Frankenthal Bender GmbH: Neuer Schub durch neue Produkte

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Betriebsräte im Gespräch (3): Dass sich aus Krisen auch Chancen ergeben können, hat Milos Markovic erlebt. Seit 25 Jahren arbeitet der Vorsitzende des Betriebsrats bei der Bender GmbH. Mit Getränkeverschlüssen hat das Unternehmen seinen Rang als Marktführer behauptet. Mit zusätzlichen Produkten hat es sich zukunftsfest gemacht.

Der Frankenthaler Traditionsbetrieb, 1851 als Handelsunternehmen in Mannheim gegründet, verfügt über jahrzehntelange Erfahrungen auf seinem Spezialgebiet, der Verschlusstechnik. Flaschenverschlüsse wurden hier früher aus Metall hergestellt. Heute dagegen ist Kunststoff, unter Hitzeeinwirkung verarbeitet mit der sogenannte Spritzgusstechnik, das Material der Wahl. Vom Handwerk her kennt Markovic beide Welten: „Ich habe Betriebsschlosser bei der BASF gelernt“, berichtet er, „die 10. Klasse in Frankenthal absolviert, Fachabitur gemacht und dann bei Bender als Schichtführer angefangen.“ Als er 1990 in den Betrieb eintrat, „ging’s mit Kunststoff gerade los“, sagt der heute 46-Jährige. Diese Sparte sei dann „immer größer“ geworden. So „550, 600 Leute“ habe das Unternehmen damals noch beschäftigt. Heute arbeiten rund 150 Leute bei Bender. Gefertigt wird sieben Tage die Woche „in fünf Schichten rund um die Uhr“ (Markovic). Das Unternehmen, das mittlerweile zum international tätigen Konzern Global Closure Systems (GCS) gehört, hat anstrengende Jahre der Umstrukturierung hinter sich. Vom Aluminium als Ausgangsmaterial hat man sich wegen schrumpfender Nachfrage schon lange verabschiedet; Millionen wurden in den zunehmend automatisierten Kunststoffbereich investiert. Bei den Flaschenverschlüssen haben Billiganbieter, die bei den Discountern auf dem Vormarsch sind, in den letzten Jahren an Boden gewonnen. Mit einfacher konstruierten Verschlüssen lässt sich aber weniger verdienen als mit anspruchsvolleren Produkten, wie sie Bender in Millionen-Stückzahlen an Markenartikler wie Coca-Cola, Gerolsteiner oder Red Bull liefert. Daher hat das Frankenthaler Unternehmen, das sich bei den Verschlüssen weiter als Marktführer in Deutschland sieht, sein Produktprogramm erweitert: Er produziert auch Kaffeekapseln für den Nestlé-Konkurrenten Mondelez („Tassimo“) und es stellt Kosmetiktiegel für die Beiersdorf AG her. Aufgrund dieser strategisch wichtigen und richtigen Entscheidungen könne man nun positiv in die Zukunft schauen, sagt Milos Markovic. „Dank dieser neuen Produkte sieht’s für die Zukunft besser aus, und es sind auch schon einige Leute neu eingestellt worden.“ Gefragt sei nun in verstärktem Maß Fachwissen – „Leute, die sich in ihrem Gebiet sehr gut auskennen“, sei es nun als Lebensmittelchemiker, bei der Qualitätskontrolle oder beim Einrichten von Maschinen. Markovic, der „in Frankenthal aufgewachsen“ ist und in Obersülzen wohnt, ist seit fünf Jahren Vorsitzender des siebenköpfigen Betriebsrats. „Das ist meine zweite Amtsperiode“, sagt er, „vorher war ich ein Jahr Nachrücker“. Sozusagen „von Null auf Hundert“ zu gehen, das sei zwar nicht ganz einfach gewesen, „aber ich mache das aus Überzeugung. Ich helfe gerne und habe auch vorher schon anderen Leute geholfen“. Dass Betriebsrat und Geschäftsleitung nicht immer dieselbe Meinung haben könnten, sei normal. „Die Zusammenarbeit klappt aber ganz gut“, unterstreicht Markovic, der im Regelfall etwa zwei Tage pro Woche für die Betriebsratsarbeit investiert. Als Beauftragter für Energiemanagement und innerbetriebliche Verbesserungsprozesse hat er zudem wichtige Aufgaben im Unternehmen inne. Ob sich daraus auch einmal Interessenkonflikte ergeben könnten? „In die Bredouille bin ich bisher nicht gekommen“, sagt Markovic. Diese Aufgaben könne man sehr wohl vereinbaren. Und es nutze ja allen, dass Bender etwa beim Thema Energie „sehr gut aufgestellt“ sei. Zu den Themen, die im Betriebsrat auf der Tagesordnung stehen, gehören die Arbeitsbedingungen für ältere Kollegen. Markovic nennt ein Beispiel, das zeigt, dass besserer Arbeitsschutz sich für ein Unternehmen auch unmittelbar lohnen kann: Früher seien die in große Kartons abgefüllten Flaschenverschlüsse von Hand „gerüttelt“ worden, um sie möglichst gleichmäßig zu verteilen und so qualitätsmindernde Verformungen zu verhindern – eine körperlich sehr anstrengende Arbeit. Auf Initiative des Betriebsrats würden mittlerweile maschinelle Rüttelplatten eingesetzt – und damit lasse sich das qualitative Ergebnis dieses Arbeitsgangs sogar noch verbessern. DIE SERIE: Betriebsräte im Gespräch
Sie kümmern sich um die Belange der Arbeitnehmer: Betriebs- und Personalräte. In unserer Serie stellen wir sie und ihre Arbeit vor.

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