Frankenthal „Die Ferres auf den Knien das Klo putzen sehen“
Mit ihren Einblicken in den Alltag einer polnischen Putzfrau landeten Justyna Polanska und Holger Schlageter 2011 einen Bestseller. Veronica Ferres hat sich früh die Rechte an dem Stoff gesichert. „Unter deutschen Betten“ kommt ab 5. Oktober in die Kinos. Auf ihrer Werbetour, die am Mittwoch in Köln startete, macht die Schauspielerin und Produzentin am 3. Oktober Station im Frankenthaler Lux-Kino. Wir sprachen mit Veronica Ferres über Klischees und Selbstzweifel.
Ja. Ich habe eine wunderbare Zugehfrau aus Niederbayern. Was könnte die so ausplaudern? Unglaublich viel. Eine Putzfrau weiß so viel über ihren Chef oder ihre Chefin, was gekocht wird, wie die Küche hinterlassen wird, was man in den privatesten Räumen tut. Deshalb putzen ja viele, bevor die Putzfrau kommt. Das mache ich auch. Es ist doch eine Sache des Respekts, abends nicht das angetrocknete Geschirr stehen zu lassen. Meine Zugehfrau war übrigens die Erste überhaupt, die den Film gesehen hat. Und wie hat sie reagiert? Sie hat sich schlappgelacht, wie selbstironisch ich mit Klischees spiele. Wir bedienen ja kräftig die Schadenfreude und den Voyeurismus. Bei „Unter deutschen Betten“ sind sie Hauptdarstellerin und Produzentin. Was hat Sie so an dem Stoff gereizt? Als ich den Roman gelesen habe, war er noch kein Bestseller. Mir war schnell klar, dass er eine Steilvorlage bietet, um eine großartige Geschichte zu erzählen über dieses Land, über die Menschen. Es ist eine Freundschaftsgeschichte mit Tiefgang und die Geschichte einer verzogenen Diva, die von ganz oben kommt und ganz unten auf der Schnauze landet. Die einzige, die ihr noch die Tür öffnet ist ihre Putzfrau, die sie früher schlecht behandelt hat. Das Buch von Holger Schlageter über die Erlebnisse von Justyna Polanska hat hierzulande damals eine Debatte über Schwarzarbeit losgetreten. Ich habe die echte Justyna kennengelernt. Sie ist mit Perücke in Talkshows gegangen, weil sie noch schwarz geputzt hat. Und zwar bei einem hohen Tier vom Finanzamt ihrer Stadt. Wie politisch ist denn Ihr Film? Ich denke, er ist erstmal großartige Unterhaltung. Aber bei allem, was es zu lachen gibt, erzählt der Film doch von ganz normalen Menschen und davon, wie jeder zu kämpfen hat. Und dass in einer Zeit, wo alles in der Welt unsicherer wird, mit Terroranschlägen und wackeligen Demokratien wie in der Türkei, Menschen den Halt in sich finden. Sie spielen eine Sängerin, deren Comeback krachend scheitert. Plötzlich nicht mehr gefragt zu sein: Ist das eine Urangst, die Sie auch kennen? Ganz sicher. Der Beruf des Schauspielers ist einer der risikoreichsten. Wir haben alle immer wieder Ängste: Wie geht es weiter? Mag das Publikum dich? Mögen die Regisseure dich? Ich kämpfe für Rollen und Projekte, die mir wichtig sind – und muss dabei mit Scheitern und Ablehnung leben. Mit einer eigenen Produktionsfirma ist das vielleicht leichter. Habe ich auch gedacht, ist aber nicht so. Es hat sechseinhalb Jahre gedauert, bis der Film jetzt auf die Leinwand kommt. Es gab immer wieder Rückschläge. Aber in dem Moment als Twentieth Century Fox als Verleih ins Boot kam, nahm das Projekt Fahrt auf. Ich weiß noch, wie ich mit dem Geschäftsführer Vincent de La Tour Schnitzel essen war. Er fragte mich, was ich sonst noch so mache. Als ich ihm von „Unter