Frankenthal RHEINPFALZ Plus Artikel Biker und Skater ziehen an einem Strang

Tobias Hunger vom Planungsbüro Landskate erklärt, wie der zukünftige Skate- und Mountainbikepark am Nordring aussehen könnte.
Tobias Hunger vom Planungsbüro Landskate erklärt, wie der zukünftige Skate- und Mountainbikepark am Nordring aussehen könnte.

Aus Zwei mach Eins. Kein leichtes Unterfangen, wenn für Skater und Biker eine gemeinsame Sportanlage entstehen soll. Ein Informationsworkshop in der Zuckerfabrik zeigt: Es wird auf einen Kompromiss hinauslaufen, bei dem die Fraktion der Zweiradfahrer wohl die größeren Zugeständnisse machen wird.

Für beide Trendsportarten sieht es aktuell schlecht aus in Frankenthal: Die jugendlichen Mountainbiker haben, nachdem ihre selbst errichteten Parcours im kleinen Wäldchen am Strandbad abgebaut wurden, seit einigen Jahren kein Übungsgelände für ihre sogenannten Dirt Jumps – Luftsprünge über große Distanzen, bei denen akrobatische Tricks ausgeführt werden. Dirt-Bike-Anlagen ähneln mit ihren Hügeln, Sprungschanzen und Pisten der Motocross-Strecke zwischen Frankenthal und Bobenheim-Roxheim und bestehen aus Lehm oder Erde.

Die Skater wiederum sollen mit ihrer Anlage vom Jakobsplatz wegziehen, da sich dort die Anwohner durch den entstehenden Lärm gestört fühlen. Herkömmliche Skateanlagen bestehen aus Asphalt, auf denen sich aufmontierte Hindernisse wie Kanten, Geländer und Rampen befinden.

Auf Initiative der Jugendlichen suchte die Stadtverwaltung nach einem geeigneten Gelände, das nun gefunden wurde und im Industriepark Nord zwischen Nordring und Carl-Benz-Straße liegt. Bei einem Workshop sollten die künftigen Nutzer ihre Ideen und Wünsche für den Bau einer Skate- und Mountainbikeanlage einbringen.

Boden und Hindernisse aus einem Guss

Bevor die rund 20 jungen Teilnehmer das Wort hatten, referierte Tobias Hunger – Projektleiter für Nutzerbeteiligung vom Kölner Planungsbüro Landskate, das in der Bundesrepublik zirka 60 Skateparks konzipiert hat und derzeit 40 Anlagen plant. Alle Parks sind inklusiv und damit auch für Sportler mit Rollstühlen geeignet. Hunger, der seit 35 Jahren aktiver Skateboarder ist, informierte, dass moderne Skateparks mit Ortbeton gebaut werden, wobei dieser direkt auf der Baustelle gegossen, geformt und ausgehärtet wird.

Boden und Hindernisse sind aus einem Guss und ähneln auf den Beispielfotos, die der Referent zeigte, bunten Mondlandschaften, ganz wie in einem Trickfilm. Vorteile dieser Bauweise: Die Sportler hätten bei Stürzen keine Schürfverletzungen zu erwarten, wie sie auf Asphalt entstehen. Zudem sei die Lebensdauer dieser Anlagen so lang wie die herkömmlicher Skateanlagen, die dafür günstiger in der Anschaffung sind.

Interessant für die Gäste der Stadtverwaltung – Oberbürgermeister Nicolas Meyer (FWG), Sozialdezernent Bernd Leidig (SPD) und Karin Geisler vom Bereich Planen und Bauen – waren vor allem die Kosten. Je nach Größe des Geländes, der Ausstattung und den Extras (beispielsweise können Wasserspender installiert werden, ebenso wie Internet oder Beleuchtung) kann der Preis für eine Anlage bis in den siebenstelligen Bereich kommen. „Es ist wichtig, dass wir im Workshop ein Ziel erarbeiten. Aber das Geld ist knapp“, erklärte der OB. Es sei angedacht, zusätzliche Gelder bei örtlichen Unternehmen zu akquirieren. Hunger stellte in Aussicht, dass die Stadt verschiedene Fördertöpfe nutzen könne.

Biker und Skater zeigen sich zufrieden

Wichtiger für die Jugendlichen war die Frage, welche Sportart auf der zukünftigen Anlage tatsächlich betrieben werden könne. Ein Drittel der Teilnehmer waren Biker und hofften auf eine Dirt-Bike-Anlage. Hunger informierte, dass die von seinem Unternehmen konzipierten Skateparks mit allen Rollsportgeräten befahrbar seien. Auf die Planung reiner Dirt-Parks sei Landskate allerdings nicht spezialisiert.

Es schloss sich eine Diskussion über die Größe des Geländes an, das aus einem länglichen Oval besteht und der Stadt gehört. Laut Geisler habe man über 2000 Quadratmeter zur Verfügung und damit weit mehr als die ursprünglich angesetzten 800 Quadratmeter. Allerdings sei die Stadt zunächst davon ausgegangen, dass die Büsche, die das Areal von drei Seiten umgeben, erhalten bleiben. Es sei denkbar, einen Teil der Büsche zu entfernen. Je größer die Sportfläche, umso höher der Anschaffungspreis und umso größer sei die Ausgleichsfläche, die geschaffen werden müsse. Der Fußweg, der die Fläche an der südwestlichen Seite durchquert, dürfe nicht angetastet werden.

Vertreter aus der Gruppe der Biker äußerten, dass ihnen ein Anlaufturm und zwei bis drei Sprunganlagen reichen würden. Hunger meinte, dass die platztechnisch machbar sei. Skater Sebastian Konz sagte, die Alternative zur bisherigen Skateanlage am Jakobsplatz mit den Maßen eines Bolzplatzes würde viele Vorteile bieten: Sie sei größer, liege nicht in der Nähe von Wohnhäusern und sei mit Bus und Fahrrad gut erreichbar. Leidig ergänzte, dass mit Tankstelle und Supermarkt in der Nähe Einkaufsmöglichkeiten vorhanden seien.

Es blieb die Frage, wann die jugendlichen Sportler an den Nordring umziehen können. Hunger und Meyer gaben an, dass die Anlage ungefähr in zwei Jahren eingeweiht werden könne. Zunächst werden die Ergebnisse des Workshops in den politischen Gremien vorgestellt. Dann gehe es an die Feinplanung, Finanzierung und das Einholen von Genehmigungen. Die tatsächliche Bauzeit werde sich auf sechs bis zwölf Wochen belaufen.

x