Mannheim
Die Kabarettistinnen Alice Hoffmann und Bettina Koch mit ihrem Programm „In Würde albern“ im „Schatzkistl“
Als Hessin und als Saarländerin sind Bettina Koch und Alice Hoffmann „Die Ähn und das Anner“. An zwei ausverkauften Abenden im Mannheimer Schatzkistl zeigten die beiden Kabarett-Seniorinnen, jetzt am Donnerstag und Freitag wie man „In Würde albern“ kann.
Wir haben Allerheiligen, und wo das Publikum sitzt, liegen sozusagen die Toten. „Die Ähn“ alias Bettina Koch und „das Anner“, verkörpert von Alice Hoffmann, sind auf dem Friedhof. „Ich stell’ mich manchmal zu fremde„ Tote ans Grab und babbele bissche mit dene“, sagt an der Rampe die Hessin, die offensichtlich die Einsamkeit plagt. Ein bisschen zu aufgebrezelt wirkt sie für einen Friedhofsbesuch, mit auffälligem, glitzerndem Schmuck um den Hals und die Hüfte. Eitle Zierde, die Alice Hoffmann in ihrer Rolle nie anlegen würde, die zu ihrer Kittelschürze und der altmodischen Mütze auch gar nicht passten.
So ein Friedhof ist „Facebook für ältere Frauen“
So ein Friedhof ist „Facebook für ältere Frauen“, meint „die Ähn“, denn: „Die, wo hier rumlaafe, die sin nimmer verheirat“. So lässt sie ihren Blick schweifen, bis sie – „Guggen Se mol den do!“ -– ihrer Nachbarin einen feschen Friedhofsbesucher oder eben Kleinkunstfreund im Schatzkistl zeigt. Der könnte ihr wohl gefallen ...
Bettina Koch, 66, und Alice Hoffmann, 74, machen sich etwas älter als sie tatsächlich sind, wenn sie scherzend und singend mit ihrem Programm „In Würde albern“ auftreten. „In Würde altern“, lautet die Redewendung ja eigentlich, und ums Älterwerden und das Alter dreht es sich von Anfang bis Ende. Je früher man damit anfängt, umso mehr hat man davon, wissen die beiden.
Die beiden kennen sich seit dem Schauspielstudium
Bettina Koch, „die Ähn“, ist Schauspielerin, Sprecherin und Kabarettistin aus dem südhessischen Darmstadt und wird doch ähnlich oft mit dem Saarland in Verbindung gebracht wie ihre Kollegin Alice Hoffmann. Letztere, „das Anner“, wurde besonders als „das Hilde“ in der erfolgreichen TV-Comedy-Serie „Familie Heinz Becker“ sowie als Quizkandidatin in der SWR-Sendung „Meister des Alltags“ bekannt, die nach 13 Jahren im März 2025 abgesetzt wurde. Sie haben beide in Saarbrücken Schauspiel studiert und anschließend, zusammen mit ihrer Kollegin Ingrid Braun, das Kabaretttrio „S’Irene“ gegründet. Als „Die Ähn und das Anner“ traten sie ab 2014 auf SWR4 über Jahre in der wöchentlichen gleichnamigen Radio-Comedy-Serie auf, um, frei nach dem Titel eines Programms, „klugen Klatsch und dumme Sprüch“ abzulassen. Im Hörfunk gibt es die Serie leider nicht mehr, nicht einmal mehr in der ARD-Audiothek, aber live lebt sie dank der Protagonistinnen fort.
Sie sind zwar verschieden und sprechen unterschiedliche Dialekte, aber verstehen sich doch. „Was bessert die Rente auf?“ oder „Darf man sich mit 70 noch verlieben?“ lauten Fragen, die sie in „In Würde albern“ humoristisch und musikalisch verhandeln. Die anspruchsvollen Themen Alterseinsamkeit, Altersarmut oder Altenpflege finden damit vergleichsweise leichthändig den Weg auf die Bühne.
„Wir sind noch lang nicht abgeschrieben“
Den 70er-Jahre-Hit „Girls, Girls, Girls“ singen sie, versehen mit einem deutschen Text, der ihre Potenz bekräftigt: „Wir sind noch lang nicht abgeschrieben, / Können noch lieben / Wie einst im Frühling.“ Koch spielt solo das komplette Quartett aus der vorbildhaften US-Sitcom „Golden Girls“, die vier Damen zusammenbrachte, die ihre Lebensumstände im Alter witzig, ironisch und sarkastisch kommentierten und meisterten. „Sie derfe net vergesse“, belehrt sie zugleich „das Anner“, „die haben in einer tollen Alten-WG in Miami gelebt – net in Monnem!“
Als „Golden Girls“ aus Hessen und dem Saarland versuchen sich die Kabarettistinnen also, dem Alter auf ihre Weise gerecht zu werden. Es hat ja auch Vorteile. „Ab 70 kann ma in aller Ruh’ rauche“, findet „die Ähn“, ohne sich noch Gedanken über die gesundheitlichen Folgen zu machen. „Ohne Zäh’ kä Zahnweh“, weiß auch „das Anner“ Vorzüge fortgeschrittenen Alters zu benennen. Singen und tanzen tut gut, um dem körperlichen Verschleiß und einer möglichen Demenz vorzubeugen. Aber sonst gilt: „Mer müsse net mehr so viel müsse“, und das gilt es jetzt zu genießen.