Worms RHEINPFALZ Plus Artikel Die ukrainische Sängerin Tamara Lukasheva i begeistert bei „Blue Nites“

Tamara Lukasheva (mi t Bassist Calvin Lennig) im Wormser Theater.
Tamara Lukasheva (mi t Bassist Calvin Lennig) im Wormser Theater.

Mit Tamara Lukasheva präsentierte die Wormser „Blue Nite Jazzinitiative“ am Freitag eine außergewöhnliche Sängerin. Warum ihre Faulheit ein Segen ist, konnte das Publikum deutlich hören.

Dass Sängerinnen mit Scatgesang improvisieren, ist im Jazz nicht selten. Die Virtuosität, mit der Tamara Lukasheva diese Kunst beherrscht, ist aber schon etwas Besonderes. Mit Leichtigkeit zaubert sie flirrende Linien, phrasiert auch im schnellen Tempo mühelos Sechzehntel-Folgen, sie erfindet Silben und Geräusche mit überbordender Fantasie. Aber genau so leicht kann sie sich in eine gefühlvolle Ballade fallen lassen, oder wehmütige Weisen aus ihrer ukrainischen Heimat anstimmen.

Schon vor mehr als zehn Jahren hat die 1988 in Odessa geborene Künstlerin die Ukraine verlassen und sich nach Deutschland aufgemacht. Bereits in ihrer Heimatstadt hat sie Jazzgesang studiert und ihre Ausbildung dann in Köln fortgesetzt und abgeschlossen. Schon als Studentin sang sie mehrfach auf große Festivals in der Ukraine, in Deutschland gründete sie gleich jenes Quartett, mit dem sie jetzt nach Worms kam – nach mehreren Umbesetzungen im Lauf der Jahre. „Ich bin nicht leicht auszuhalten“, erklärt sie den Zuhörern mit trockenem Humor. Das sei aber nicht der Grund, warum an diesem Abend ein anderer Bassist auf der Bühne stand.

Virtuose Mitmusiker

Calvin Lennig wusste bereits, worauf er sich einlässt, er arbeitet mit Lukasheva schon länger in einem anderen Projekt und ersetzte hier den ausgefallenen Stammspieler Jakob Kühnemann. Zusammen mit Mathieu Clement am Schlagzeug entwickelte er tolle Grooves. Der aus Luxemburg stammende Clement ist erst 22 Jahre alt, aber schon ein unglaublich versierter Drummer. Bereits mit 20 hat er mit eigener Band ein beeindruckendes Debüt-Album veröffentlicht. Als Mitspieler im Quartett begeistert er mit der Tiefe, die in seinem Spiel liegt. Er breitet rhythmische Texturen aus, die wunderbar schillernd und fließend wirken. Als Solist sprüht er vor Ideen, und deren technische Raffinessen gehen ihm verblüffend selbstverständlich von der Hand. Und Keyboarder Lucas Leidinger fügt sich nahtlos in die Reihe der Virtuosen. Seine farbigen Akkorde, unterstreichen harmonisch und rhythmisch die Atmosphäre der Stücke und den Flow der Grooves. Bemerkenswert ist, dass das Haltepedal seines Keyboards ausgefallen war, wie die Sängerin den Zuhörern verriet. Geschadet hat das nichts, vielleicht hat es ihm sogar geholfen, noch klarer zu akzentuieren.

Gesunde Faulheit

„Die meisten Stücke sind von mir“, sagte die Sängerin und erklärte: „Ich bin nämlich zu faul, Stücke von anderen einzuüben.“ Für ihre Musik ist das sicher von Vorteil – so kommt nämlich ihr ganz besonderer Stil zur Geltung. Sie verbindet Elemente osteuropäischer Musik mit moderner Jazzharmonik, greift auch mal Volkslieder aus der Ukraine und benachbarten Regionen auf, auch die dort eher üblichen ungeraden Rhythmen. Auffällig sind die Arrangements, die oft mehrteilig sind, und auskomponiertes präzises Zusammenspiel wechselt mit Improvisation. Oft zeigt die Sängerin der Band an, wann es in den nächsten Abschnitt geht. Die Texte, die sie singt, sind fast alle in ukrainischer Sprache, wobei sie aber Laut- und Silbenspiele ganz selbstverständlich drumherum anlegt. All das zusammen ergibt eine faszinierende Mischung, die sich zu einem homogenen, besonderen Stil zusammenfügt. Zusammen mit den exzellenten Mitspielern präsentiert Tamara Ludasheva so eine vielfältige, atmosphärisch eindrucksvolles Musik, die mitreißt.

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