Frankenthal Ein wichtiger Schritt und ein paar Probleme

Günter Hoetzl, Erster Bevollmächtigter der Geschäftsstelle Ludwigshafen-Frankenthal, sieht die IG Metall in einer starken Position – auch wenn sie aktuell im Bezirk Mitglieder verliert. Die aktuelle Politik nannte Hoetzl bei der Delegiertenkonferenz der Gewerkschaft am Dienstag in Eppstein ein Trauerspiel.
Die Konferenz war aufgrund schwachen Besuchs nicht beschlussfähig, sodass die Entlastung des Vorstands und Nachwahl von Delegierten verschoben werden mussten. Zufrieden zeigte sich Hoetzl mit dem jüngsten Tarifabschluss sowie der neuen Möglichkeit des 24-Stunden-Ausstands in bundesweit ausgesuchten Betrieben. Die IG Metall habe im Bezirk Ludwigshafen-Frankenthal 193.000 Menschen mobilisiert. Dass es gelungen ist, Elemente in die Tarifeinigung einzubauen, die es Arbeitnehmern ermöglicht, teilweise selbst über ihre Arbeitszeit zu bestimmen, sah Hoetzl als wichtigen Schritt in Richtung künftige Arbeitszeitmodelle. So können Beschäftigte die Arbeitszeit einmalig für zwei Jahre auf 28 Stunden reduzieren. Aktuell hat die IG Metall im Bezirk Ludwigshafen-Frankenthal Probleme, die neuen Auszubildenden von einer Mitgliedschaft zu überzeugen: „Nur 35 Prozent der neuen Auszubildenden sind Mitglied geworden“, bedauerte Gewerkschaftssekretär Mathias Franz. Insgesamt hat die Geschäftsstelle derzeit 9900 Mitglieder – rund 115 weniger als im Februar 2017. Gewerkschaftssekretär Christian Möckel zeigte am Beispiel des Kontraktlogistikers Syncreon in Speyer, der nur Mercedes-Benz als Kunden habe, auf, dass es „harte Nüsse zu knacken“ gebe. Von rund 510 Mitarbeitern seien 192 in der Gewerkschaft und circa 220 in Leiharbeit. Hier gelte es, eine Kultur der Angst zu durchbrechen. „Solidarität ist die beste Impfung gegen Angst“, sagte Möckel. Beim Ziel der Tarifbindung glaubt Möckel bei Syncreon auf einem guten Weg zu sein. Bei Borg-Warner in Kirchheimbolanden sei die Mitgliederzahl rückläufig und die Gewerkschaftsarbeit wegen der Verteilung auf drei Werke nicht leicht, erläuterten Roland Weissmann und Melanie Palm. Ein Vortrag von Professorin Nicole Mayer-Ahuja vom Soziologischen Forschungsinstitut der Universität Göttingen widmete sich dem Thema „Das neue Normalarbeitsverhältnis“. Die Mehrheit der Deutschen würde trotz „30 Jahre neoliberaler Beschallung“ nach wie vor die unbefristete Vollzeitarbeitsstelle mit dauerhaften Perspektiven, Aufstiegsmöglichkeiten und regelmäßiger Arbeitszeit als „gute Arbeit“ empfinden. Allerdings wachse der Anteil an „atypischen Jobs“, und die unbefristete Vollzeitstelle reiche mitunter nicht mehr zum Leben aus. Am Samstag (13 Uhr) setzt die IG Metall zwei Busse am Naturfreundehaus in Speyer ein, die zur Demonstration gegen Rechts nach Kandel fahren.