Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Das mühsame Geschäft mit dem Autohandel

So üppig wie in der Vergangenheit ist die Auswahl an Neuwagen derzeit nicht.
So üppig wie in der Vergangenheit ist die Auswahl an Neuwagen derzeit nicht.

Statistisch werden aktuell zwar mehr Autos zugelassen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Doch der Eindruck einer entspannten Lage am Markt täuscht. Wer heute einen Wagen bestellt, kann nicht erwarten, zum Jahresende losfahren zu können. Wie Autohäuser in der Region den Mangel verwalten.

„Das Neuwagengeschäft ist tot“, drückt es Volker Weismann, Obermeister der Innung des Kfz-Gewerbes Vorderpfalz, drastisch aus. In seinem Autohaus in der Heßheimer Straße führt der Frankenthaler die Marken Opel und Ford . Weismann stellt eine Gegenfrage: „Würden Sie derzeit ein Auto bestellen, wenn Sie nicht wüssten, wann es ausgeliefert wird und was es dann kostet?“ Da mache es keinen Unterschied, ob es sich um einen Kleinwagen oder etwas größere Modelle handle, ob die Autos Benzin-, Diesel oder Elektroantrieb hätten. Was er verkaufen könne, das seien Lagerbestände. Doch Lagerbestände habe er derzeit nicht.

Die höheren Zahlen bei den Neuzulassungen erklärt Weismann damit, dass jetzt Autos produziert und ausgeliefert werden würden, die vor längerer Zeit bestellt worden seien. Die Konzerne produzierten aktuell ausschließlich bereits bestellte Autos. Auch in der Vergangenheit habe er zu 80 Prozent Neuwagen verkauft, die auf dem Hof standen. Die restlichen 20 Prozent entfielen auf Bestellungen.

Bessere Chancen für Gewerbetreibende

Im Januar sinke die Förderung durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) für Elektroautos. Wer jetzt sein Auto bestelle, der bekomme es sicher nicht bis zum Jahreswechsel. Eine Ausnahme bildeten Gewerbetreibende, die das Auto geschäftlich nutzten. Da gebe es noch Aufträge.

Das Gebrauchtwagengeschäft läuft bei Weismann auf normalem Niveau. In diesem Markt sei das Autohaus aber auch aktiv. „Ich muss ja meine vier Verkäufer beschäftigen. Wir müssen uns über Wasser halten.“ Den Vorjahresumsatz von rund 12,5 Millionen Euro werde er 2022 nicht erreichen, befürchtet Weismann, der insgesamt 30 Mitarbeiter beschäftigt. Fachkräfte hat er noch ausreichend. Für die Werkstatt hätte er auch noch Bedarf. Doch bleibe er vorsichtig, da er mit einer Delle im Geschäft rechnet. „Die Kaufkraft schwindet, das Konsumklima ist am Boden.“

BMW Scheller hat vorsorglich geordert

BMW Scheller mit Autohäusern in Ludwigshafen, Bad Dürkheim und Grünstadt hat vorgesorgt. „Wir haben vorausschauend Autos geordert, somit noch ausreichend Lagerbestand“, sagt Andreas Scheller von der Geschäftsleitung. Denn auch er weiß: „Es wird mehr von der Stange gekauft.“ Trotzdem registriert auch Scheller bei Privatkunden eine leichte Zurückhaltung. Zudem stiegen Kunden auf kleinere Modelle um. Anders sehe es bei Gewerbekunden aus, die zu 70 Prozent Leasingverträge abschlössen und bei denen vorhersehbar sei, wann sie den nächsten Wagen bräuchten, auf den sie zwingend angewiesen seien.

In jüngster Zeit seien die von Scheller vertretenen Marken BMW und Mini nicht im gleichen Maß von Lieferengpässen betroffen gewesen wie Teile der Konkurrenz. Scheller führt das auf Produktionsstätten in China und Amerika zurück. Am ehesten sei es noch bei Elektrofahrzeugen zu Engpässen gekommen – wegen der Anzahl der verbauten Chips. „Aber im Prinzip ist jedes Auto lieferbar gewesen, wenn die Kunden bei der Ausstattung kompromissbereit gewesen sind“, blickt der Autohändler zurück.

„Aktuell macht das Auto verkaufen keinen Spaß“, räumt eine Händlerin ein.
»Aktuell macht das Auto verkaufen keinen Spaß«, räumt eine Händlerin ein.

Ähnlich wie das Autohaus Weismann in Frankenthal ist Scheller engagiert im Gebrauchtwagengeschäft, kauft aktiv zu. Deshalb seien die Verkaufszahlen in diesem Bereich „sehr ordentlich“. Mit den Betriebsstätten Ludwigshafen, Bad Dürkheim und Grünstadt verzeichnete Scheller 2021 einen Umsatz von rund 65 Millionen Euro. Aktuell sind dort 152 Mitarbeiter, darunter 43 Auszubildende beschäftigt. „Da uns die Berufsausbildung und die anschließende Übernahme wichtig ist, rekrutieren wir einen Großteil der Mitarbeiter aus den eigenen Reihen. Zur Zeit suchen wir noch einen Kfz-Mechatroniker“, berichtet Andreas Scheller.

Citroën Höhl: Gute Gebrauchte schnell weg

„Aktuell macht das Auto verkaufen keinen Spaß“, meint Heidi Höhl vom Citroën-Autohaus Werner Höhl in der Speyerer Industriestraße. Die Zeit der Rabatte beim Autoverkauf sei vorbei. Der älteste Verkaufsvertrag für ein noch nicht ausgeliefertes Neufahrzeug stamme aus dem März 2021. Ob der noch zu dem damals avisierten Preis geliefert werde, das wisse sie aktuell gar nicht. Somit stellt sich auch bei Citroën regelmäßig die bange Frage: „Wann kommt der Neuwagen?“

Auch Höhl erkennt beim Neuwagenverkauf einen rückläufigen Trend. Bei Citroën sieht die Fachfrau Höhl zudem das spezielle Problem, dass das bei vielen beliebte Berlingo-Modell nicht mehr als Benziner oder Diesel zu haben ist, als Elektrofahrzeug aber nicht so attraktiv sei. Bei den Gebrauchten sieht sie aktuell ebenfalls keine Entspannung am Markt. „Wenn wir einen guten Wagen da haben, dann ist der auch schnell wieder weg“, weiß sie aus der Verkaufspraxis.

Elf Beschäftigte sind beim Autohaus Werner Höhl angestellt. Der älteste Mitarbeiter sei schon seit mehr als 40 Jahren dabei. „Wir sind eine alteingesessene Firma. Das Arbeitsklima ist gut“, weiß Höhl. Personalprobleme habe das Autohaus aktuell nicht.

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