Frankenthal Eine klebrige Angelegenheit
Hätte der liebe Gott gewollt, dass der Mensch attraktiven Handball spielt, dann hätte er ihn am sechsten Tag der Schöpfungsgeschichte mit Saugnäpfen an den Fingerkuppen ausstatten müssen. Nun, da sich die ganze Sache mit der Entwicklung des Homo sapiens verselbstständigt hat, benutzt der Mensch Kunstharz, um dem Dilemma mit der manchmal nicht ganz so göttlichen Ballfangtechnik Herr zu werden. Zu beobachten war das etwa Anfang Januar in der Halle Am Kanal in Frankenthal, als die „Eulen“ aus Friesenheim im Benefizspiel für den Dirmsteiner Fabian Pozywio ohne „Klebstoff“ gegen die HSG Eckbachtal antreten mussten. Da leistete sich mancher „Profi“ bizarre Ballverluste. An ein Spiel ohne Harz sind die meisten Akteure in den höheren Ligen nicht mehr gewöhnt. Der Pfälzer Handballverband indessen verbietet den Einsatz von Harz unterhalb der Oberliga komplett. Ausschließlich aus Gründen der Sauberkeit, wie Präsident Friedhelm Jakob gegenüber der RHEINPFALZ sagte. Denn: Das Harz hinterlässt seine schwer zu beseitigenden Spuren in den Hallen von Städten und Gemeinden. Diese hätten deshalb hohe Reinigungskosten zu berappen. Nicht nur an Böden, sondern auch in Duschen und an Türen klebe das Zeug, erläutert Jakob. Wohl vor allem aus diesem Grund will der Ägypter Hassan Moustafa, Präsident der Internationalen Handballföderation, das Harzverbot rigoros durchboxen. „Wir werden das Benutzen von Harz weltweit verbieten“, sagte er im vergangenen Sommer gegenüber der „Stuttgarter Zeitung“. Ende 2017 soll die Zeit für den Klebstoff im Handball abgelaufen sein. Harz berge gesundheitliche Gefahren, heißt es immer öfter. Einen entschiedenen Gegner hat der Ägypter in Freinsheim. Johannes Reibold ist Rückraumspieler beim Pfalzligisten HSG Eckbachtal und steht wie der überwältigende Teil seiner Kollegen sehr auf das klebrige Produkt, das während des Matchs entweder an einem Klebestreifen auf dem Schuh als Depot transportiert wird oder von der Auswechselbank aus ins Spiel gebracht wird. „Unser Sport wird spektakulärer dadurch“, sagt er. Trickwürfe, Tempo, Varianz – all das sind für ihn Argumente „pro Harz“. Weil Eckbachtal derzeit in der Pfalzliga spielt, muss der 27-jährige aber ohnehin auf das „Harzen“ verzichten. Als Tabellenführer könnte die HSG in der kommenden Saison aber wieder in der Oberliga aufschlagen. Und da – das bestätigte Präsident Jakob ebenfalls – soll Harz von allen verwendet werden. Bedenken wegen einer permanent dreckigen Halle könne er nachvollziehen, sagt Reibold. Leichter ist der Umgang mit Harz nach seiner Darstellung in Vereinen, die über eigene Hallen verfügen. Schwieriger ist es dort, wo Gemeindeverwaltungen die Regeln machen. Bisher haben deshalb in der Oberliga ungefähr die Hälfte der Clubs geharzt und die andere Hälfte eben nicht. Auf Dauer besteht die Gefahr, dass ein ungleicher Wettbewerb entsteht. Wie gestern berichtet, hat der Rat der Verbandsgemeinde Grünstadt-Land hat in seiner jüngsten Sitzung den Weg für das „Harzen“ in der Dirmsteiner Sporthalle geebnet. Allerdings muss sich die HSG künftig um die Reinigung des Hallenbodens kümmern. Die Lösung soll nach Meinung des ägyptischen Handball-Funktionärs ein neuer Ball sein, in den gerade Hunderttausende Euro investiert werden und der das Harz durch seine besser haftenden Eigenschaften überflüssig machen soll. Reibold hat bereits mit einem Modell trainiert, sieht dieses Spielgerät aber noch längst nicht als Harz-Ersatz an. „Am Anfang sehr gut, aber nach fünf Minuten ist der Effekt weg“, sagt er und hofft auf einen angekündigten Ball der Firma Molton. Reibold ist kritisch und sieht hinter der Abschaffung des Harzes und der Einführung eines neuen Balles eventuell auch finanzielle Interessen von Einzelnen. „Mein Verdacht ist, dass es da Absprachen gibt, von denen ein paar Leute profitieren“, meint er, kann aber nichts Konkreteres dazu sagen. Außer eben, dass sehr viel Geld in die Entwicklung des neuen Balles gesteckt werde ...