Frankenthal
Eppsteiner Arztpraxis schließt sich größerem Verbund an
„Ich habe zuletzt sehr viel Zeit mit Büroarbeit verbracht, die ich lieber in die Behandlung meiner Patienten und die Weiterentwicklung meiner Praxis investiert hätte“, sagt Kliewer. Zu den organisatorischen Tätigkeiten wie Abrechnungswesen, Praxismanagement, Personalführung und Weiterbildung seien in den vergangenen Jahren verstärkt auch gesetzliche Vorgaben zu Datenschutz und Hygienevorschriften hinzugekommen. „Das sind alles Arbeiten, die ein Arzt zusätzlich zur reinen Patientenversorgung leisten muss. Ich wollte wieder mehr Zeit für das Gespräch und die Untersuchung meiner Patienten haben. Aus dem Grund habe ich diesen Beruf eigentlich ergriffen“, erklärt Kliewer, warum sie sich zu einer Aufnahme in den ze:ro-Praxen-Verbund entschlossen hat.
Der Kontakt sei über die Universitätsmedizin Mannheim/Heidelberg zustande gekommen. Ihre ehemalige Praxis sei dort als Lehrpraxis für die Ausbildung im Fachbereich Allgemeinmedizin registriert, berichtet die gebürtige Ludwigshafenerin, die seit mehr als 20 Jahren in Frankenthal praktiziert. „Ich fand das Konzept der Verbundstruktur spannend, sodass ich mich eingehender damit beschäftigt habe.“
Aufgaben delegiert
Die ze:ro-Praxen sind ein Verbund von Ärzten in der Metropolregion Rhein-Neckar. Die Gesellschaft mit Sitz in Schwetzingen unterstützt die beteiligten Mediziner bei zentralen Aufgaben wie Einkauf, Buchhaltung, Abrechnungsmanagement, Personalgewinnung, Marketing und IT-Angelegenheiten. „Mit unserer Verbundstruktur wollen wir Ärzten optimale Arbeitsbedingungen bieten und den Hausarztberuf auch für die junge Generation wieder attraktiver machen“, sagt die Pressesprecherin des Unternehmens, Mieke Hoffmann. „Patienten sollen auch in Zukunft einen Arzt ihres Vertrauens in der Nähe haben.“
Mit der wohnortnahen medizinischen Versorgung sieht es – vor allem im ländlichen Raum – nicht rosig aus. So haben etwa ältere Mediziner, die sich zur Ruhe setzen wollen, oft Schwierigkeiten, für ihre Praxen einen Nachfolger zu finden. „Viele junge Ärzte scheuen das betriebswirtschaftliche Risiko, eine eigene Praxis zu führen und ziehen eine angestellte Beschäftigung der Selbstständigkeit vor“, erläutert Hoffmann. Der Nachwuchs stelle andere Anforderungen an den Beruf als frühere Generationen. Sehr wichtig sei heute die Vereinbarkeit mit dem Familienleben, gerade für Frauen, so Hoffmann. „Eine 60-Stunden-Woche schreckt da nur ab. Zudem wollen viele junge Mediziner lieber im Team arbeiten.“
Personal übernommen
Sie habe ihre Selbstständigkeit aufgegeben, um ihre Praxis auf die sich ändernden Strukturen im Gesundheitswesen einzustellen, sagt Kliewer. Ein besonderes Anliegen sei es ihr, den Arztstandort Eppstein über ihr Wirken hinaus zu sichern. 2002 hatte sie die Hausarztpraxis, die sich damals noch in der Adam-Müller-Guttenbrunn-Straße befand, von einer Medizinerfamilie übernommen. Aufgrund gestiegener Patientenzahlen erfolgte 2010 der Umzug in die Verdistraße 31 in neue und größere Räumlichkeiten. Das Gebäude sei nach ihren Wünschen patientengerecht geplant worden, sodass es optimierte Praxisabläufe ermögliche, so Kliewer.
Seit dem 1. Juli gehört die Praxis dem ze:ro-Praxen-Verbund an und wird als Medizinisches Versorgungszentrum geführt. Mit Hülya Güngör ist nun eine zweite Fachärztin für Allgemeinmedizin mit an Bord. Zum Team gehören zudem vier Medizinische Fachangestellte und ein Physician Assistant im ersten Semester. Ihre Mitarbeiter seien von ze:ro übernommen worden, so Kliewer. Für die Patienten ändere sich praktisch nichts.
„Integration braucht Zeit“
„Nach 18 Jahren Selbstständigkeit ist es schon eine Herausforderung, in einem so großen Praxisverbund tätig zu sein. Die Integration braucht ihre Zeit. Abläufe und Kommunikationswege müssen sich erst einmal einspielen“, sagt Kliewer. „Die Vorteile sehe ich mittelfristig neben der Entlastung von Verwaltungsaufgaben auch in der nachhaltigen und zukunftsträchtigen Weiterentwicklung der Praxis.“