Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsches Gehörlosen-Nationalteam steht im WM-Halbfinale

Trainer Alexander Zimpelmann herzt seine Jungs nach dem Einzug ins Halbfinale.
Trainer Alexander Zimpelmann herzt seine Jungs nach dem Einzug ins Halbfinale.

Zum ersten Mal nehmen die deutschen Gehörlosen-Handballer an einer Weltmeisterschaft teil. Nach drei Siegen stehen sie am Freitag im Halbfinale. Der Medaillentraum lebt. Die Verantwortlichen des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes (DGSV) haben noch eine weitere große Hoffnung.

Es waren noch knapp 120 Sekunden zu spielen, da drehte sich Bundestrainer Alexander Zimpelmann (Freinsheim) auf der Bank in Richtung Zuschauertribüne um und streckte die rechte Faust aus. Soeben hatte Kapitän Sven Lauckner (GSV Hamburg), mit zwischenzeitlich 64 Länderspielen der Oldie im Team, nach einem Zuspiel von Felix Werling (GSC Frankenthal) zum 30:21 für die Deafboys in der letzten Vorrunden-Partie gegen die Türkei getroffen. Nach 60 Minuten siegte Deutschland 31:23 (13:9).

Das Halbfinale war da schon längst in trockenen Tüchern. Es war aber keinesfalls eine leichte Aufgabe. Die Mannschaft um Spielmacher Jörg Thomaschweski (GSV Hamburg) tat sich schwer, denn die Türken nahmen ihn in die Manndeckung. Erst nach der 25. Minute konnte sich Deutschland nach drei Zeitstrafen gegen die türkische Mannschaft, die phasenweise unsportlich auftrat, durch zwei Treffer des Lambsheimers Dominik Götz (GSC Frankenthal) sowie Siebenmetern von Sönke Petersen (GSV Hamburg) und Joshua Hild (GSC Frankenthal) noch vor dem Pausenpfiff mit 13:9 absetzen.

Uben trumpft auf

In der zweiten Hälfte war die deutsche Mannschaft nicht mehr aufzuhalten. Co-Trainer Jan Willner (Deidesheim) gab im Angriffsspiel erneut dem erst 16 Jahre alten Vincent Uben (GSC Frankenthal) die Chance, die dieser wieder eiskalt nutzte. Im rechten Rückraum fand der Gegner vom Bosporus kaum ein Mittel, um das wurfgewaltige Nachwuchstalent zu bremsen. Fanden sie mal die Lücke, dann scheiterten sie auch immer wieder an dem überragenden Torhüter Silas Schumacher, der sich mit mehr als einem Dutzend Paraden erneut als sicherer Rückhalt erwies. Eine gute Entscheidung von Torwarttrainer Sven Labitzke, der diesmal Schumacher den Vorzug vor Moritz Klein und Gero Gertenbach gab, die diesmal zu Kurzeinsätzen kamen.

Uben und Schumacher, die erstmals im deutschen Team stehen, gelten jetzt schon als die Entdeckungen der Weltmeisterschaft. Und mit dem erst 17 Jahre alten Lukas Kaut (GSC Frankenthal) auf dem linken Flügel steht die nächste Generation im deutschen Team bereit. Aber darüber macht man sich noch keine Gedanken. Es zählt die Gegenwart.

Fokussiert bleiben

„Es war wie erwartet das emotionale Spiel. Leider haben wir uns in der Anfangsphase angepasst und waren nicht so konzentriert, wie wir uns das vorgenommen hatten“, meinte Bundestrainer Zimpelmann. „Wichtig war uns, dass wir noch vor der Pause wichtige Tore erzielt haben und uns absetzen konnten“. Trotzdem sei noch Luft nach oben. „Unsere Abschlüsse müssen einfach noch besser werden. Wir konnten uns zwar von Spiel zu Spiel steigern, aber wir sollten über 60 Minuten fokussiert bleiben, das war heute nicht immer so“, meinte Felix Werling (GSC Frankenthal) mit Blick auf die hohe Fehlerquote. Der Pfälzer aus Wörth, einer der Oldies im Team, hofft, dass die Mannschaft in den Tagen bis zum Halbfinale „die Köpfe frei bekommt“ und mit frischem Schwung mit einem Sieg im Halbfinale das Endspiel erreichen wird.

Dass dies möglich ist, daran glaubt Torhüter Silas Schumacher fest. „In der Abwehr standen wir heute deutlich besser als zuletzt, wir kommen immer besser ins Spiel und wir haben eine sehr gute Stimmung im Team. Und wir haben bewiesen, dass wir sowohl Serbien als auch die Türkei, auf die wir im Halbfinale treffen werden, schlagen können“, sagte der 22-jährige. „Es wird sicherlich keine einfache Aufgabe, aber wir haben uns diese Chance erarbeitet und diese wollen wir auch nutzen“, sagte Linkshänder Joshua Hild (GSC Frankenthal). Mit sieben Toren war der Rechtsaußen der erfolgreichste Torschütze und wurde auch als „Player of the Match“ ausgezeichnet. „Ohne das Team wäre diese Auszeichnung nicht möglich gewesen. Ich bin so stolz mit diesem Team spielen zu dürfen, aber unser Weg ist noch nicht zu Ende“.

Deutsche Hoffnungen

Da war die Freude nach dem Abpfiff groß, wo die Mannschaft in den Fredriksberghallen in der dänischen Metropole sich lange bei ihren Fans für die Unterstützung bedankte. Dabei waren zahlreiche Anhänger, wie auch Tayyib Topal, der Jugendleiter des GSC und einige weitere Fans aus der Pfalz angereist. Selbst Toni Eberhardt, der für die Weltmeisterschaft nicht nominiert worden war, war aus München angereist und fieberte ebenso seinen Kameraden mit. Am Montag stand der Ruhetag an, den die Mannschaft zu einer Bootstour nutzte, ehe am Dienstag dann wieder die Vorbereitung auf das Halbfinale am Freitag ansteht.

Am Donnerstagabend will der Weltverband den Austragungsort für die WM 2026 bekanntgeben. Dabei hoffen die Verantwortlichen des DGSV und auch des örtlichen Ausrichters GSC Frankenthal auf den Zuschlag. Schon seit Beginn der Titelkämpfe in Dänemark wirbt Daniel Haffke, der umtriebige Vorsitzende des GSC, für die WM in der Vorderpfalz.

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