Frankenthal „Das wussten doch ganz viele“

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Gereizt hat es die Brüder Werner und Hans Hartenstein schon, etwas dazu zu sagen, auch wenn sie meinen, dass man das Thema jetzt doch lieber ruhen lassen sollte. Gewundert, vielleicht auch geschmunzelt, haben sich der 80-Jährige Werner Hartenstein und sein 70-jähriger Bruder schon über den RHEINPFALZ-Artikel, der mit „Reizende Resterampe“ (19. April) überschrieben war. Die Rede ist von den Kalkschlämmen, die von einer Streife der Wasserschutzpolizei 2003 im Rhein nördlich der Autobahnbrücke entdeckt wurden und jetzt, 14 Jahre später, wieder bei einer Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses im März öffentlich geworden sind. Die Brüder Hartenstein waren in ihrer Kindheit oft am Rhein und wissen genau, was da passiert ist. Ihr Großvater war Dammmeister und hatte sein Haus genau an der Mündung des Frankenthaler Kanals, gegenüber des Gasthauses Öffler. Es sei ihr Revier gewesen am Rhein. Auf dem Kanal seien sie noch Boot gefahren, berichten die Männer. Absetzbecken für Kalk seien im Bereich der heutigen Kläranlage gewesen. Die Kalkschlämme seien aus einer Karbidfabrik in der BASF in Absetzbecken im heutigen Bereich der Kläranlage gepumpt worden. Werner Hartenstein, der wie sein Bruder mehr als 40 Jahre in der BASF beschäftigt war, ist der Auffassung, dass der Kalkschlamm nur gering giftig ist. Das habe die BASF, die sich ähnlich äußerte, schon richtig erklärt. Deshalb meinen die Brüder: am besten alles ruhen lassen. Worüber die Brüder sich aber richtig wundern, ist die Tatsache, dass die Kalkablagerungen, die 2003 von einer Streife der Wasserschutzpolizei entdeckt worden sind, für viele Entscheidungsträger etwas ganz Neues sein sollen. Das sei Unsinn. Augenwischerei, sagen die Brüder unisono. „Das wussten doch ganz viele“, meint Werner Hartenstein. Nach dem Krieg seien doch viele Frankenthaler zum Kalkstechen an den Rhein gefahren. Sie hätten dann mit diesem Material ihre Häuser verputzt. Und der Kalkschlamm liege nicht nur im Rhein. Nördlich der Autobahnbrücke sei er auch unter den dort bewirtschafteten Feldern zu finden, sind sich die Brüder sicher. Da sei damals nur Grund aufgefüllt worden. Wenn die Bauern umpflügen, könne der Kalkschlamm manches Mal nach oben kommen und gesehen werden.

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