deutschen Betten“ erzählte, sah ich das Funkeln in seinen Augen. Er wollte die Ferres auf den Knien das Klo putzen sehen. In „Unter deutschen Betten“ spielt Heiner Lauterbach mit. Er ist zwölf Jahre älter als Sie. Ist es für Männer im Filmgeschäft einfacher, zu altern? Auf jeden Fall. Dazu kommt, dass, egal in welcher Branche, Frauen für die gleiche Leistung schlechter bezahlt werden. Das ist ein Unding. Zuletzt waren Sie eher im Fernsehen als auf der Leinwand zu sehen. Ist der Film das Comeback ins deutsche Kino? Absolut. Ich hoffe, wir können mit „Unter deutschen Betten“ an den Erfolg von „Superweib“ anknüpfen. Und wenn Ihnen das widerfährt, was Sängerin Linda Lehmann im Film erlebt und die Komödie beim Publikum durchfällt? Wir ackern sehr für den Erfolg. Ich war in so vielen Talkshows, ich habe einen Plattenvertrag als Linda Lehmann mit Sony, es kommt eine CD raus, ich sollte bei Florian Silbereisen live singen, ich gehe zu Eckardt von Hirschhausen, ich war bei Kai Pflaume, wir machen eine Pressetour, wir sind auf Kinotour und treten vor und nach dem Film auf ... Wenn dieser Film nicht hinhaut (kurze Pause) – dann machen wir einfach den nächsten (lacht). Man darf sich einfach nicht so ernst nehmen. Sie sagen: „Der Film hat viel mit mir zu tun.“ Was denn zum Beispiel? Ich hatte viel Einfluss auf das Drehbuch. Der Satz „Du bist fünf Kilo zu fett und 20 Jahre zu alt“, der im Film fällt – das sind Sachen, die ich selbst schon gehört habe. Alle Klischees, die es über mich gibt, sind da mit drin. Obwohl Sie seit den 90er-Jahren im Film- und Unterhaltungsgeschäft erfolgreich sind, werden Ihre Rollen und Projekte oft belächelt. In den sozialen Netzwerken gibt es oft beißenden Spott. Wie geht Sie damit um? Erstmal beschäftige ich mich nicht damit. Man darf das nicht ernst nehmen und muss seinen Weg gehen. Ich liebe meinen Beruf so sehr und bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich so leben darf. Wenn jemand Profil zeigt, eckt er an. Meistens haben die Sachen mehr mit denen zu tun, die es schreiben, als mit denen, auf die etwas projiziert wird. Aber ich bin froh, dass wir in einem Land leben, wo freie Meinungsäußerung ein hohes Gut ist. Sie leben und arbeiten ab und an auch in den USA. Erstmal drehe ich jetzt in Afrika eine Komödie für die Ufa mit Dieter Hallervorden, dann eine ARD-Komödie mit Heiner Lauterbach. In den USA haben wir nur ein halbes Jahr lang gewohnt, als unsere Tochter dort ein Gastsemester machte. Seit letztem Sommer leben wir in München. Weil ich das Glück hatte, mal in einem oscarnominierten Film (Redaktion: „Schtonk“) die Hauptrolle zu spielen, habe ich in den USA eine tolle Agentur. Die gibt mir dann Castingtermine, wenn ich dort bin. Meistens wird es nichts, manchmal klappt es. Meine Muttersprache ist Deutsch und mein Hauptarbeitsfeld ist hier. Das andere sind nette internationale Abenteuer. Frankenthal ist nun wahrlich keine Metropole. Warum kommen Sie selbst auch in solche eher kleineren Kinos mit dem neuen Film? Weil die Nachfrage der Fans so groß ist, dass der Verleih gesagt hat: Das müssen wir machen. Und ich habe Spaß dran. Termin „Unter deutschen Betten“, Vorpremiere mit Veronica Ferres im Lux-Kino Frankenthal am Dienstag, 3. Oktober, 15 Uhr. Tickets gibt es an der Kinokasse und im Internet unter www.lux-kinos.de. | Interview: Sonja Weiher