Fussball
Der SC Bobenheim-Roxheim befindet sich Mitte der 90er-Jahre auf einem sportlichen Höhenflug
BOBENHEIM-ROXHEIM. Beginnen wir mit dem Positiven: Die SG Bobenheim war ein Dauerbrenner in der Bezirksliga und zählte in den 1980er-Jahren zu den besseren Teams. Zum Aufstieg reichte es aber nie. Ausgerechnet in der Saison 1988/89, die für den Einzug in die gerade gegründete Landesliga Ost maßgeblich war, verpassten die Bobenheimer den Sprung in die neue Klasse. Sechs Punkte fehlten am Ende. Zur Serie 1994/95 übernahm ein neuer Verein den Platz der SG: der SC Bobenheim-Roxheim. „Es war eine Fusion zwischen der SG sowie den Klubs SV 14 Roxheim und der DJK 27 Roxheim“, erklärt der langjährige Spielleiter Peter Bussek.
Der gebürtige Oberschlesier, der erst mit 16 Jahren nach Deutschland kam, ist ein agiler Typ, ein Hans Dampf in allen Gassen. „Ich sprach bei meiner Ankunft in Deutschland nur polnisch, wollte möglichst schnell die deutsche Sprache lernen und habe mich Sportvereinen angeschlossen“, erzählt Bussek. Das Erlernen der Sprache ist ihm bestens gelungen. Wer mit Bussek redet, hat kaum eine Chance, etwas zum Gespräch beizutragen. Die Worte sprudeln geradezu aus dem Mund des 60-Jährigen.
Der Ruf des Bezirksligisten
Nach seiner ersten Station beim FSV Oggersheim landete Bussek beim SV Studernheim. In dem Vorort Frankenthals lernte er nicht nur seine Frau kennen, sondern machte beim SV auch als Spielleiter von sich reden. Das blieb den Bobenheimern nicht verborgen. Und so folgte Bussek dem Ruf des Bezirksligisten. Als Dauer-Spielleiter und langjähriges Vorstandsmitglied gelang ihm mit der Verpflichtung von Spielertrainer Karl-Heinz Bickert ein Coup. „Kalle hat die Mannschaft begeistert und konnte gut motivieren“, sagt Bussek.
In der Spielzeit 1995/96 gelang mit dem neuen SC Bobenheim-Roxheim endlich der Aufstieg. „Wir hatten eine riesige Mannschaft. Dennoch hatte keiner mit einem solchen Erfolg gerechnet“, erklärt Oliver Etzel. Der heute 52-Jährige war ein exzellenter offensiver Mittelfeldspieler. Technisch brillant und mit dem Blick für die Mitspieler, bereitete Etzel unzählige Treffer vor und wurde auch selbst torgefährlich. Ein Typ wie Thomas Häßler. Etzel kam aus Altrip und steht dem SC noch immer nahe. „Hier habe ich meine Frau, eine Handballspielerin, kennengelernt, habe mit Jürgen Seif vier Jahre lang eine Jugendmannschaft trainiert, war Spielleiter und bin heute noch bei den Altsenioren aktiv“, berichtet Etzel. Der frühere Verbandsligaspieler, der in Lambsheim aufgewachsen ist, schwärmt von dem Team, das Bezirksliga-Zweiter wurde: „Wir hatten eine super Kameradschaft, waren spielerisch gut und legten immer den Vorwärtsgang ein. In dieser Runde hat alles gepasst.“
Bester Sturm der Liga
Der SC hatte mit 72 Toren den besten Sturm der Liga und wurde hinter Bavaria Wörth Vizemeister. „Teams wie Fußgönheim und Mechtersheim haben wir hinter uns gelassen“, erinnert sich Ibrahim Kurt, der mit 19 Treffern Torschützenkönig wurde. Ibbe – so sein Spitzname – habe Freistöße fast mit Ansage verwandelt, ergänzt Bussek. „Unser Plus war, dass wir als Einheit aufgetreten sind, das gesamte Gebilde war sehr familiär.“ Im Aufstiegsjahr sei eine regelrechte Euphorie entstanden. „Die Mischung zwischen Mannschaftsspielern und starken Individualisten hat gestimmt“, blickt der 50-jährige Kurt zurück. Der Verbands- und Oberligaspieler weiß auch noch, „dass Oliver Etzel ein großartiger Doppelpass-Partner war“. Der fünffache Vater Kurt, ein gebürtiger Türke, hat die deutsche Staatsangehörigkeit, ist gläubig und zum Christentum konvertiert.
