Bobenheim-Roxheim
Elf Freunde: Jürgen Wanger ist Stadionsprecher des SC Bobenheim-Roxheim
Stadionsprecher, Abteilungsleiter, Sponsor – Jürgen Wanger ist ein Mann für alle Fälle beim Fußball-Bezirksligisten SC Bobenheim-Roxheim. Seit sechs Jahren steht er nun schon bei den Heimspielen seines SC in der Sprecherkabine und kommentiert das sportliche Geschehen auf dem Fußballplatz am Binnendamm. Weil sich sonst niemand im Verein bereit erklärt habe, den Job in der Sprecherkabine zu übernehmen, habe er sich schließlich angeboten, erzählt Wanger. „Jemand muss die Durchsagen ja machen.“ Partien ohne Kommentar gefallen ihm nicht. „Die Durchsagen verleihen dem Spiel ein gewisses Flair“, findet der Leiter der Fußballabteilung der Bobenheim-Roxheimer.
Nicht mehr nur Fan, Abteilungsleiter und Sponsor seines Clubs zu sein, sondern ruhig und objektiv zu bleiben, wenn er das Mikrofon in die Hand nimmt – daran musste sich Wanger erst langsam gewöhnen. Zu Beginn seiner Laufbahn als Stadionsprecher sei ihm das noch schwer gefallen, räumt er ein. „Da musste ich mich manchmal ganz schön zurückhalten.“ Doch mittlerweile sei die Arbeit als Stadionsprecher für ihn zur Routine geworden.
Arbeit beginnt am Vortag
Das gilt auch für die Vorbereitung der Heimspiele des Bezirksligisten. Damit beginnt Jürgen Wanger bereits am Vortag. „Ich schaue nach, ob der Platz gezeichnet ist und ob die Umkleidekabinen der Schiedsrichter sauber sind“, berichtet Wanger. Das Ganze geschieht allerdings nicht zwingend in seiner Funktion als Stadionsprecher, sondern vor allem als Abteilungsleiter. Als solcher achte er darauf, dass alles seine Ordnung hat.
„Der Sonntag ist dann komplett für den Fußball verplant“, sagt Wanger. Der Heimspieltag beginnt für ihn schon früh morgens mit einem Telefonat mit Stephan Szymczak, seinem Stellvertreter in der Abteilungsleitung. „Das Thema ist das kommende Spiel. Wir sprechen aber natürlich auch darüber, ob es noch etwas zu tun gibt“, erklärt Wanger. Allzu lange hält er es sonntags zu Hause meist nicht aus. Bereits gegen 12 Uhr fährt Wanger zum Binnendamm. Dort schaut er sich regelmäßig die Begegnungen der zweiten Mannschaft des SC an, die häufig vor der „Ersten“ spielt. Bis zum Anpfiff in der Bezirksliga dauert es dann noch drei Stunden.
Infos über die Gäste
Die Zeit nutzt Wanger, um noch einige Informationen über die Gäste, die Schiedsrichter und die Aufstellungen der Teams zu sammeln. „Ich gehe zum Trainer oder zu den Spielern der Gäste und frage bei kniffligen Namen nach der Aussprache“, verrät Wanger. Dabei möchte er keine Fehler machen. Nicht alles lässt sich jedoch planen oder vorhersehen. So passiere es schon mal, dass sich der gegnerische Coach vor dem Anpfiff umentscheide und Spieler bringe, die gar nicht auf dem Spielberichtsbogen stünden. „Das gab es schon, trotz der vorherigen Nachfrage. Und dann heißt der Spieler mit einer bestimmten Nummer eben in Wirklichkeit anders, als es auf dem Bogen steht“, meint Wanger und lacht.
Bei der eigenen Mannschaft benötigt Jürgen Wanger keine Nummern, um zu erkennen, wer da auf dem Platz steht und gerade an einer Aktion beteiligt ist. Besonders gerne dürfte er den Namen seines Sohnes Robin durchgegeben haben. Der traf ganze 27-mal das gegnerische Tor, als der SC noch in der B-Klasse spielte. Eines davon ist Vater Jürgen Wanger noch heute sehr präsent: „Da schoss er aus 40 Metern über den Torhüter hinweg ins Tor. Da ist meine Ansage ausnahmsweise mal etwas lauter ausgefallen“, sagt der Fußballabteilungsleiter. Besonders gekribbelt habe es auch in der vergangenen Saison beim Rückrundenstart gegen die VTG Queichhambach. Der SC gewann verdient und beendete damit eine lange Niederlagenserie.
Nicht viel Zeit zum Jubeln
Doch viel Zeit zum Jubeln hatte Wanger auch da nicht. Denn nach dem Abpfiff ist der Arbeitstag für ihn noch lange nicht vorbei. In seiner Funktion als Sportlicher Leiter des SC muss Wanger das Ergebnis direkt nach Spielende an den Deutschen Fußball-Bund und das Internetportal www.fussball.de weiterleiten. Anschließend kehrt er in die Sprecherkabine zurück, um die Musikanlage abzubauen. „Das dauert circa 20 Minuten“, erläutert Wanger.
Erst wenn das geschafft ist, beginnt der Feierabend für den Abteilungsleiter, der dann auch endlich zum eigenen Team und den Fans stoßen kann. Dort warte dann meistens eine Schorle auf ihn. Und die schmecke nach Heimsiegen natürlich noch besser, betont Wanger. Doch auch Niederlagen hingen ihm nicht lange nach. „Montags ist das schon wieder vergessen“, meint Wanger. Dann hat er wieder knapp zwei Wochen lang Zeit, um sich auf das kommende Heimspiel vorzubereiten.