Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsche Gehörlosenhandballer feiern die WM-Silbermedaille

Mannschaft und Fans feiern gemeinsam.
Mannschaft und Fans feiern gemeinsam.

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Gehörlosen und Hörgeschädigten gewinnt in Kopenhagen erstmals eine WM-Medaille. Das deutsche Team mit acht Akteuren des GSC Frankenthal sichert sich den zweiten Platz.

Der WM-Titel war zum Greifen nahe, aber es reichte auch diesmal nicht. Am Ende floss auch die eine oder andere Träne. Statt der Goldmedaille gab es erneut Silber. Aber die vielen deutschen Fans in der Frederiksberghalle des FC Kopenhagen feierten lange nach dem Abpfiff das deutsche Team nach der Niederlage. Die die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Gehörlosen und Hörgeschädigten musste sich in der Neuauflage des letztjährigen Finales der Deaflympics erneut in einem packenden Duell Kroatien geschlagen geben. Mit 28:22 (14:12) unterlag die Mannschaft von Bundestrainer Alexander Zimpelmann (Freinsheim) dem Team vom Balkan.

Gegenüber dem Halbfinale, wo die Jungs in einer nervenaufreibenden Partie die Türkei mit 29:27 (14:9) bezwangen, zeigten sie im WM-Endspiel ein ganz anderes Gesicht. Auch deshalb, weil das Trainer-Trio Zimpelmann, Jan Willner (Deidesheim), Sven Labitzke (Mutterstadt) von Beginn auf hohes Risiko setzte und als einzige Mannschaft des WM-Turniers eine Sieben-gegen-Sechs-Angriffsreihe wagte. Dazu versuchten sie von der ersten Minute an den kroatischen Profi Tomislav Boznjak (RK Porec) aus dem Spiel zu nehmen. Die Taktik schien auch ansatzweise zu fruchten. Deutschland führte 2:0 und Kroatien nahm direkt eine Auszeit.

Körperlich robuster

Dann gerieten die Deafboys gegen den hochfavorisierten und körperlich robusten Gegner in Rückstand, blieb aber auf Tuchfühlung. Bereits in der 19. Minute hatte die Mannschaft wieder die Chance zum 10:10-Ausgleich, verlor aber den Ball, während der Gegner zum 11:9 erhöhte. Daran änderte sich auch nicht viel in der zweiten Hälfte, Deutschland blieb dran, so traf Dominik Götz (GSC Frankenthal) zum 13:15 vom linken Flügel. Da lag auch der Ausgleich in der Luft, aber Götz und Felix Werling (GSC Frankenthal) am Kreis scheiterten an dem überragenden gegnerischen Keeper Bruno Varsic, während dessen Vorderleute eine 19:13 (40.) herauswarfen. Das deutsche Team zeigte diesmal viel Biss und Leidenschaft, kämpfte bis zur Schlusssekunde um jeden Ball und kam nochmals zum 20:23 durch Götz (53.) und 24:21 durch Jörg Tomaschewski (56. GSV Hamburg) heran.

Eine Glanznummer lieferte Silas Schumacher (GSC Frankenthal) im Tor der Deafboys, der nicht nur ein Dutzend Paraden entschärfte, sondern auch drei Siebenmeter der Kroaten parierte. Es reichte beim Abschied von Kapitän Sven Lauckner (GSV Hamburg), der nach 24 Jahren und 69 Länderspielen seine letzte Partie bestritt, aber nicht mehr. Auch deshalb, weil die deutsche Mannschaft den kroatischen Kapitän Oliver Lusic in der entscheidenden Phase nicht in den Griff bekam. Dagegen hatte Tomislav Boznjak frühzeitig nach der dritten Zeitstrafe Rot gesehen. „Wir mussten dieses Risiko heute gehen, um eine Chance zu haben. Es war die individuelle Klasse der Kroaten, die den Unterschied ausgemacht hat, aber wir haben uns heute auch zum Teil selbst geschlagen“, meinte Co-Trainer Jan Willner. „Die Stimmung heute hat uns gutgetan, es hat echt Spaß gemacht, vor solch einem Publikum zu spielen. Ich glaube, wir können zufrieden, wir haben heute alle das Beste gegeben. Ich bin aber sicher, mit der Mannschaft ist noch mehr möglich“, meinte Schumacher.

Ehrenpreis für Tomaschewski

Auch Norbert Hensen (Köln), der Sportdirektor des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes (DGSV) lobte den beherzten Auftritt der Deafboys. „Das war von uns allen erwartete spannende Finale. Mit einer besseren Chancenauswertung und mehr Cleverness wäre heute etwas möglich gewesen. Es war das beste Spiel seit der EM 2016 in Berlin“. In Joshua Hild (GSC Frankenthal) und Jörg Tomaschewski (GSV Hamburg) wurden auch zwei deutsche Akteure ins All Star Team der WM berufen. Spielmacher Tomaschewski wurde sogar als wertvollster Spieler (MVP) mit einem Ehrenpreis ausgezeichnet.

Da hatte sich die Enttäuschung über die verpasste Goldmedaille auch schon wieder gelegt und das deutsche Team genoss den lange anhaltenden Applaus seiner Anhänger und freute sich mit den Silbermedaillen um den Hals. Der letzte Abend in Kopenhagen endete erst weit nach Mitternacht.

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