Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Die Operette „Ball im Savoy“ begeistert im Congress-Forum

Effektvoll entstaubt: Paul Abrahams „Ball im Savoy“ in der Inszenierung der Kammeroper Köln.
Effektvoll entstaubt: Paul Abrahams »Ball im Savoy« in der Inszenierung der Kammeroper Köln.

Auch wenn die Operette „Ball im Savoy“ nicht unbedingt zu den populärsten ihrer Gattung zählt, so vermochte die Tournee-Produktion der Kammeroper Köln am Freitagabend im Congress-Forum Frankenthal das Publikum doch vorzüglich zu unterhalten und zu amüsieren.

Dass sich das musikalische Bühnenwerk von Paul Abraham nach einigen dramaturgischen Durchhängern im ersten Akt noch zu einem respektablen Theatervergnügen auswuchs, hatte mehrere Gründe. Regisseur Vanni Viscusi hat die 1932 uraufgeführte Operette deutlich gestrafft und das Libretto zumindest teilweise von angestaubten Klischees befreit. So erschien der mit Intrigen, Rachegelüsten und erotischen Verwicklungen reichlich garnierte Stoff im Gewand eines zeitgemäßen Musicals.

Wesentlichen Anteil an der flotten Inszenierung hatten neben den dynamischen choreografischen Einfällen und der mitunter überzeichneten Gestik auch die Kostüme im Gatsby-Stil der 1920er Jahre sowie das Bühnenbild mit beweglichen Elementen, die stilistisch an Art-Déco erinnerten. Ein effektvolles Lichtdesign unterstrich den revuehaften Charakter.

Tolle Musik und turbulente Handlung

Was aus den Tiefen des Orchestergrabens nach oben drang, war höchst erfreulich. Auch in einer relativ kleinen Besetzung gelang es den von Esther Hilsberg-Schaarmann mit sicherer Hand geführten Kölner Sinfonikern, die vielfältigen Facetten der Musik Abrahams – angesiedelt zwischen eingängigen Walzermelodien und mitreißenden Jazzelementen – authentisch zu transportieren. Da tat es keinen Abbruch, dass der Ton – ebenso wie bei den Akteuren auf der Bühne – technisch verstärkt wurde.

Und worum geht es eigentlich in dieser leicht frivolen Liebeskomödie? Schauplatz ist Nizza. Der Marquis Aristide de Faublas und seine Frau Madeleine kommen aus den Flitterwochen heim. Den jungen Ehemann holt seine stürmische Vergangenheit in Person der argentinischen Tänzerin La Tangolita ein. Beim Ball im Savoy soll eine Begegnung mit ihr stattfinden. Für diese äußerst delikate Situation bietet der türkische Freund Mustapha Bey guten Rat und Hilfe an. Als Ex-Mann von sechs Frauen sollte es ihm nicht an Erfahrung fehlen. Als dann schließlich noch Madeleines amerikanische Freundin Daisy Parker als Alter-Ego des weltbekannten Komponisten Pasodoble auf der Bildfläche erscheint, ist die Situation kaum noch zu retten, zumal sich die auf Revanche sinnende Gattin im Séparée dem erstbesten Jüngling an den Hals wirft. Doch wie es sich für eine anständige Operette gehört, löst sich am Ende alles in Wohlgefallen auf.

Blumen auf die Bühne

Das Ensemble bot eine überzeugende Gesamtleistung und setzte sowohl in gesanglicher als auch in schauspielerischer Hinsicht Akzente. Hervorzuheben ist vor allem der vor Energie nur so strotzende Tyler Steele in der Rolle des Mustapha Bey. Bei ihm saß jede Bewegung, seine Bühnenpräsenz faszinierte. Ihm zur Seite gestellt war die zierliche Hannah Rühl, die als quirlige Daisy Parker mit Anglizismen um sich warf und mit den beschwingten Tanznummern „Am Bosporus“, „Känguru“ und „Niagara Fox“ punkten konnte. Auch die Duette „Oh, Mister Brown“, „Ich hab' mich halt verliebt in dich“ und „Es ist so schön am Abend bummeln zu geh'n“ waren bei ihnen bestens aufgehoben. Als Lebemann Aristide agierte Mario Zuber souverän, seine vermeintlich untreue Gattin Madeleine wurde von Nicola Becht glaubhaft verkörpert. Stimmlich gab sie alles, insbesondere beim wiederkehrenden Ohrwurm „Toujours l'amour“.

Die gut 250 Besucher applaudierten lang, einige warfen vor Begeisterung sogar Blumen auf die Bühne.

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