsalltag Untergegangenes, sei der Anfang gewesen für sein Buch, verrät der langjährige RHEINPFALZ-Redakteur Rolf Schlicher, der auf Einladung der Katholischen Öffentlichen Bücherei Bobenheim seinen etwas anderen Pfalzführer im Pfarrheim Sankt Antonius vorstellte. Ein Buch über die ganze Pfalz habe er machen wollen, jenseits regionalen Schubladendenkens. Aus seiner Ideensammlung und seinen Querbeet-Ausflügen durch Topographie und Historie hat der ausgewiesene Pfalzkenner 15 Geschichten über ungewöhnliche Orte und Vorkommnisse geschmiedet.

Historische Recherchen und Begegnungen mit Zeitgenossen treffen auf faktenbasierte Fabulierlust. Einige davon hat Schlicher in seiner Lesung angerissen und dabei die Neugier des Publikums geschürt. Man erfuhr von Johann Jakob Hemmers Erfindung des fünfzackigen Blitzableiters, von dem es noch heute Exemplare im Schwetzinger Schloss gibt. Man darf spekulieren, ob das unbrennbare „Mondpapier“ einer Frankenecker Papierfabrik als Hinterlassenschaft der Apollo 11-Mission vielleicht noch auf dem Erdtrabanten rumliegt. Und man schmunzelt über sagenhafte Wunderheilungen in Pfälzer Schwefelquellen und zerflossene Staatsbad-Ambitionen.

Auf der Suche nach Menhiren

„Die wahren Abenteuer beginnen im Wäldchen von Insheim“, konstatiert Schlicher und führt sein Publikum gleich weiter auf Zeitreise in die Welt von Asterix. Auf „Hinkelstein-Tour“ durch die Pfalz könne man vier Dutzend dieser sagenhaften Menhire entdecken, zum Beispiel auf dem Hinkelstein-Rundweg zwischen Otterberg und Winnweiler, im Raum Bad Dürkheim und im rheinhessischen Alsheim. Auf der Suche nach den schönsten Echos und den tiefsten Höhlen ist Schlicher kreuz und quer durch die Pfalz geradelt, gefahren und gewandert und hat dabei einige Kuriositäten und Anekdoten entdeckt.

Plädoyer fürs Gänseblümchenfest

Mit „Potzblitz – die Pfalz!“ ist es Rolf Schlicher gelungen, dem unüberschaubaren Kosmos an Pfalzliteratur eine neue Facette hinzuzufügen. Das Buch bietet mit Tour-Infos und Gastro-Tipps einen ordentlichen Nutzwert und überzeugt als Wundertüte voller frischer Ideen für Wochenendausflüge. Mit Auszügen aus seiner „Sapperlot“-Kolumne rundete der ehemalige Leiter des Südwest-Ressorts der RHEINPFALZ seinen Vortrag ab. Angesichts des alljährlichen Mandelblüten-Hypes an der Weinstraße führte der Vollblutpfälzer einen anderen allgegenwärtigen Frühlingsindikator ins Feld: das Gänseblümchen. Er pries die Vorzüge des „Maßliebchens“ und plädierte für ein „Gänseblümchenfest“ mit Wahl einer entsprechenden Königin.

Schwebende Pfalzkarte

Der ewigen Frage nach dem Mittelpunkt der Pfalz rückte der Journalist mittels Physik auf den Leib: Da wo die Pfalzsilhouette, aufgespießt auf einer Nadel in einem Korken schwerelos über der Rieslingflasche schwebt sei das Zentrum der Pfalz. Die Mitte in Mückenstich? Herz, Mittelpunkt, Balancepunkt? Solche Differenzierungen seien letztlich einerlei, meint der Autor, denn „mittendrin ist dort, wo man sich wohlfühlt“.

Lesezeichen

Rolf Schlicher: „Potzblitz – die Pfalz“, 2022, Pilger-Verlag, 208 Seiten, 19 Euro.

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