Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Die Kurve aus der Villa Klein: Wie die Gründerfamilie KSB geprägt hat

 Klaus Kühborth, Nachfahre der KSB-Gründerfamilie Klein, versteht sich als Sparringspartner des Spitzenpersonals im Konzern. Hie
Klaus Kühborth, Nachfahre der KSB-Gründerfamilie Klein, versteht sich als Sparringspartner des Spitzenpersonals im Konzern. Hier ein Blicks ins Besprechungszimmer der Villa Klein.

Wie stark der Einfluss einzelner Persönlichkeiten auf ein Unternehmen ist, dafür liefert das Verhältnis der KSB-Gründerfamilie Klein und ihrer Nachfahren zur Firma ein nahezu perfektes Beispiel. Wie und mit welchen Mitteln sie Einfluss genommen haben, das hat sich in 150 Jahren stark verändert. Geblieben ist über fünf Generationen vor allem eins: emotionale Bindung.

Wie Räume gestaltet sind, wie sie auf Besucher wirken (sollen), sagt viel über ihre Nutzer. Die Abwesenheit jeglicher moderner Konferenztechnik im Besprechungszimmer im Erdgeschoss der Villa Klein ist insofern ein Hinweis darauf, dass hier an dem langen Holztisch mit den samtbezogenen Stühlen mehr geredet, mehr diskutiert und mehr gedacht als operatives Geschäft geplant wird. Ablenken vom Wesentlichen könnte hier höchstens der Blick aus dem großen Fenster an der Stirnseite des Zimmers in den Park: eine Art botanisches Stillleben – von der perfekt getrimmten Rasenfläche über die Wasserfontäne rechts zur mit Stauden und Gehölz bepflanzten Anhöhe in der Mitte und den mächtigen Bäumen. Das Flipchart wirkt in diesem Ensemble aus Wirtschaftswunderlichkeit fast deplatziert.

Für Klaus Kühborth ist dieser überdimensionale Notizblock sein Medium: Er liebt es, Gedanken und Ideen mit schnell hingeworfenen Strichen und Schlagwörtern zu skizzieren. Ziemlich am Anfang des dreistündigen Gesprächs mit der RHEINPFALZ zieht der Nachfahre der KSB-Gründerfamilie Klein einen Bogen Papier aus seiner Mappe und zeichnet eine Kurve. Sie verläuft zunächst flach ansteigend, dann sehr steil und schließlich wieder eher gerade. Sie ist Kühborths Sinnbild dafür, wie Wirtschaft funktioniert, wie Unternehmen sich entwickeln. Auf die von einer genialen Idee getragene Anfangsphase folgt eine Zeit, in der das Geschäft förmlich explodiert, abgelöst von Kontinuität. Das sei – und darauf kommt es ihm an – beim Frankenthaler Pumpen- und Armaturenkonzern nicht anders. Kühborths Wunsch: das Kurvenmodell für das vor anderthalb Jahrhunderten gegründete Unternehmen mit einer neuen Ära der Pioniergewinne zu verlängern, mit einer steileren Linie als zuletzt.

Dass es so kommt, dafür arbeitet der Wirtschaftsingenieur – Jahrgang 1956 – nicht (mehr) im Management, hat zudem nach eigenem Bekunden nie einen Vorstandsposten angestrebt oder gar beansprucht. Kühborth sieht sich als Mitglied des Aufsichtsrats und Geschäftsführer der Johannes und Jacob Klein GmbH, über die 80 Prozent der KSB-Stammaktien kontrolliert werden, eher fürs Strategische zuständig – und insofern auch immer wieder als Sparringspartner des Spitzenpersonals im Konzern. Als derjenige, der Dinge hinterfragt. Er sei sich der Tatsache bewusst, dass er seine Gegenüber damit und mit seinem Hang zur Ausführlichkeit etwas nerve, kokettiert Kühborth mit der eigenen Rolle. Er füllt sie bevorzugt aus dem fast musealen Ambiente der Villa in der Lambsheimer Straße aus. Und am liebsten, ohne dafür allzu sehr in den Mittelpunkt öffentlichen Interesses zu geraten.

Pioniere, wie heute Bill Gates und Elon Musk

Das unterscheidet ihn von den Gründern des weltweit operierenden Konzerns: Johannes Klein, laut Kühborth ein „begnadeter Ingenieur und Marketingmann“, sei wie andere Unternehmer seiner Generation sehr überzeugt von sich und seinem Wirken gewesen. Jacob Klein, der mehr als zwei Jahrzehnte jüngere Bruder und Nachfolger an der Spitze des aufstrebenden Maschinenbauers, hätte für die Firma wohl alles getan. Das belegten zahllose Anekdoten, denen zufolge er bei Konferenzen Bedienstete des Hotels gegen Trinkgeld darum bat, ihn kurz vor Sitzungspausen lautstark ausrufen zu lassen: damit alle über seine Anwesenheit informiert waren. Klaus Kühborth nennt dieses extrovertierte Verhalten, „die Hosenträger schnalzen zu lassen“, ist aber überzeugt, dass die Klein-Brüder neben dem ökonomischen auch immer den sozialen Nutzen ihres unternehmerischen Tuns im Blick hatten. Seine Überzeugung: Unter echten Pionieren gebe es nur wenige, die das täten, was sie tun, „weil sie wirklich reich werden wollen“. Die vielleicht prominentesten Vertreter dieses Schlags Menschen seien Microsoft-Gründer Bill Gates und Tesla-Chef Elon Musk.

