Frankenthal Der Himmel als Hochhaus

Abgehoben ist bei diesem Teil der RHEINPFALZ-Sommertour wirklich niemand. Das wäre am Dienstagnachmittag auch gar nicht gegangen. „Zu windig“, erklärt David Strasmann. Gemeinsam mit Dolores Deimling hat er 14 RHEINPFALZ-Leser einen Einblick in die Welt des Ballonfahrens gegeben. Wer etwas früher da war, durfte noch beim Aufbau mit Hand anlegen. Denn so ein Korb, der unter einem Ballon hängt, ist aufgrund seiner Größe nicht nur etwas klobig, er wiegt auch ein bisschen was. Aber da ließen sich die RHEINPFALZ-Leser nicht lumpen und packten gerne mit an. Solch eine Gelegenheit bekommt man schließlich nicht alle Tage. Und damit war auch quasi schon der Einstieg geschafft. Denn Dolores Deimling und David Strasmann nahmen die Teilnehmer erzählerisch mit auf eine Ballonfahrt. Und da gehört das Aufbauen natürlich auch dazu. „Normalerweise sind wir nicht zu übersehen“, meint Dolores Deimling. 25 Meter hoch sei ein Ballon und überrage damit so manches Einfamilienhaus. Los geht’s in der Regel von Flugplätzen aus. Dannstadt-Schauernheim, Speyer und Worms führt David Strasmann an. „Worms ist vom Wind her praktisch“, erklärt er. Der wehe da nämlich häufig aus Nordost. Womit auch schon geklärt war, wie so ein Ballon angetrieben wird. Einen Motor und ein Ruder sucht man nämlich vergebens. Aber eigentlich könnten Ballonfahrer überall dort starten, wo es der Grundstückseigentümer erlaube. 50 bis 80 Fahrten mache er im Jahr, berichtet Strasmann. Gästefahrten, aber auch an Wettfahrten nehmen die beiden teil. Und das erfolgreich. Die Wettkämpfe haben die beiden schon um die ganze Welt geführt – Brasilien, Japan, Dubai. Die Ballonfahrer machen sich die Thermik zunutze. „Stellen Sie sich den Himmel als Hochhaus vor. Und in jeder Etage zieht’s unterschiedlich“, erklärt Strasmann. Vor allem beim Wettkampf wird da ganz genau hingeschaut. Sportballone, wie sie bei Wettfahrten benutzt werden, seien etwas schmaler als Ballone für Gästefahrten und damit windschnittiger, sagt David Strasmann. „Je größer der Ballon, desto größer ist dessen Tragkraft.“ Das erklärt auch, warum der Korb, der an Strasmanns Ballon bei Wettfahrten hängt, etwas kleiner ist. „In den Korb passen zwei Dünne rein“, sagt er und grinst. Klar, dass da bei den Lesern die Neugier geweckt war. Zum Beispiel kommt die Frage auf, wie niedrig so ein Ballon überhaupt fahren darf. „150 Meter über Grund bei freien Flächen, über kleineren Städten wie Frankenthal 300 Meter, über Großstädten 600“, erklärt David Strasmann. Start und Landung sind davon natürlich ausgenommen. Um in die Höhe zu steigen, brauche man gar nicht viel, erläutert Dolores Deimling und holt eine der Gasflaschen her, die normalerweise an ihrem Ballon dafür sorgen, dass heiße Luft in die Hülle kommt. Welche Hitze dabei abgestrahlt wird, merken die Teilnehmer, als David Strasmann den Brenner seines Sportballons anwirft. Selbst mit einigen Metern Abstand wird’s noch kuschelig warm. Ballonfahren ist ein Sport, den man das ganze Jahr über betreiben kann, sagen Deimling und Strasmann. Heißt: Auch im Winter gehen die beiden in die Luft. David Strasmanns Lieblingsjahreszeit ist aber der Herbst. Speziell hier in der Pfalz, wenn sich die Blätter der Bäume verfärben. Zu heiß darf es nicht sein für eine Fahrt. „Bei 37 Grad Außentemperatur bräuchte man zu viel Gas“, erklärt Dolores Deimling. Bei mancher Frage kam auch die praktische Ader bei den Lesern durch. „Ist schon mal was runtergefallen?“, will einer wissen. „Ja“, gesteht David Strasmann. Diverse IPads seien schon verlustig gegangen. „Aber noch keine Gäste“, meint Dolores Deimling und lacht. Zum Schluss, quasi nach der Landung der erzählerischen Ballonfahrt, holt Dolores Deimling noch einen Ballon hervor. Da können die Leser noch auf Tuchfühlung mit dem Gerät gehen. Erstaunlich, wie klein 1200 Quadratmeter Stoff sein können. Verabschiedet werden die Teilnehmer nach guter alter Ballonfahrer-Tradition mit einem Gläschen Sekt oder Wasser. Und dem Ballonfahrer-Spruch „Glück ab, gut Land“!