Frankenthal „Das weitere Schicksal ist unbekannt“
Vor 75 Jahren wurden 39 jüdische Frankenthaler von den Nationalsozialisten in das südfranzösische Lager Gurs deportiert. Wir erinnern an dieses Ereignis und stellen die Betroffenen in Kurzbiografien vor. Zum Abschluss geht es um zehn Patienten der Kreis-Kranken-, Heil- und Pflegeanstalt Frankenthal, die ebenfalls verschleppt wurden.
, geboren am 3. August 1876 in Wetzlar, ledig: Sie war die Tochter der Rosalia Adler, die am 30. Juli 1849 in Neuleiningen zur Welt gekommen war. Der Vater ist unbekannt, ebenso, warum sich die Mutter in Wetzlar aufhielt, denn sie war wohnhaft gemeldet im pfälzischen Grünstadt. Clementine Adler zog am 2. Oktober 1932 in Frankenthal zu und befand sich zuletzt in der Heil- und Pflegeanstalt Frankenthal. Sie starb am 25. November 1940 in Gurs (Grab Nr. 209). Paul Theodor Fischer, geboren am 12. April 1911 in Frankenthal, ledig, wohnte zuerst bei seinen Eltern Eugen und Mina Fischer geb. Kahn und, nach dem Tode der Mutter am 30. September 1913 in Frankenthal, seiner Stiefmutter Elisabeth geb. Meyer. Zuletzt war er in der Kreis-Kranken-, Heil- und Pflegeanstalt und wurde am 22. Oktober 1940 nach Gurs deportiert. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Veronika Fränkel, geboren am 23. November 1856 in Roxheim, heute Bobenheim-Roxheim, ledig: Sie wohnte bei ihren Eltern Daniel und Babette Fränkel geb. Hirsch. Zuletzt war sie in der Heil- und Pflegeanstalt Frankenthal untergebracht. Ihr Leben ging am 14. Januar 1943 in Gurs zu Ende (Grab Nr. 1052). Jakob Wilhelm – genannt Wilhelm – Grünewald, geboren am 20. Dezember 1905 in Edesheim, ledig und von Beruf Stuhlflechter: Am 29. Oktober 1923 kam er in die Kreis-Kranken-, Heil- und Pflegeanstalt und von dort 1940 nach Gurs. Am 14. Januar 1942 kam er in das ein Hospital in Limoux; am 10. Mai 1957 wurde er in die Pfalzklinik Landeck verlegt. Er starb am 22. April 1958 in Klingenmünster und wurde dort auf dem Klinik-friedhof beigesetzt (Grab-Nr. 4249). Karoline (auch Caroline) Koch geb. Moses, geboren am 13. August 1861 in Glan-Münchweiler, ohne Beruf. Sie hatte am 22. März 1893 in Glan-Münchweiler Sigmund Koch geheiratet, der am 2. Dezember 1843 in Offenbach am Main auf die Welt gekommen und am 9. März 1904 in Kaiserslautern verstorben war. Sie kam am 27. Dezember 1938 von Frankfurt am Main in die Frankenthaler Heil- und Pflegeanstalt. Am 22. Oktober 1940 wurde sie nach Gurs deportiert. Das weitere Schicksal ist unbekannt. Emma Löb, geboren am 15. Juni 1879 in Friedelsheim, ledig und ohne Beruf. 1937 wurde sie in der Kreis-Kranken-, Heil- und Pflegeanstalt untergebracht. Sie kam von Gurs in die Klinik Lannemezan, Haute-Pyrénées, wo ihr Leben am 8. Mai 1944 endete. Maximilian (auch Max) Michel, geboren am 11. März 1868 in Hertlingshausen (heute ein Ortsteil von Carlsberg), ledig. Zuletzt war er als Patient in der Frankenthaler Heil- und Pflegeanstalt untergebracht. Er wurde am 29. Oktober 1940 von Gurs in die Klinik Lannemezan, Haute-Pyrénées, verlegt, wo sein Leben am 5. April 1941 zu Ende ging. Fanny Rajgrodsky (auch Reigrozsky), geboren am 19. Februar 1912 in Ulanow/Polen. Sie war ledig und wohnte in Ludwigshafen. 1934 wurde sie erstmals in die Heil- und Pflegeanstalt Frankenthal eingewiesen. Sie kehrte kurze Zeit zu ihren Eltern David und Chaja, genannt Helene, Rajgrodsky, geborene Faß, nach Ludwigshafen zurück. 1936 erfolgte die zweite Einweisung. Am 22. Oktober wurde sie nach Gurs verschleppt. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Maximilian (auch Max) Schönfelder, geboren am 7. April 1887 in Rülzheim, ledig: Er wohnte bei seinen Eltern Heinrich und Johanna Schönfelder geb. Würzburger in Rülzheim, bevor er am 16. März 1939 nach Frankenthal verzog. Das geht aus der Broschüre „Zum Gedenken und zur Erinnerung“ der Gemeinde Rülzheim hervor, die anlässlich des Besuchs ehemaliger jüdischer Mitbürger erstellt wurde. Schönfelder befand sich 1940 in der Kreis-Kranken-, Heil- und Pflegeanstalt Frankenthal. Er soll am 25. März 1942 in Gurs verstorben sein. Ein Grab von ihm ist aber in Gurs nicht zu finden. Ida Straaß geb. Trautmann, geboren am 6. Dezember 1865 in Bad Bergzabern, heiratete am 30. Juni 1892 in Bad Bergzabern Benjamin Straaß. Er war am 20. Februar 1867 in Lohnsfeld zur Welt gekommen und von Beruf Handelsmann und Makler. Am 6. Oktober 1893 kam in Bad Bergzabern der Sohn Simon Lazarus zur Welt, doch die Ehe wurde bereits durch Urteil des Landgerichts Landau vom 20. November 1895 geschieden. Zuletzt war Ida Straaß in der Heil- und Pflegeanstalt Frankenthal untergebracht. Ihr Leben endete am 10. Februar 1941 in Gurs (Grab Nr. 650).