Frankenthal
Beifall für Neugraben-Anschluss
Die Verwaltung informierte den Ortsbeirat schriftlich über den Sachstand. Mit der Maßnahme solle ein weiterer Baustein im Wasserwirtschaftlichen Gesamtkonzept umgesetzt werden, steht in der Vorlage. Die Neuanlage der rund 820 Meter langen Spange soll naturnah gestaltet werden und mäandern, das bedeutet, in Schlingenform angelegt werden. Durch den neuen Teil des Grabens werde ein zusätzliches Rückhaltevolumen von rund 6100 Kubikmetern Wasser geschaffen. Über ein ebenfalls neu zu erstellendes Pumpwerk dürfen laut Vorlage bis zu 500 Liter Wasser in der Sekunde in die Isenach eingeleitet werden.
Der Neubau der Spange soll rund 1,3 Millionen Euro kosten, das Pumpwerk rund 716.000 Euro. In die Modellierung des Grabensystems, das in den Neugraben mündet, soll rund 1,25 Millionen Euro investiert werden, um einen guten Abfluss zu ermöglichen. Für den Neubau der Spange, deren Bauzeit auf ein Jahr bis 18 Monate geschätzt wird, und die Grabenmodellierung wurde vom Land ein Zuschuss von 80 Prozent der förderfähigen Kosten in Aussicht gestellt, für das Schöpfwerk 40 Prozent. Finanziert werden die verbleibenden Kosten über die Verbandsumlage des Zweckverbands, an dem auch die Stadt Frankenthal beteiligt ist. Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU) ist der Verbandsvorsteher.
Beim B-9-Bau abgehängt
Der Neugraben wurde einst beim Bau der Bundesstraße 9 zwischen Eppstein und Studernheim vom Grabensystem abgehängt, sodass das Wasser nicht mehr abfließen konnte. Viele Hausbesitzer – insbesondere im Osten Eppsteins – machten damit leidvolle Erfahrungen. Oft beklagten sie Wassereinbrüche in ihren Kellern. Wie der Abfluss dieses Grabens wieder erreicht werden kann, darüber wird schon seit vielen Jahren diskutiert.
Rund 300 Hektar Ackerfläche würden letztlich über den Neugraben entwässert, informierte Ortsvorsteher Uwe Klodt (SPD). Das Einzugsgebiet reiche bis zu Amazon. Ratsmitglied Hans Dropmann (CDU) sagte, dass dieses Projekt eins der dicken Bretter sei, die in der Politik gebohrt werden müssten. Er dankte OB Hebich und dem Geschäftsführer des Zweckverbands, Hans Peter Theiß, für ihren Einsatz. „Ein Wermutstropfen ist die Bauzeit von bis zu 18 Monaten“, so Dropmann, der sich bei der Nennung des Baubeginns mehr „Wumms“ gewünscht hätte. Trotzdem sei er froh, dass es losgehe. Rudi Sturm (FWG) zeigte sich ebenfalls erfreut darüber, dass „Eppstein bald nicht mehr untergeht“.
Einzig Josef Büffor (CDU) mahnte, dass die Einleitung in die Isenach zu umfangreich sein könne und es vielleicht dadurch an anderen Stellen in Eppstein kritisch werden könnte. Schon jetzt gebe es entlang der Isenach Probleme nach Starkregen. Trotzdem stimmte der Ortsbeirat einstimmig für das Projekt.
Zur Sache: Klodt sauer auf Hebich
Dampf ablassen musste Ortsvorsteher Uwe Klodt (SPD) zu Beginn der Eppsteiner Ortsbeiratssitzung, die aufgrund der Corona-Situation am Mittwoch im Dathenushaus stattfand. Sein Groll richtete sich insbesondere in Richtung Oberbürgermeister Martin Hebich (CDU). Die Ortsvorsteher bekämen keine Informationen aus dem Rathaus, sagte er. „Das ist kein Umgang mit den Ortsvorstehern. Das kann so nicht weitergehen“ grollte Klodt.
Dass kein Fachpersonal aus der Verwaltung zum Ortsbeirat gekommen sei, in dem es unter anderem um Themen wie die Ertüchtigung einer Stromtrasse, die über Eppsteiner Gemarkung verlaufe, oder aber den Beschluss zum Anschluss des Neugrabens gehe, was den Ortsbeirat schon seit mehr als zehn Jahre beschäftige, das sei ein Unding. „Das ist eine Missachtung demokratisch legitimierter Gremien“, schimpfte Uwe Klodt. Es habe zwar bereits Gespräche gegeben. Eine Verbesserung der Situation sehe er aber nicht. „Das ist danach eher schlechter geworden“, meinte Klodt. Dass er als Ortsvorsteher von Eppstein aus der RHEINPFALZ erfahren müsse, dass der Bau der Spange des Neugrabens zur Isenach westlich von Eppstein nun beschlossene Sache sei, sei für ihn absolut nicht nachvollziehbar.
Das habe auch mit der aktuellen Corona-Situation nichts zu tun, betonte Klodt. Eine solche Information, die auch telefonisch oder per Mail erfolgen könne, müsse er als Ortsvorsteher erwarten können. „Ich bin ein Teil der Verwaltung“, mahnte Klodt Richtung Rathaus.
Stichwort: Neugraben
Für die Einrichtung von Gewässerentwicklungskorridoren am Erbsensaatgraben und am Moosgraben sowie die Renaturierung von Neugraben, Renngraben, Mittelgraben und Raupengraben auf Eppsteiner Gemarkung sollen bis zum Jahr 2024 rund 5,13 Millionen Euro durch die Stadt investiert werden. Hinzu kommen der Neubau der Spange vom Neugraben zur Isenach sowie die Renaturierung des Belchgrabens. Diese letztgenannten Projekte werden vom Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach umgesetzt. Hieran ist die Stadt finanziell mit ihrer Verbandsumlage beteiligt. Dies ist aus einer Vorlage der Verwaltung zur Umsetzung der im Jahr 2000 beschlossenen Wasserrahmenrichtlinie zu entnehmen. Eine Auflistung der geplanten Arbeiten an den Gewässern im Stadtgebiet wurde dem Ortsbeirat Eppstein in seiner Sitzung am Mittwoch schriftlich vorgelegt. Der Ortsbeirat stimmte den Projekten zu.