Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Brand II: Pläne für größeres Gewerbegebiet bleiben Zankapfel

Vor allem mit der Erinnerung an überschwemmte Felder rund um Flomersheim und Eppstein argumentieren Politiker aus den Vororten g
Vor allem mit der Erinnerung an überschwemmte Felder rund um Flomersheim und Eppstein argumentieren Politiker aus den Vororten gegen die Baupläne der Nachbargemeinde.

Zwei Gremien, zwei Meinungen: Während sich im Ortsbeirat Eppstein alle Fraktionen gegen das von der Ortsgemeinde Lambsheim geplante Gewerbegebiet „Im Brand II“ ausgesprochen hatten, winkte der Planungs- und Umweltausschuss die Frankenthaler Stellungnahme zum Projekt im Überschwemmungsgebiet der Isenach durch – mit Änderungen.

„Wir sind dagegen, dass dort gebaut wird, weil Eppstein dann bei Starkregen absäuft“, führte Rudi Sturm (FWG) im Ortsbeirat aus. Hans Dropmann (CDU) sprach von einem sehr sensiblen Gebiet und appellierte an die Nachbargemeinde, andere Wege für eine Bebauung zu finden. Markus Rittmann (SPD) wunderte sich, dass man in Lambsheim Angst habe, einen Schieber in die Isenach einzubauen. Zu denken gebe, dass das Plangebiet in der Vergangenheit häufig überschwemmt gewesen sei und zunächst um einen Meter aufgefüllt werden müsse. „Das passt alles nicht zusammen, da wird einiges schöngerechnet“, meinte Rittmann. Er warnte vor schweren Folgen für den Vorort. Auch Sylvia Classen-Czeczerski (Grüne/Offene Liste) lehnte die Erweiterung ab.

Deutlicher formuliert

Michael Reinhardt, stellvertretender Chef des Fachbereichs Planen und Bauen, wies den Ortsbeirat darauf hin, dass Lambsheim verpflichtet sei, ein Retentionsvolumen von 7400 Kubikmetern zu schaffen. Im Zuge der Renaturierung der Isenach oberhalb der ehemaligen Mühle seien bereits 5100 Kubikmeter hergestellt worden. Für den Rest von 2300 Kubikmetern sei ein unterirdisches Regenrückhaltebecken vorgesehen. Dem Bebauungsplan könne aus Sicht Frankenthals zugestimmt werden, wenn Ersatzmaßnahmen für das Rückhaltevolumen vor Baubeginn umgesetzt würden.

Diese Bedingung und die Ankündigung, das Einhalten der von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd gemachten Auflagen kontrollieren zu wollen, wird in der Stellungnahme der Stadt zu dem Planverfahren nun noch einmal deutlicher formuliert. Das ist das Ergebnis, nachdem sich am vergangenen Donnerstag dann auch noch der Planungs- und Umweltausschuss mit dem umstrittenen Vorhaben beschäftigt hatte.

Teils hitzige Debatte

Die Debatte verlief in diesem Gremium allerdings in Teilen durchaus hitzig: Die Flomersheimer Ortsvorsteherin Heike Haselmaier (CDU) hatte die Position ihres Ortsbeirats wiederholt, derzufolge ihm die vorgeschlagene Stellungnahme der Stadt „zu lasch“ sei. Sie erinnerte an Starkregenereignisse der zurückliegenden Jahre, bei denen Felder rund um den Vorort überschwemmt gewesen seien. „Das Wasser fließt eben nicht den Berg rauf“, wies sie auf die Sorgen der Unterlieger hin.

Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) reagierte verärgert: Die Berechnungen der Ingenieure „pauschal in Abrede zu stellen, halte ich nicht für sachgerecht“. Mit Verweis auf das Beispiel des Sportplatzes in Mörsch, der auch mit Ausnahmegenehmigung in ein Überschwemmungsgebiet gebaut worden sei, warnte Hebich davor, sich im Fall Lambsheim mit einer Ablehnung in Widerspruch zum eigenen Verhalten zu setzen. „Wir müssen uns da an die eigene Nase fassen.“

Bruder: Problematisch

Der Flomersheimer Gerhard Bruder (Grüne/Offene Liste) erinnerte daran, dass Überschwemmungsgebiete über Jahrzehnte planungsrechtlich eine „heilige Kuh“ gewesen seien. Der Klimawandel mit seinen Unwägbarkeiten mache Eingriffe wie den in Lambsheim mit „Im Brand II“ geplanten „äußerst problematisch“. Die Ängste in der Landwirtschaft seien groß. „Mir fällt es schwer, dem Freibrief der SGD zuzustimmen“, sagte Bruder. CDU-Fraktionssprecherin Gabriele Bindert erklärte ihr Vertrauen in die Berechnungen der Wasserwirtschatsexperten.

x