Frankenthal Der Älteste ist 85
Vor 75 Jahren wurden 39 jüdische Frankenthaler von den Nationalsozialisten in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. Wir erinnern an dieses Ereignis und stellen die Betroffenen in Kurzbiografien vor.
, geboren am 14. November 1877 in Heßheim, heiratete am 14. Juni 1904 Johanna Loeb. Im April 1910 verlegte er sein Landesprodukten-, Mehl- und Futtermittel-Geschäft von Heßheim nach Frankenthal, Kanalstraße 2, wo die Familie auch wohnte. Am 10. November 1938 wurde das Anwesen von NS-Schergen heimgesucht, die alles zertrümmerten und auf die Straße warfen. Edmund Kahn wurde an diesem Tag verhaftet, kam ins Landgerichtsgefängnis und dann bis zum 28. November 1938 ins KZ Dachau. Zuletzt wohnte er bei seiner Schwester in der Speyerer Straße 48. Anfang Dezember 1941 kam er ins Lager Noé, wo er am 22. Juni 1943 starb. Henriette, auch Hermine, Kahn, geboren am 6. Februar 1869 in Heßheim, war ledig, von Beruf Modistin und eine Schwester von Edmund Kahn. Sie wohnte zuletzt in der Speyerer Straße 48. Ihr Leben endete am 10. Dezember 1940 in Gurs (Grab Nr. 354). Johanna, genannt Jenny, Kahn geb. Loeb, kam am 26. April 1878 in Fußgönheim zur Welt. Sie war die Ehefrau von Edmund Kahn. Sie wohnte zuletzt in der Speyerer Straße 48. Am 28. Oktober 1941 ging ihr Leben im Lager Gurs zu Ende (Grab Nr. 864). Emil Kaufmann II., geboren am 21. September 1858 in Frankenthal, Mehlhändler: Er heiratete hier am 30. März 1893 Sophie Levies. Die Familie wohnte in der Westlichen Ringstraße 24, zuletzt jedoch in der Otto-Planetta-Straße 48 (heute: Elisabethstraße). Emil Kaufmann II. wurde 1912 in den Synagogen-Ausschuss der Israelitischen Kultusgemeinde Frankenthal gewählt und 1914 dessen Erster Vorsitzender, was er bis Ende des Jahres 1924 blieb. Sein Leben ging am 31. Oktober 1940 in Gurs zu Ende (Grab Nr. 48). Sophie Kaufmann geb. Levies, geboren am 18. März 1867 in Erbes-Büdesheim. Sie war die Ehefrau von Emil Kaufmann II. und wohnte zuletzt in der Otto-Planetta-Straße 48. Sie starb am 28. Oktober 1940 in Gurs (Grab Nr. 34). Sara Lang geb. Hahn, geboren am 24. März 1867 in Berwangen (Kraichgau) (heute ein Ortsteil der Gemeinde Kirchardt), war die Witwe des Kaufmanns Adolf Lang. Ihn hatte sie am 30. Oktober 1889 in Heidelberg geheiratet; er war am 29. Januar 1924 in Frankenthal verstorben. Sie wohnte zuletzt in der Sedanstraße 1 (heute: Schnurgasse). Sie schloss am 27. November 1940 in Gurs für immer die Augen (Grab Nr. 235). Flora Lurch geb. Dosenheimer, geboren am 2. Juni 1864 in Ungstein (heute ein Stadtteil von Bad Dürkheim): Sie hatte am 27. August 1884 in Ungstein Heinrich Lurch geheiratet und war nach Frankenthal in die Wilhelmstraße 3 (heute: Heinrich-Heine-Straße) gezogen. Aufgrund des Einsatzes ihres Enkels Dr. Paul Rehfeld, der die französische Staatsangehörigkeit angenommen hatte und praktischer Arzt war, kam sie am 20. März 1941 nach Pau in ein Altersheim. Sie starb am 27. Dezember 1946 in Grésy-sur-Aix/Frankreich. Heinrich Lurch, geboren am 18. Oktober 1855 in Edigheim, heute ein Stadtteil von Ludwigshafen am Rhein, Mehlhändler und Ehemann von Flora geb. Dosenheimer. Sein Mehl-Magazin befand sich an der Ecke Eisenbahn- und Gutenbergstraße, während er in der Wilhelmstraße 3 wohnte. Für 15-jährigen Feuerwehrdienst wurde er 1897 geehrt. Einen Großteil ihres Vermögens stellten die Eheleute Heinrich und Flora Lurch geb. Dosenheimer im Ersten Weltkrieg, in dem ihr jüngster Sohn Richard fiel, dem Deutschen Reich als Kriegsanleihe zur Verfügung. Lurch war mit 85 Jahren der Älteste aus Frankenthal, der nach Gurs deportiert wurde, wo er am 22. November 1940 starb (Grab Nr. 178). Marie Luise Lurch, geboren am 11. November 1894 in Frankenthal, war ledig und wohnte bei ihren Eltern in der Wilhelmstraße 3. Sie war schon über 30 Jahre alt, als sie sich entschloss, das Studium aufzunehmen, um Kindergärtnerin zu werden. Sie betrieb einen privaten Kindergarten. Dessen Inventar bekam nach ihrer Deportation der Städtische Kindergarten in der Pilgerstraße. Aufgrund des Einsatzes ihres Neffen Dr. Paul Rehfeld wurde sie am 31. März 1941 entlassen, kam im September 1942 wieder nach Gurs und wurde am 29. Juni 1943 erneut entlassen. Ihr Leben ging am 20. Februar 1975 in Grésy-sur-Aix/Frankreich zu Ende.