Der Vizemeister traf in den Aufstiegsspielen auf Alemannia Waldalgesheim und musste zuerst auswärts antreten. „Die Alemannia war drückend überlegen, doch Rudi Christ hat das Tor zu unserem 1:0-Sieg geschossen“, beschreibt Kurt den Verlauf der ersten Partie. „Auf der Rückfahrt im Bus haben wir gefeiert und sind danach auf das Bürgerfest in Bobenheim-Roxheim gegangen. Wir waren uns sicher, dass nicht mehr viel passieren kann“, erläutert Etzel. Ihm gelang im Rückspiel vor 800 Zuschauern ein Tor, das der Schiedsrichter nicht anerkannte. Kurz vor dem Ende erzielte Waldalgesheim den Führungstreffer. Der SC warf alles nach vorne und musste in der Nachspielzeit noch das 0:2 einstecken.
Somit war ein drittes Spiel erforderlich. In Gimbsheim unterstützten 300 Anhänger ihr Team. 0:0 hieß es nach 120 Minuten. Es kam zum Elfmeterschießen, das Bobenheim-Roxheim 4:3 gewann. Der Jubel kannte keine Grenzen, der Club zog erstmals in die Landesliga ein – der größte sportliche Erfolg in der Vereinsgeschichte. „Wir waren alle unglaublich stolz“, verdeutlicht Etzel. Ein Erfolg, der unvergessen ist.
Leistungsträger gehen
Die Voraussetzungen für die Landesliga waren jedoch nicht gut. Einige Leistungsträger verließen den SC, darunter Spielertrainer Bickert, Spielmacher Etzel und der starke Torwart Andreas Scupin. „Ich war zu dieser Zeit von Montag bis Donnerstag aus beruflichen Gründen in Augsburg. Da konnte ich nicht regelmäßig trainieren, was in der Landesliga nicht geht“, räumt Etzel ein. Günther Golfier, der zuvor in Bobenheim schon einmal Trainer war, wurde zurückgeholt. „Zehn Jahre lang war ich dort. Es war eine schöne Zeit, Peter Bussek hat sich an mich erinnert“, blickt der erfolgreiche Coach zurück.
Der inzwischen 77-Jährige erwischte mit seinem Team einen tollen Start und gewann zum Auftakt 2:1 beim hoch gehandelten SV Horchheim. „Ich habe beide Treffer erzielt“, berichtet Kurt. Auch Coach Golfier hat noch Erinnerungen an diese Partie: „Wir haben stark gespielt und Horchheim die Kerwe versaut. SV-Trainer Hans Mack war stinksauer.“ Doch schneller als erwartet war Bobenheim-Roxheim wieder auf dem Boden der Tatsachen. Fünf Niederlagen in Folge ließen das Team in den Tabellenkeller abrutschen.
Klassenerhalt gelingt nicht
„Die Saison war geprägt von großem Verletzungspech, zudem haben wir oft knapp verloren“, betreibt Kurt Ursachenforschung. Es gab jedoch immer wieder Lichtblicke, wie die Heimsiege gegen den Ludwigshafener SC und Gonsenheim, das 0:0 bei den aufgestiegenen Amateuren von Mainz 05 oder das 3:3 beim TuS Neuhausen, bei dem Kurt alle drei Treffer des SC erzielte. „Damals bin ich auf Stefan Steinmetz getroffen, mit dem ich jetzt in der Ü40 in Leiselheim spiele. Wir sprechen immer mal wieder über die Partie, auch wenn es ihm nicht gefällt“, verrät Kurt und lacht. Der offensive Mittelfeldspieler mit dem Torriecher erzielte 15 der nur 38 Saisontreffer.
Letztlich reichte es nicht zum Klassenerhalt. Als Drittletzter stieg Bobenheim-Roxheim ab. Vier Punkte betrug die Differenz auf die TSG Eisenberg, die in der Landesliga blieb. „Die Qualität war ausreichend, aber es hat innerhalb der Mannschaft nicht optimal funktioniert. Ich hatte das Gefühl, das Team steht nicht geschlossen hinter mir“, sagt Golfier. Er spricht von „teils hausgemachten Problemen“ und räumt ein, dass er vielleicht mehr auf die Jungen wie Christoph Hällmeyer, Patric Battschinger oder Norman Becke hätte setzen müssen. „Im Umfeld hat es rumort, das war ernüchternd.“
Trotzdem sei es für den Verein eine tolle Sache gewesen, in der Landesliga zu spielen, „auch wenn es nur ein Jahr war“, betont Golfier. Er hatte an seinem ersten Abstieg zu knabbern: „Das nagt an mir, auch heute noch.“ Und es kam noch schlimmer: In der folgenden Bezirksligarunde stieg der SC erneut ab und wurde in die A-Klasse durchgereicht. Der Höhenflug war jäh beendet. Und von der Landesliga ist der SC Bobenheim-Roxheim heute ein ganzes Stück entfernt.