Jacobs Verständnis für betriebswirtschaftliche Zusammenhänge habe KSB mit Akquisitionen im In- und Ausland und seinem langfristigen Plan geprägt, die Aktienmehrheit wieder in die Hand der Familie zu bringen. Diese Basis sei es letztlich gewesen, die Jacob Kleins Adoptivsohn Otto Klein-Kühborth den entscheidenden Schritt ermöglichte, der bis heute die Besitzverhältnisse innerhalb des Konzerns mit zwei Milliarden Euro Jahresumsatz und rund 15.000 Mitarbeitern regelt: die Entkopplung des Firmenvermögens von dem der Familie über eine von der gemeinnützigen KSB-Stiftung beherrschte Holdinggesellschaft. Sein Großvater sei ein typischer Aufsteiger gewesen, sagt Klaus Kühborth – aber einer mit Sinn für Traditionsbewusstsein und für Kontinuität. Insofern sei es auch keine Frage gewesen, dass sein zu Recht für seine Verdienste respektierter Vater Wolfgang statt eines Architekturstudiums Ingenieur wurde und letztlich in vierter Generation KSB zu dem weltweit aktiven Unternehmen gemacht habe, das es heute noch sei. Für seinen Vater kennzeichnend sei die „emotionale Verbindung“ zur Firma und ihren Mitarbeitern gewesen.

Klaus Kühborth: „Der Mann im Hintergrund“

Dieses Verantwortungsgefühl für das Unternehmen und seine Beschäftigten jenseits von Vorständen und Führungskräften sei es auch, dass ihn und seine Schwester Monika, die ebenfalls Mitglied des Aufsichtsrats ist, präge. Insofern fühle er sich in diesem Gremium gut aufgehoben, wo Themen besprochen werden könnten, die nichts mit dem Tagesgeschäft zu tun hätten, wo analytisch und rational gearbeitet – dieses Verb betont Kühborth nachdrücklich – werde. Und diese Arbeit sei seinem Empfinden nach „frei von interessengeleiteten Spannungen“. Ein guter Gradmesser ist seiner Überzeugung nach das gute Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern dort. Der Mann im Hintergrund, als den sich Kühborth versteht, hat natürlich trotzdem eine Meinung zu Entscheidungen des Managements in den zurückliegenden Jahrzehnten, zieht Vergleiche zur Konkurrenz, übt Kritik, fordert Mut. An Namen macht er das im Besprechungsraum der Villa Klein, wo die meisten der Vorstände und Direktoren wohl öfter mal einem Grundsatzreferat Kühborths lauschen durften, aber nicht fest. Mit einer gewissen Ironie und Distanz spricht er kaum von einzelnen Entscheidungsträgern, sondern vom „Herrn KSB“.

Die Serie

Der Frankenthaler Pumpen- und Armaturenkonzern ist im September in das Jubiläumsjahr seines 150-jährigen Bestehens gestartet. Wer und was treibt das Traditionsunternehmen an? Welche Rolle spielt der größte industrielle Arbeitgeber in der Stadt? Unter anderem diesen Fragen geht die RHEINPFALZ-Lokalredaktion in ihrer Serie „150 Jahre KSB“ nach, die monatlich bis zu den 2022 geplanten Feierlichkeiten erscheint.

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Als Mitglied des KSB-Aufsichtsrats präge ihn, ebenso wie seine Schwester Monika, das Verantwortungsgefühl für das Unternehmen und seine Beschäftigten, sagt Klaus Kühborth.
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Begnadeter Ingenieur und Marketingmann: Johannes Klein gründete 1871 zusammen mit Friedrich Schanzlin und Jakob Becker die Firma Klein, Schanzlin & Becker.
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Jacob Klein, der 24 Jahre jüngere Bruder von Johannes Klein, studierte Maschinenbau, bevor er 1894 bei der Frankenthaler Firma einstieg.
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Als Adoptivsohn von Jacob Klein lenkte Otto Klein-Kühborth die Geschicke des Konzerns in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.
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Statt Architekt wurde Wolfgang Kühborth Ingenieur – und machte in vierter Generation KSB zu dem weltweit aktiven Unternehmen, das es heute ist.
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