Frankenthal
Erkenbert-Museum: Team betreut Kunstsammlung der Stadt
„Die Kunstsammlung darf nicht in Büros hängen“, das ist für Museumsleiterin Maria Lucia Weigel völlig klar. Zu groß sei die Gefahr, dass beispielsweise wertvolle Gemälde Schaden nehmen, „wenn die Sonne den ganzen Tag draufscheint“. Auch aus Sicherheitsgründen sei ein Rathaus nicht der richtige Ort für die Originale. Die Kunstsammlung der Stadt, die etwas mehr als 700 Gemälde, Grafiken und Plastiken umfasst, soll künftig nach Museumsstandards behandelt werden. Dazu gehört auch eine angemessene Aufbewahrung. Eine Ausleihe zu Dekorationszwecken, wie es derzeit bei 14 Gemälden, sieben Plastiken, 73 Grafiken und einigen anderen Werken der Fall ist, sei nicht mehr möglich. Das ist nicht weniger als ein Paradigmenwechsel. „Die Wertigkeit der Sammlung ist bislang nicht berücksichtigt worden“, sagt Weigel diplomatisch. Denkbar sei, bei von Verwaltungsmitarbeitern besonders geschätzten Werken eine Reproduktion anfertigen zu lassen.
Doch das sei eine „Aufgabe der Zukunft“, betont Weigel. Bevor Räumtrupps durch die Büros gehen, sollen zunächst die gut 600 Werke erfasst, begutachtet und fürs Depot vorbereitet werden, die bereits im Museumsgebäude sind. Dafür ist im Zuge der Vorbereitung der Generalsanierung seit 1. Februar Marja Sterzenbach zuständig. Sie hat in Erfurt und Köln Konservierung und Restaurierung studiert und lebt seit einigen Jahren als selbstständige Restauratorin mit eigener Werkstatt in Mannheim, wo sie unter anderem in der Kunsthalle beschäftigt war. Sterzenbach gehört in Frankenthal zu dem Team, das die für die anstehende Generalsanierung des Museums nötige Räumung begleitet. Die 38-Jährige ist spezialisiert auf Gemälde der klassischen Moderne und zeitgenössische Malerei.
Werke aus der Pfalz und aus Polen
Besonders reizt die gebürtige Hamburgerin der deutsche Impressionismus, zu dessen prominentesten Vertretern Max Liebermann aus Berlin, aber auch der mit der Pfalz eng verbundene Max Slevogt zählen. Von dem 1932 in Leinsweiler in der Südpfalz gestorbenen Maler besitzt die Stadt einige Druckgrafiken. Sie zählen sicher zu den wertvolleren Objekten der sogenannten „Kunstamtssammlung“, die neben Gemälden Plastiken und Papierarbeiten umfasst. Neben bekannten Namen sind darin auch Werke von Frankenthaler Malern zu finden, etwa eine große Sammlung von Walter Krebs, „wunderschöne spätimpressionistische Malerei“, schwärmt die Fachfrau. Der Städtepartnerschaft mit Sopot sind einige Werke polnischer Künstler im Fundus zu verdanken.
Über zwei Meter groß ist die Leinwand, auf die Hanns Fay seine „Badenden Frauen“ gebannt hat. Angesichts der Maße hat die schlecht gestützte Leinwand über die Jahre an Spannung verloren und hängt an einigen Stellen durch. Zur Stabilisierung bringt Restauratorin Sterzenbach nun auf der Rückseite einen Schwingschutz aus Polyestervlies an, der mit säurefreier Wellpappe befestigt wird. Mit Latexschwämmchen wird dann noch die Oberfläche gereinigt – trocken, denn die Farbe ist wasserlöslich. In atmungsaktive Folien verpackt, kann das Gemälde dann in das eigens angemietete, klimatisierte Lager des Museums umziehen.
Etwa 40 der 100 Gemälde sind bereits im Depot. Etwa ein Drittel des städtischen Gemäldebestands, der jahrelang auf dem nicht isolierten Dachboden lagerte, war stark mitgenommen und musste beispielsweise von Schimmel befreit werden. Der nun übrige Rest sei in einem ordentlichen Zustand, sagt Sterzenbach. Das ist gut, denn in wenigen Wochen sollen die Räume am Rathausplatz leer sein, damit in einem ersten Schritt der marode Keller saniert werden kann.
Ausstellung 2022
Museumsleiterin Weigel kennt die Bedenken von Bürgern, aber auch von Verwaltungsmitarbeitern, die künftig irgendwann auf die Kunstwerke in ihren Büros verzichten müssen. „Es gibt die Sorge, dass alles im Depot verschwindet.“ Zur Feier „1250 Jahre Frankenthal“ soll es 2022 deshalb eine Ausstellung mit den Werken aus dem städtischen Besitz geben.