Frankenthal Einsätze mit Dienstfahrrad und Red Adair

Dreieinhalb Jahrzehnte Polizeidienst in Frankenthal: Gerd Gottfried Hasslinger.
Dreieinhalb Jahrzehnte Polizeidienst in Frankenthal: Gerd Gottfried Hasslinger.

Gerd Gottfried Hasslinger, von 1973 bis 1988 Leiter der damaligen Polizeidirektion Frankenthal, feiert heute 90. Geburtstag. 35 seiner 43 Jahre Polizei-Dienstjahre leistete er hier. Privat war Hasslinger gerne mit seinem Motorsegelboot auf Flüssen unterwegs.

Als Geburtstagsmuffel, wie er sich selbst bezeichnet, wollte er eigentlich wegfahren, verbringt den heutigen Tag nun aber doch mit seiner Frau Margot im kleinen Kreis von Freunden zu Hause, weil Wachhündin Tessa nur schwer bei anderen unterzubringen sei. Der Polizeiberuf sei immer sein Herzenswunsch gewesen, erzählt Hasslinger. Bevor der gebürtige Ludwigshafener bei der Polizei seiner Heimatstadt begann, wurde er von der Schulbank mit 17 Jahren, noch vor dem Abitur, zum Kriegsdienst einberufen. 1945 schaffte er den Sprung zur Polizei mit dem Ziel Kriminalpolizei. 1948 überschattete ein Unglück seinen noch jungen Berufsweg – die Explosion in der BASF mit mehr als 200 Todesopfern. Mit einem Polizeifotografen, dem er assistierte, dokumentierte er den Unglücksort. „Damals wurde noch auf Platten belichtet“, sagt Hasslinger. Den Geruch der vielen Toten werde er nie mehr vergessen können. Als 24-jähriger Inspektor kam Gerd Hasslinger 1951 zum ersten Mal nach Frankenthal. 1960 zog er in die Stadt. Als einziges Dienstfahrzeug habe damals in Frankenthal ein Opel P4 zur Verfügung gestanden, der dem Chef vorbehalten war. Der Rest der Mannschaft musste mit Diensträdern ausrücken. Nach einem Intermezzo im rheinland-pfälzischen Innenministerium von 1970 bis 1973 wurde er Nachfolger von Heinrich Kipke als Leiter der Polizeidirektion. Der erste Computer wurde Mitte der 1970er-Jahre für das Einwohnermeldewesen in Dienst gestellt. Damals sei Polizeiarbeit zum Teil umfangreicher gewesen, berichtet Hasslinger. Aufgaben, die heute beim Ordnungsamt der Stadt liegen, seien Sache der Polizei gewesen. Hasslinger managte Mitte der 1980er-Jahre den Übergang, der mit dem Wechsel von 30 Verwaltungsmitarbeitern zur Stadt einherging. Als Dienststellenleiter ist ihm der Gasunfall am Erdgasspeicher von Saar-Ferngas am Rhein 1980 im Gedächtnis geblieben. Um ein Leck am Erdgasspeicher zu stopfen, wurde eigens der texanische Fachmann Paul Red Adair eingeflogen. Die Frankenthaler Polizisten waren mit der Sicherung des Umfelds betraut. Für Hasslinger „ein schöner Einsatz, weil er im Bereich der Gefahrenabwehr lag, dem ureigenen Gebiet der Polizei“. Andere Vorfälle hätten ihn lange beschäftig, beispielsweise als ein Kind in der Mörscher Straße tödlich verunglückt sei. Kuriose Einsätze habe es ebenfalls gegeben. So habe ein Fußfetischist sein Unwesen getrieben, eine Studentin im Auto an der Jahnturnhalle gefangen gehalten und damit gedroht, ihr den Fuß abzusägen. Hasslinger bezeichnet sich als einen der ersten Öffentlichkeitsarbeiter bei der Polizei, denn er rief in Frankenthal 1973 die Polizeifreundschaftskonzerte ins Leben, bei dem unter anderem auch die Amerikaner zu Gast gewesen waren – damals noch im Feierabendhaus. Die Konzerte seien Stadtgespräch gewesen. Unter der Ägide Hasslingers wurde das Polizeigebäude durch den Kauf einer Immobilie in der Wormser Straße erweitert und so Anfang der 1980er Jahre die Raumnot beseitigt. Zu Oberbürgermeister Jochen Riebel (CDU) habe er einen guten Draht gehabt, der bis zu dessen Tod gehalten habe. Noch heute treffe er sich regelmäßig mit den ehemaligen Polizeichefs aus der Region. „Wir waren das Gegengewicht zu den Polizeipräsidenten“, sagt Hasslinger und lacht. 19 Jahre war Hasslinger nebenberuflich Lehrer für Polizeirecht an der ehemaligen Verwaltungsschule in Ludwigshafen und Prüfer an der Verwaltungshochschule in Mayen. Er hat zahlreiche Abhandlungen zum Polizeirecht verfasst. Hasslinger ist handwerklich begabt, dem Werkstoff Holz galt seine Vorliebe. Er baute sich schon als Jugendlicher ein Paddelboot und war in Frankenthal als Bootsbauer aktiv. Mit einem Motorsegelboot befuhr er viele Flüsse in Deutschland. Auch Holland gehörte zu seinem Kapitänsrevier. „Eine wunderbare Zeit“, sagt Hasslinger. Heute zieht es ihn nicht mehr weg. Er mag keine Koffer mehr packen. Der tägliche Rundgang mit Hund Tessa gehört ebenso zu seinen Beschäftigungen wie Gartenarbeit: „Sie macht mir zwar keinen Spaß, aber ich weiß, dass sie gut ist für meine Gesundheit“, so Hasslinger. Seit 57 Jahren ist er mit seiner Frau Margot verheiratet.

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