Frankenthal Das Lachen der Lämmer

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Lämmchen und Metallleitern, Fensterputzen und Bild-Zeitung, Jagdgewehr und ein heiliger Mülleimer: Was man aus solchen Vorgaben alles machen kann, bewies das Mannheimer Improvisations-Ensemble von Drama Light wieder einmal im Frankenthaler Kulturzentrum Gleis 4. Sabine Strobach, Jens Wienand und der musikalische Mitspieler Andreas Rathgeber gastierten hier am Freitag vor ausverkauftem Haus. Für etwa die Hälfte des Publikums war es das erste Erlebnis dieses Art.

Im Gespräch mit den Zuschauern beraten sich Strobach und Wienand, was einen denn so am meisten beschäftigt. Eine Dame im Publikum war zwei Wochen in Irland, hat dort Lämmchen aufgezogen. Für jemand anderes sind Kaffee und Brötchen das Wichtigste beim Frühstück. Jemand anderes findet sexistische Spammails und Online-Werbung für Metallleitern richtig nervig. Aus diesen Vorgaben stricken die Darsteller eine lockere, vor allem lustige Szenenfolge. Ein Start-up-Frühstücksservice wird vorgestellt, inklusive dicken Datenblatt-Ordnern mit den Wünschen der Kundschaft. Wir lernen Katrin und Bernd kennen, die ihren dreijährigen Albert mit tüchtigem Leistungsdenken fürs Leben stählen wollen – da darf man die Ostereier nicht zu leicht verstecken, und ein Lamm führt ihn vielleicht zu verantwortlichem Denken. Vor der Waschmaschine entfaltet sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen schnodderpälzischem Dialekt und polnischer Pragmatik – und zwar anhand der so wichtigen Frage der zarten, ja zärtlichen Sockenpflege. Der neugierige Nachbar lädt sich zum Grillen ein, leiht sich aber vorher noch eine Leiter aus – der Polizist, der den folgenden Unfall untersucht, ist freilich auch ein guter Grill-Partner. Und inzwischen ist Albert mit dem Lämmchen ausgebüchst, wahrscheinlich hat Katrin beim Japanisch-Unterricht etwas falsch betont und statt „Füttere das Lamm“ „Fahr nach Gelsenkirchen“ gesagt. Kaum schaut man auf die Uhr, ist eine Stunde vorbei. Und wir haben einiges gelernt, auch darüber, wie so ein Frühstücks-Start-up vor allem als 24-Stunden-Service (und Datenverkaufsstelle) Erfolg hat; oder dass die New Yorker Skyline durchaus Platz hat auf einem Osterei. Vor allem aber haben die beiden uns ewige Weisheiten mit auf den Weg gegeben. So aus dem Mund des polnischen Klempners: „Frau sieht immer harte Mann und denkt nie nach, was Fuß fühlt!“. Und mit der Philosophie eines japanischen Meisters: „Wo der Weg ist, ist auch das Lamm, aber wo das Lamm ist, ist nicht unbedingt der Weg!“ Improvisationstheater kann einen also an Orte führen, die einem zuvor nicht im Traum eingefallen wären. Für die Spieler ist das intellektueller Hochleistungssport. Zur Hilfe kommen ihnen dabei Zufälle als Möglichkeiten zur weiteren Handlungsführung. Und so kann ein kleiner Input von außen große Wirkung an Ideen entfalten wie beim gemeinschaftlichen Brainstorming. Kein Wunder, dass Drama Light auch Impro-Workshops im Business-Bereich anbietet. Bei Auftritten vor Publikum steht natürlich der Spaß im Vordergrund – Spaß, wie ihn gezielte Irritationsmomente erzeugen, die die Darsteller fürs Publikum wie für den Mitspieler setzen. Herausforderungen lassen jeden über sich selbst hinauswachsen. Und so bieten Strobach und Wienand schließlich die Premiere eines Theaterstücks an. Nach Publikumszurufen sind sie ausgestattet mit Jagdgewehr, Mülleimer, geheimnisvoller Türe und Elbphilharmonie-Graffiti, genannt „Zuhause in Bretzfeld“. Es ist ein Liebesdrama-Thriller um den Dämon der Heimat, den Zwang zum Zuhausebleiben: 20 Häuser, 40 Straßen, 60 Türen, 80 Schicksale, umreißt Wienand die Problematik. Die Herausforderung, unterhaltsam zu sein, beinhaltet auch einen Charity-Oster-Song namens „Eier aus Lakritze“, den die besten der deutschen Popkünstler in ausgestellter Benefiz-Nächstenliebe eingesungen haben: Bis beim Einsatz des coolen Westernhagen-Altrockers Sabine Strobach schlicht nicht mehr kann vor lauter Lachen.

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