Frankenthal Eine Milliarde Überstunden „verschenkt“

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Trotz offizieller 35-Stunden-Woche werde oft mehr als 40 Stunden gearbeitet. Das hat Günther Hoetzl, Erster Bevollmächtigter der IG-Metall-Verwaltungsstelle Ludwigshafen-Frankenthal bei der Delegiertenversammlung im Sportheim des TSV Eppstein kritisch festgehalten. Das Thema Arbeitszeit will die Gewerkschaft nun verstärkt in den Blick nehmen.

Die IG Metall (IGM) habe im Bereich der Verwaltungsstelle zurzeit 9971 Mitglieder, sagte Hoetzl. Die Geschäftsstelle sei personell und materiell gut aufgestellt. Beim Thema Arbeitszeit gelte es, die unterschiedlichen Lebensläufe, Zeit- und Gesundheitsbedürfnisse zu berücksichtigen. Zu diesem Thema starte die IGM demnächst eine aktivierende Befragung, deren Ergebnisse ab März erwartet werden. Arbeitszeiterfassung sei ein individuelles Recht. Über die bevorstehende Arbeitszeitkampagne „Mein Leben, meine Zeit“ referierte Hilde Wagner, Ressortleiterin Fachbereich Tarifpolitik im IGM-Vorstand. Die Leistungspalette in Betrieben verdichte sich bei zu enger Personaldecke, hohe Flexibilität werde gefordert, was zulasten von Zeitsouveränität gehe. Einer IGM-Umfrage zufolge wünschten sich 72 Prozent der Arbeitnehmer einen klaren Anfang und Ende ihrer Arbeitszeit, 34 Prozent wollten teilweise auch zu Hause arbeiten. Allein im Vorjahr seien 1,813 Milliarden geleisteter Arbeitsstunden verfallen, davon 997 Millionen unbezahlte Mehrarbeit: „Wir haben den Arbeitgebern eine Milliarde Überstunden geschenkt“, sagte Wagner. Die IGM fordere, Schichtarbeit humaner zu gestalten, mobile Arbeit bei begrenzter Erreich- und Verfügbarkeit freiwillig und wie reguläre Arbeit erfassbar zu machen. In Pflege- und Betreuungsfällen solle anlassbezogene kurze Vollzeitarbeit möglich sein. In der Versammlung unterstrich Gewerkschaftssekretär Mathias Franz die Wichtigkeit gewerkschaftlicher Jugendarbeit durch betriebseigene Jugendcoaches. Sekretärin Birgit Mohme hob die Wichtigkeit gewerkschaftlicher Bildungsarbeit hervor und sprach zum Thema Integration in Betrieben. Bei Borg-Warner (Kirchheimbolanden) soll 2017 eine Schwerbehindertenvertretung gewählt werden. Eine Umfrage zum Thema Integration in Betrieben sei nur auf mäßige Resonanz gestoßen. Mohme lobte den Einsatz des Zentrums für Arbeit und Bildung (ZAB) Frankenthal zur Integration und Betreuung unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge und forderte für diese Gruppe mehr Praktika und Ausbildungsplätze. Gewerkschaftssekretär Christian Mockel verwies darauf, dass im Bereich Kontraktlogistik zurzeit auf einen Flächentarifvertrag hingearbeitet werde, der sich am Grundgehalt der Metall- und Elektroindustrie orientiere. |bik

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