Frankenthal
Bildteppich aus dem 16. Jahrhundert kehrt an seinen Ursprungsort Frankenthal zurück
Ein qualitativ hochwertiger und kunsthistorisch bedeutsamer Bildteppich ist nach 450 Jahren an den Ort seiner Herstellung zurückgekehrt und wurde am Mittwoch, 19. März, im Frankenthaler Erkenbert-Museum präsentiert.
Die Tapisserie, gefertigt in einem Frankenthaler Wirkatelier und datiert auf etwa 1575/80, ist ein sehr seltenes „Kaminstück“ mit einer Größe von nur 119 auf 117 Zentimetern. Es zeigt die biblische Szene der Begegnung des Feldherrn David mit Abigail, der Gattin des Viehbesitzers Nabal aus dem Ersten Buch Samuel, Kapitel 25. Die Szene wird von Säulen sowie einer Bordüre mit Blumengirlanden und Putten eingerahmt. Neben Wolle wurden Seide und Metallfäden verarbeitet.
Für Museumsleiterin Maria Lucia Weigel repräsentiert der Bildteppich das hohe, mit flämisch-niederländischen Werkstätten vergleichbare Qualitätsniveau der Frankenthaler Tapisserieproduktion des späten 16. Jahrhunderts in außergewöhnlich ansprechender Weise. Aufgrund des explizit kleinen Formats handele es sich um ein Unikat. Vergleichbare Stücke seien nachweislich von Moritz de Carmes in dessen Frankenthaler Werkstatt für den Herzog Christoph von Württemberg gefertigt worden.
Dass der Teppich nunmehr an den Ort seiner Entstehung zurückkehre, nannte Weigel einen seltenen Glücksfall. Dieser Einschätzung schloss sich Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG) an, indem er darauf hinwies, dass ein derart außergewöhnliches Kunstwerk seit 50 Jahren nicht mehr auf dem Markt gewesen sei. Der Ankauf zog sich drei Jahre hin und wurde noch von seinem Amtsvorgänger Martin Hebich (CDU) eingefädelt.
Zustande gekommen ist die Transaktion auf Vermittlung des renommierten, auf Tapisserien des 16. Jahrhunderts aus dem Südwesten Deutschlands spezialisierten Kunsthistorikers Hanns Hubach von der Universität Bern, der in Haßloch lebt und den Bildteppich in einer Galerie in London entdeckte und der Stadt Frankenthal zum Erwerb riet. Das Kunstwerk war früher im Familienbesitz von Lucy Goldschmidt-Moses in New York und wurde 1994 bei Christie's in den USA öffentlich versteigert.
Bei einem Kaufpreis von etwas über 100.000 Euro war man seitens der Stadt auf großzügige Geldgeber angewiesen. Das Land Rheinland-Pfalz beteiligte sich mit einem Zuschuss von 50.000 Euro. Kulturstaatssekretär Jürgen Hardeck sprach von einem Schatz, der sich neben der Malerei und dem Kunsthandwerk wunderbar in die Sammlung des Erkenbert-Museums einfüge. Das Motiv des Bildteppichs sei damals schwer in Mode gewesen und auch von Rubens verwendet worden.
Miteigentümerin des Bildteppichs ist die Ernst von Siemens Kunststiftung, die 30.000 Euro zum Kaufpreis beisteuerte. Generalsekretär Martin Hoernes lobte die professionelle Abwicklung des Geschäftes und fand, dass Frankenthal nunmehr über ein Stück verfüge, das am Ort seiner Entstehung die größte Strahlkraft entwickele. „Passen Sie gut darauf auf und sorgen Sie für einen angemessenen Rahmen im neuen Museum“, sagte er. Die Tapisserie besteche durch die ausgesprochen virtuose Gestaltung des biblischen Motivs, dessen hohe bildwirksame Qualität sowie durch ihren sehr guten Erhaltungszustand.
Einmal mehr brachten auch die Sparkasse Rhein-Haardt und ihre Stiftung – repräsentiert durch Vorstandsmitglied Thomas Distler – ihre Verbundenheit mit dem Museum zum Ausdruck und unterstützten den Ankauf mit insgesamt 15.000 Euro.
So einzigartig der Bildteppich auch sein mag, um das kulturelle Erbe Frankenthals zu bewahren und – wie es Maria Lucia Weigel formulierte – Geschichte vor Ort erlebbar zu machen –, das gute Stück konnte nur wenige Stunden bewundert werden. Es wandert jetzt erst einmal bis zur Wiedereröffnung des Erkenbert-Museums in einigen Jahren ins Depot.